Filmrezension
„Hateful Eight“: Verhasste Kopfgeldjäger in der Eiswüste
Gut oder böse; oder nur böse? Grafik: Rayukk, wikimediea commons (CC-BY-SA-4.0)

Nach „Django Unchained“ liefert Quentin Tarantino einen weiteren fesselnden Western ab. In gewohnter Manier bietet er den ZuschauerInnen einen ungewöhnlichen Ritt in eine Welt voller Gewalt, brillanter Dialoge und exzentrischer Figuren. Nach etwa 24 Jahren findet der Regisseur mit seinem achten Werk zu seinen Wurzeln zurück: „Hateful Eight“ entpuppt sich als Wild-West–Version von „Reservoir Dogs.“

Ab 21. Januar im Kino: „Sumé – The Sound of a Revolution“
Nie wieder Dänemark: In den 70ern protestierten GrönländerInnen für ihre Unabhängigkeit. Foto: mindjazz

Poetisch und politisch: Die grönländische Rockband Sumé sang freche Hymnen der Unabhängigkeitsbewegung gegen das Königreich Dänemark. Inuk Silis Høegh setzt der Band mit einem Dokumentarfilm ein spannendes Denkmal.

Neu auf DVD: „Die süße Gier“ von Paolo Virzi
Spielt die gelangweilte Ehefrau eines reichen Börsenhais: Valeria Bruno Tedeschi. Quelle: Movienet Film

Luxus und Leere: der italienische Erfolgsfilm „Die süße Gier“ nach den Roman „Human Capital“ ist ein Klassenkampf-Kaleidoskop als munterer Genre-Mix.

Ein Meisterwerk über die Liebe

„Blau ist eine warme Farbe“ – ein außergewöhnlicher Film über die Liebesbeziehung zweier Frauen. Ein hoch gelobtes und kontrovers diskutiertes Werk. Selten wurden Rollen in einem Film so großartig gespielt. Selten wurde die heutige gesellschaftliche Wirklichkeit von Beziehungen und sozialen Milieus so treffend eingefangen. Nun ist das herzergreifende Drama endlich auf DVD erschienen.

Bayrische Banalitäten: Rosenmüllers „Beste Chance“

Das soll es gewesen sein? Nachdem Kati (Anna Maria Sturm) und Jo (Rosalie Thomass) in den Vorgängerfilmen von Mark H. Rosenmüllers Coming-of-Age-Trilogie „Beste Zeit“ (2007) und „Beste Gegend“ (2008) zwischen Liebes- und Familiennöten, Abiturstress und provinzieller Einöde auf den Wiesen Oberbayerns von der weiten Welt träumten, kehrt in „Beste Chance“ zunächst der studentische Alltag ein.

Stümperhafte Räuber und kannibalische Hexen

Zwei kostümierte Männer, ein silberner Jesus und ein grüner Plastiksoldat, überfallen aus Not einen Goldankauf. Mit Ach und Krach entkommen sie in einem entführten Taxi der Polizei. Zusammen mit einem involvierten Jungen sowie dem hilfswilligen Taxifahrer und der Beute machen sie sich auf den Fluchtweg von Spanien nach Frankreich. Unterwegs passieren sie das berüchtigte Dorf Zugarramurdi, wo sie an eine Gruppe bösartiger, verrückter und herrschsüchtiger Hexen geraten.

Dystopisch, futuristisch und innovativ

In naher Zukunft herrscht ein neuer Kalter Krieg. Dazu gehört ein geheimes Wettrüsten bei der Entwicklung von Cyborgs und humanoiden Robotern. Der Wissenschaftler Vincent ist ein für das Militär tätiger Experte auf diesem Gebiet. Er erschafft einen neuartigen Roboter in Frauengestalt, der über eine künstliche Intelligenz mit Bewusstsein, Gefühlen und Persönlichkeit verfügt. Das Militär ist jedoch nur an einer gehorsamen Tötungsmaschine interessiert. Skrupellose Vorgehensweisen führen zu einer drastischen Eskalation der Ereignisse.

Böses Kammerspiel über die StrippenzieherInnen des Kapitals

Schnell vorwärts damit. Auch wenn es ihre KundInnen nicht wahrhaben wollen. Aber das Kapital muss weiterziehen: „Indien war gestern“, versichern die Unternehmensberater  Öllers (David Striesow) und Niederländer (Sebastian Bloomberg) ihrem Klienten. Jetzt sei Pakistan oder Afghanistan hip: Bessere Anlagemöglichkeiten, billigere Jobs.

38 Übersetzungen und jetzt die Verfilmung

Allan Karlsson sprengt sich mit seinen 99 Jahren ins Altersheim, weil er Rache an dem Fuchs nahm, der seinen geliebten Kater auf dem Gewissen hatte. In seinem dunklen Heimzimmer eingesperrt, wecken ihn die Experimente eines Jungen aus der Nachbarschaft. So steigt er neugierig an seinem hundertsten Geburtstag aus dem Fenster, wandert los und lässt dabei sein Leben Revue passieren. Ihm stellen sich aber einige Probleme in den Weg, die er jedoch nicht alleine bewältigen muss.

Sex und Sühne: Lars von Triers „Nymphomaniac 1“
Pornographie oder Filmkunst? Lars von Triers „Nymphomaniac“ spaltet die Gemüter. Foto: © Christian Geisnaes, Concorde Filmverleih

Da ist man quasi arbeitslos. Als Berufsprovokateur wie Lars von Trier hat man es wirklich nicht einfach in einer Gesellschaft, in der Psychologen Sexsucht und Soziologen eine Pornographisierung diagnostizieren. Kann man da noch mit Sex provozieren? Vielleicht. Man vermengt die Parameter: Ist das noch Filmkunst? Oder schon Pornographie? Lars von Trier bläst mit „Nymphomaniac“ zur intellektuellen Mobilmachung. Jedem Orgasmus sein Aphorismus, jedem Fellatio seine Sentenz. In einem über vierstündigen Zweiteiler werden hier vor allem provokativ Fragen aufgeworfen, die die Krux mit der Lust durchdeklinieren – wenn das absolute Begehren ins Leere läuft.

Seiten