Dortmund
Die Rechte um „SS-Siggi“ gewinnt einen Sitz und setzt wieder auf Gewalt

Ganz überraschend war es nicht: Schon auf Twitter und Facebook wurde im Falle eines „Wahlerfolgs“ ein „Schlag in den Rat“ angekündigt. Doch viele DortmunderInnen, die an diesem Abend auf der Wahlparty im Dortmunder Rathaus anwesend waren, zeigten sich schockiert, als  rund dreißig Neonazis der Partei „Die Rechte“ um den wegen Körperverletzung vorbestraften „SS-Siggi“ ihre Pläne in die Tat umsetzten und geschlossen in SA-Manier auf das Rathaus zumaschierten.

Rund 450 Rechtsradikale marschierten durch Dortmunder Vororte und trafen auf breiten Widerstand
Ruhe vor dem Sturm: In Westerfilde haben sich die Neonazis versammelt, um mit Fahnen, Transparenten und Wut im Bauch durch Dortmund zu ziehen. Foto: dh

Feiertags ist 9 Uhr morgens besonders früh. Diesige Luft legt einen Schleier über die menschenleere Dortmunder Innenstadt. Polizeiwagen warten auf dem Bahnhofsvorplatz. Der U-Turm verkündet in fliegenden Bildern, dass er Nazis schon damals doof fand. Am Abend werden die Medien berichten: von Rechtsradikalen, verbal aggressiv, friedlich protestierenden BürgerInnen, ein wenig Polizeigewalt – gegen vermummte Linksautonome, denn die haben angefangen. Alles wie immer. Und bestimmt kommen sie wieder, spätestens Anfang September, Neonazis jeder Couleur: Tätowierte, stiernackige Glatzköpfe, mit vor Wut pulsierenden Adern auf der Stirn, Möchtegernhitler, deutsche Altrocker und junge „autonome Nationalisten“ in Schwarz. Alles wie immer – oder nicht?

Ausstellung im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern geht den Dingen auf den Grund
Bergbau: Hier hat sich der Mensch die Unterwelt zu eigen gemacht ­ – nicht ohne Risiko. Foto: dh

Der Ausstellungsort passt zum Thema: Unterwelten auf Zeche Zollern – da denkt der Besucher an Bergwerkstollen, verstaubte Kohlengesichter, unterirdische Gleissysteme. Doch „Über Unterwelten“ zeigt seit Ende März mehr als die Geschichte des Bergbaus im Ruhrgebiet. Die Schau erklärt Mythen und religiöse Vorstellungen über die Welt unter unseren Füßen.

Burger-King-Prozess: Anklage erneut abgewiesen
Hinter den Kulissen tobt ein Arbeitskampf: Erneute Niederlage vor Gericht. Foto: kac

Burger-King geht erneut mit einer Niederlage aus dem Gerichtssaal: Seitdem der US-Konzern die deutsche Burger-King GmbH mit 91 Restaurants an die Yi-ko-Holding GmbH von Ergün Yildiz und Alexander Kolobov abgetreten hat, versucht die Betriebsleitung immer wieder, juristisch gegen die Belegschaften vorzugehen. Der Lohn wurde gedrückt und wird permanent verspätet ausgezahlt. Beschäftige sollten rausgeworfen werden. Besonders die Betriebsräte waren Yildiz ein Dorn im Auge: Zuletzt wurde versucht, den Betriebsratsvorsitzenden der Filiale in Dortmund-Kley rauszuschmeißen. Auch dieses Vorhaben scheiterte nun vor dem Dortmunder Arbeitsgericht.

Tanzen, trinken, diskutieren – wie bei FreundInnen im Wohnzimmer
Raum für Ideen: Der Rekorder in Dortmund. Foto: dh

Nicht missionieren wollen sie die Dortmunder Nordstadt, sondern Räume und Strukturen nutzen. Dabei sich selbst und ihre Ideen verwirklichen – unabhängig und unkommerziell. Zwei neue kulturelle Initiativen bereichern seit diesem Jahr die polarisierende Gegend in der Nachbarstadt. Rekorder und Nordpol verbinden ein ähnlicher Grundgedanke und die Organisationsstruktur als gemeinnütziger Verein. Mit dem Rekorder hat sich inzwischen ein kleines Kulturangebot etabliert, der Nordpol ist auch ein Forum für linke Politik.

Imkern – Spiegelbild kultureller Begebenheiten
Bienengeflüster - Grafik: Viola Welker

Andreas Plaas lebt in Dortmund-Deusen und betreibt seit einigen Jahren eine Wanderimkerei zwischen Ruhrgebiet und Sauerland – das heißt, er stellt die Bienenkörbe zu bestimmten Jahreszeiten in unterschiedliche Trachtgebiete. Seine Imkerei boomt – von 25 Völkern (2012) hat er seinen Bestand 2013 auf 37 Völker aufgestockt. Um ökonomisch ausschließlich vom Imkern leben zu können, bräuchte man jedoch mindestens 200 Völker und vor allem Erfahrung, ergänzt der Dortmunder Imker. Inzwischen ist sein Imkereibetrieb sogar durch den Anbauverband „Bioland“ zertifiziert und er beliefert Bioläden im östlichen Ruhrgebiet mit seinem Honig. Die :bsz hat für Euch hinter die Waben geblickt und nachgefragt.

Dortmund: Ausweitung des Sperrbezirks aufs gesamte Stadtgebiet unrechtmäßig
Prostitution im Straßenbild:  Hier der Dortmunder Straßenstrich im Jahr 2006. Foto: wikimedia / Schweiss (CC-BY-SA v3.0)

Hochgelobt und oft kopiert worden war es einst, das „Dortmunder Modell“. Mit Unterstützung der Stadt war im Jahr 2000 der Straßenstrich an der Ravensberger Straße eingerichtet worden, inklusive der mit Alarmknöpfen ausgestatteten, sogenannten „Verrichtungsboxen“ und Beratungsangeboten für die Sexarbeiterinnen. Auch das Prostitutionsgesetz von 2002 half den Frauen, auf legalem und möglichst sicherem Wege ihrem Beruf nachzugehen. Doch dann änderte sich die Situation: Prostituierte aus Osteuropa wanderten ein und die Zahl der Sexarbeiterinnen vervielfachte sich, so die Stadt Dortmund. Es wurde unübersichtlich. AnwohnerInnen beschwerten sich und von einer „Gefahr für Kinder und Jugendliche“ und des „öffentlichen Anstands“ war die Rede. Die Stadt zog, unterstützt von der Bezirksregierung Arnsberg, eine drastische Konsequenz: Im Jahr 2011 schloss die Stadt nicht nur den Straßenstrich, sondern erklärte das gesamte Stadtgebiet zum Sperrbezirk. Nun hat eine der Sexarbeiterinnen geklagt – und Recht bekommen.

Der Fußball und sein Rassismusproblem
Am vergangenen Wochenende kam es zu rassistischen Parolen in italienischen Stadien. Foto: rl

Während im deutschen Fußball der Ball derzeit ruht und die wichtigsten Nachrichten den Schalker Mittelfeldspieler Lewis Holtby und seinen Wechsel zu den Tottenham Hotspurs (voraussichtlich) im Juni 2013 betreffen, wird in manchen europäischen Ligen schon wieder vor das runde Leder gekickt. Abseits des Spielgeschehens kam es jedoch vermehrt zu politisch unhaltbaren Auswüchsen in den Fanlagern, zuletzt in Italien in Form rassistischer Schmähgesänge. Auch der deutsche Fußball ist gegen Probleme dieser Art nicht immun, wie der Fall Borussia Dortmund nahelegt.

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