Keine Wahl?

 Der Unmut um das Wahlergebnis in Frankreich scheint groß zu sein. Mehrere Universitäten wurden besetzt, es gab Gewalt durch Polizei und rechte Milizen. 

In Frankreich wird gewählt, und so wie es nach der ersten Wahlrunde aussieht, könnte es knapp werden. In der nun folgenden Stichwahl treten der (neo)liberale derzeitige Präsident Emmanuel Macron und die Rechtsaußen Kandidatin Marine Le Pen gegeneinander an. Zwischen Le Pens Nationalismus und Macrons Untätigkeit bei sozialen Problemen und Klimawandel fühlen sich viele junge Menschen jedoch von keinem der beiden repräsentiert. Circa 40 Prozent der Menschen unter 24 haben laut Umfragen nicht gewählt. Aus Protest gegen das Ergebnis der ersten Wahlrunde wurde außerdem die Pariser Universität Sorbonne vergangene Woche besetzt und mittlerweile wieder geräumt. Unzufrieden mit dem Wahlergebnis und sich vor einer Wahl zwischen „Pest und Cholera“ sehend, hatten Studierende und junge Menschen den Campus der renommierten Uni besetzt. Die Leitung der Universität schaltete deshalb die Polizei an, die die Besetzung daraufhin gewaltsam räumte. Gleichzeitig verurteilte die Unileitung die Aktion als illegal und gewaltsam. Auf eine weitere Besetzung an der Universität Sciences Po soll es einen Angriff durch eine rechte Bürgerwehr gegeben haben. Die Hochschulgruppe von Le Pens Partei bekannte sich später zu dem Übergriff. Solche Übergriffe sind für Frankreich keine Ausnahme. Die radikale Rechte erstarkt immer mehr, Burschenschaften und Bürgerwehren sind typische Mittel dieser Gruppierungen. Mit Marine Le Pen und Éric Zemmour gingen bei der ersten Wahlrunde knapp über 30% der Stimmen an das rechtspopulistische bis – radikale Lager. Die Auswirkungen einer Präsidentschaft Le Pens wäre für viele Bevölkerungsgruppen und die Zukunft junger Menschen in Europa und im Rest der Welt verheerend. 

  :Jan-Krischan Spohr