1000ste :bsz
Die JapanerInnen schreiben 千 – die alten RömerInnen schrieben M
Seit 1967: Die älteste kontinuierlich erscheinende Studi-Zeitung der BRD feiert ihre 1000. Ausgabe. Quelle: RUB; Illustration: ck

1967 nahm ein wagemutiges, aber niemals so langfristig geplantes Projekt seinen Anfang. Die MacherInnen von damals sind erstaunt und auch wir können es kaum fassen:

Ihr lest hiermit die virtuelle Fassung der 1000sten Ausgabe der „Bochumer Stadt- und Studierendenzeitung“ auf Euren digitalen Anzeigegeräten.

:bsz-Mitbegründer Ulrich Dröge erzählt von den Anfangstagen der Zeitung
Anständige Studierende: In der 60er Jahren ging man noch mit Anzug und Krawatte in die Universität. Quelle: Universitätsarchiv Bochum, Dep. Staatl. Bauamt Bochum 02, Nr. 67.0140 (© Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW)

Was mich immer wieder erstaunt: Dass so viele Generationen von journalistisch interessierten Studierenden motiviert waren – und noch immer motiviert sind –, die :bsz am Leben zu erhalten.

Ein Konzept mit Ewigkeitsgarantie hatten wir, die GründerInnen und redaktionell Verantwortlichen von 1967/68, nicht vorlegen wollen. Dem damals neugewählten „Vorstand“ der Studierendenschaft (der Begriff AStA kam erst später zu Ehren) war nur eines klar: Er brauchte ein publizistisches Organ, um für seine Existenz und seine Pläne zu werben; die Studierenden, ihr Parlament und die Fachschaften brauchten ebenfalls eine Plattform, um Meinungen und Vorschläge breiter öffentlich zu machen.

Gespräch mit dem 4. AStA-Vorsitzenden der RUB, Christoph Zöpel
Brachte die Demokratie an die RUB: Dr. Christoph Zöpel. Foto: Wikimedia Commons, Arnoldius (CC BY-SA 3.0)

Mieses Wetter da draußen, denke ich, während ich an jenem Donnerstag im KulturCafé sitze und auf meinen Gesprächspartner warte. In dem Moment kommt auch schon Christoph Zöpel. „Ein mieses Wetter ist das hier“, sagt der 70-Jährige nach einer freundlichen Begrüßung. „Ich komme gerade aus Jordanien, da ist es viel wärmer.“ Zöpel lehrt – wie an der TU Dortmund – an der Deutsch-Jordanischen Universität in Amman, dort zum Thema Räumliche sozioökonomische Entwicklung und Planung sowie Planung von Städten und Metropolen. Auf dem Gebiet hat er viel administrativ-praktische Erfahrung: In den 1980er Jahren war er als SPD-Minister in NRW für Landes- und Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr zuständig und hatte damit die Verantwortung für eine der größten Metropolregionen Europas, die Rhein-Ruhr-Region in der letzten Phase der Kohlekrise. Vor dieser Zeit der großen Politik musste aber auch er lernen: Als Student der Wirtschaftswissenschaften in Berlin und an der frisch gegründeten Ruhr-Uni und als dortiger AStA-Vositzender.

Als die volle U35 ein Segen gewesen wäre

Mobilität bedeutet Beweglichkeit, Flexibilität und heutzutage vor allem die Möglichkeit, jederzeit den Standort zu wechseln, sprich mobil zu sein. Betrachtet man die Anfangszeit der Ruhr-Universität Bochum – wir sprechen dabei über die 1960er Jahre – mussten die Menschen schon sehr kreativ sein und Strapazen auf sich nehmen, um Europas größte Baustelle zu erreichen und dort von A nach B zu kommen. Ohne Semesterticket und mit eingeschränktem Bahnverkehr ging es zu einem Gelände, das eher einer Kraterlandschaft ähnelte als einem Zentrum für Wissenschaft: die RUB in den Anfängen – eine etwas andere Universität.

Gegendruck oder Mainstream: Sinn und Unsinn von Studierendenzeitungen
Ob er sie wohl gelesen hätte? Che Guevara und die :bsz haben einiges gemeinsam. Illustration: mar

„Ihr größtes Problem ist die mangelnde Motivation der Gremienmitglieder zur Mitarbeit, weswegen  (…) die Artikel von minderer journalistischer Qualität bleiben.“

— Wikipedia-Definition der Studierenden-Zeitungen

Studierendenzeitungen haben etwas von Che-Guevara-Konterfeis. Sie erwecken zumindest an der Oberfläche den Eindruck von etwas Alternativem, gar Rebellischem. Genauso wie das ikonische Che-Guevara-Porträt, das in jeder (Studi-)WG aushängt, die links erscheinen will, ohne konsequenterweise links sein zu müssen. Ist, was subversiv erscheint, nur subversive Marktstrategie? Im Falle des argentinischen Revoluzzers ist es eigentlich schon Gemeinplatz: Egal ob auf T-Shirts, Flaggen oder Tassen – der Markt sucht die Leitfigur der kubanischen Revolution fast konterrevolutionär heim. Das steht fast allegorisch für den Zustand von Studierendenzeitungen, die – nicht unbegründet – fast rudimentär alternative Assoziationen erwecken.

Historie der Ruhr-Universität: Die Bildungsanstalt, die den Umschwung bringen sollte
Bau des Audimax im Jahr 1972. Quelle: Universitätsarchiv Bochum, Dep. Staatl. Bauamt Bochum 02, Nr. 72.1086 (© Bau- und Liegen­schaftsbetrieb NRW)

Heftige Auseinandersetzungen waren der Landtagsentscheidung um Bochum als Standort für eine zweite technische Hochschule in Westfalen vorausgegangen, deren Name – Ruhr-Universität – sich schon damals abzeichnete. Dann, am 15. September 1961, traf sich ein von der Landesregierung berufener Gründungsausschuss zur konstituierenden Sitzung. Die Geschichte der Ruhr-Universität nahm ihren Lauf – als nach der Freien Uni Berlin zweiter Nachkriegsneugründung in der Bundesrepublik. Und das in Bochum, nicht in Dortmund, wie es ursprünglich zur Debatte stand.

Titelseiten der Bochumer Stadt- und Studierendenzeitung von 1967 bis 2014
Zurück in die Zukunft: Dank Flux-Kompensator von 1967 nach 2014. Illustration: ck

Wir haben beim Aufbau unseres Archivs einige optisch, stilistisch und historisch interessante Perlen unserer Geschichte gefunden, die wir Euch natürlich nicht vorenthalten wollen.

Die meiste Zeit verstand sich die :bsz als Medium der Gegen-Öffentlichkeit. Das transportierte sie vor allem durch Inhalte: Berichte vom Geschehen auf dem Campus sind fester Bestandteil dieser Zeitung, genauso wie die Unterstützung emanzipatorischer Bewegungen und studentischer Kultur. Gewagt machte sich die :bsz etwa daran, die sexuelle Revolution voranzutreiben: In den 70er Jahren waren Aktfotos – auch von Redakteurinnen und Redakteuren – keine Seltenheit.

Rein optisch spiegelte sich aber durchaus der Zeitgeist in der :bsz – ob imitierend und konterkarierend (wie zu Beginn, als die :bsz der Bild-Zeitung „Konkurrenz“ machen wollte) oder im Underground-Stil, der bewusst mit aktuellen Konventionen brach.

Wir sind froh, dass wir uns mit der aktuellen Rückkehr in die Zukunft wieder neu erfinden konnten.

Doctor Who the f…
Der DeLorean: Cooler als eine Notrufzelle. Illustation: ck

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

lassen Sie sich von uns entführen auf eine Reise durch die Zeit (durch den Raum bewegen wir uns nur innerhalb der Grenzen des Campusgeländes). Auf diesen Seiten erleben Sie die Historie der ältesten deutschen Studierendenzeitung in ihrer ganzen vielfältigen optischen Pracht. Auf den Seiten, die dieser Doppelseite vorangingen, und denen, die ihr folgen, setzen wir die Zeitreise mit Mitteln des Textes und weiteren Bildern fort. Wenn Sie nun aber einwenden: „Das ist aber keine richtige Zeitreise, da fehlt die blaue Polizeizelle!“, dann sage ich: „Halt’s Maul!“

:bsz-Gespräch mit RUB-Kanzler Gerhard Möller
Prägte als Kanzler fast 15 Jahre lang den RUB-Campus mit: Gerhard Möller. Foto: RUB

Seit fast anderthalb Jahrzehnten prägt Gerhard Möller als Kanzler der Ruhr-Universität sowie als einziges konstantes Mitglied des fünfköpfigen Rektorats, das zudem aus dem jeweiligen Rektor und drei ebenfalls wechselnden ProrektorInnen besteht, das Geschehen auf dem Campus maßgeblich mit. Neben seiner Aufgabe als Beauftragter für den Haushalt leitet er die Verwaltung der RUB sowie ihrer medizinischen Einrichtungen. Am 31. Mai 2014 wird Gerhard Möller, der im Februar 65 wurde, in den Ruhestand gehen. Im :bsz-Gespräch begeben wir uns auf die Suche nach den Spuren einer 15-jährigen Kanzlerschaft an der RUB.

1000 Ausgaben und ein bisschen Feedback
BSZ besitzt Bordell! (:bsz-Archiv)

Meist verlässt eine Reaktion zu einem Artikel nicht die Köpfe der Lesenden. Manchmal sprechen die Menschen miteinander über das Medium. Und ganz, ganz selten wenden sich LeserInnen an die Zeitung und sagen der Redaktion ihre Meinung zu Artikeln, Themen oder  AutorInnen. Das ist auch bei der :bsz nicht anders. Spannend dabei ist, wie sich die LeserInnenkommunikation in knapp 50 Jahren gewandelt hat – und was gleich geblieben ist.

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