Kolumne

It’s the most wonderful time of the year! Wuuuuhuuu! Das Volk rastet aus! Denn die heilige Glühwein-Saison hat begonnen und die Weihnachtsmärkte sind kaum zu finden. Doch das kleine „Gallische Dorf“ namens Köln hatte da ‘ne super Idee! Glühwein-Mapping im Veedel. Toll, da kannst Du quasi wie die Jahre zuvor Corona-frei Dir einen hinter die Binde gießen. Warum auch nicht, Alkohol wirkt ja irgendwie desinfizierend. Romantisch! „Glühweinstände schießen aktuell aus dem Boden“, denn Gewürzwein steht uns allen zu! So findet auch in Hamburg im Schanzenviertel das freundliche Prosten mit dem tollen Glühwein statt. Denn Weihnachten ist einfach kein Weihnachten ohne ein Heissgetränk aus einer schmutzigen Tasse, die 40 Leute schon vorher an der Schnute hatten und halbherzig mit kalt Wasser und ein bisschen Qualitäts-Spüli gespült wurde. Ach, zum Glück gibt es ja Plastik, das ist Corona-frei und lebt ziemlich lang. 

:bena

9.000 iPads können noch bis zum Jahresende an Bochumer Schulen geliefert werden. Und im Jahr 2021 nochmal 9.000! Oh, wie schön. IOS – wie schön! So kann man ein paar mehr Kids den Zugang zur digitalen Lehre ermöglichen. Auf 82 Schulen fallen dieses Jahr knapp 109 Pads. Doch mussten es iPads sein? Ich meine, so kurz wie Apple den Lebenszyklus seiner Produkte hält und Kund:innen zum Upgrade zwingen möchte, frag’ ich mich echt, ob das eine gute Langzeitinvestition ist? Hoffentlich erreichen die Pads mindestens die richtigen Kids, sprich die einkommensschwächeren Haushalte und nicht einfach die Eliteklassen. Nur nicht vergessen, die Ladekabel für Applegeräte sind auch in der Neuanschaffung teurer als von anderen Anbietern, gehen aber gerne kaputt. Ich frag mich auch, ob es bald öfter heißt: „Frau Lehrerin, ich konnte die Hausaufgaben nicht machen, weil das neue iOS-Update irgendwie voll upfucked!“ 
 

  :fufu

2020 überrascht. Es treibt in den Wahnsinn, reibt an Nerven, es polarisiert und es überrascht. Und es spendet Hoffnung, nicht viel, nicht häufig, aber ein wenig. Jana aus Kassel, der Preis für das Obst der Woche geht an dich! Ich gratuliere. Dass sie sich mit Sophie Scholl vergleicht, ist die eine Sache. Dass sie sich dabei verhaspelt und strauchelt, ist der Aufregung zuzuschreiben. Dass ein Ordner in Joggingbuchse ihr die Warnweste gibt und ihr sagt, dass er für so einen Schwachsinn nicht den Ordner spielt und sie den Holocaust verharmlost und sie völlig überzeugt „Hä?! Aber ich hab doch gar nichts gemacht?!“, stammelt ist ein ziemlicher uff-Moment. Danke, Ordner in Jogginghosen. Für den kleinen Hoffnungsschimmer in 2020. Ich hoffe, dass du einen Orden bekommst. Oder wenigstens einen Cookie.

  :ken

Kurz mal ’ne App entwickeln? Easy. Was viiiele geniale Entwickler:innen unsagbar umständlich, zahlenlastig und für viele unverständlich in eine anti-wundervolle werbungsverstopfte App prügeln, kann man auch übersichtlich und verständlich darstellen? Hexenwerk – verbrennt sie! Schon irgendwie traurig, dass es zwei Münsteraner Studis braucht, um eine (cov)idiotensichere App zu bauen, die einem auf einen Blick alles zeigt, was man wissen muss: Aktuelle Fallzahlen, Inzidenzzahlen, Neuzahlen deutschlandweit, neue Infektionen, Todesrate, belegte Intensivbetten und anteilig die für Covid-Patient:innen in der gewählten Stadt, sowie die geltenden Beschränkungen. Statt pöbeln, hier also mal ein Lob: Danke, Ole und Julian aus Münster für Corona-lokal.web.app. Liebe geht raus an Euch x3
  

:ken

Für mich waren der vergangene Freitag und Samstag, wie für viele Menschen, ein kathartisches Erlebnis. In der Wahlnacht 2016, als sich anhand der in Verruf geratenen Wahlvorhersage-Nadel der New York Times abzeichnete, dass Trump Präsident werden würde, bin ich um drei Uhr morgens in einer Kombination aus Unglauben und dem Eintreten einer unheilvollen Vorahnung zur nächsten Tankstelle geschlurft und habe eine Flasche Hochprozentigen gekauft. Die vergangene Wahlwoche, dramaturgisch eher ein abschüssiges Gefälle als eine Pyramide, hat bei mir, wie auch bei so vielen anderen, einen Knoten gelöst. Aber was bleibt in einem Land, in dem Politik wie Theater verfolgt wird? Leider die endlose Tragödie des legislativen Stillstands und einer gebrochenen Demokratie, die strukturell unfähig ist, sich selbst zu reformieren, da die Präsidentschaft nur eine Figur in einem Spiel aus viel zu häufig unterschätzten Darsteller:innen ist.   

:stem

Der Berliner Flughafen BER öffnet seine Pforten und damit sind abgesehen von Stuttgart 21 alle geplagten, prestigeträchtigen Infrastrukturprojekte fertig gestellt. Naja, fast alle. Denn dann ist dort noch Bochums ganz eigener BER – die Unlucky 310. Acht Jahre Bauzeit und drei Jahre Verspätung für die Streckenerweiterung der Straßenbahnlinie von Langendreer nach Witten, aufgrund von zu tiefen Brücken und unerwartet freigelegter Glasfaser, hat es gebraucht. Zwischendurch noch den ein oder anderen Unfall mit LKW, Porsche und anderer Straßenbahn, musste die starke Kämpferin durchstehen, um vergangenen Sonntag feierlich eröffnet zu werden. Feierlich? Naja, nicht ganz. Denn dank dem aktuellen Pandemie-Geschehen wurde ihr selbst die Feier der Stunde verwährt. Ganz ohne Trara und
Weinüberzug fährt sie nun ihre neue Strecke, Bochums wehrhafte Lady.           

           :stem

Ein ganzes Semester gab es Zeit sowohl für Studis als auch für die Uni sich an den neuen Alltag zu gewöhnen, sich umzustellen und sich auch technisch vorzubereiten. Den Studis wird der weitere Freiversuch für Klausuren gestrichen, weil sie sich ja an die Umstände haben anpassen können. Und die Lehre? Die eiert vor sich hin. Nicht nur, dass manche Dozent:innen scheinbar der Meinung sind, dass sich Inhalte von Zauberhand in Onlinecontent verwandeln und sie auf wundersame Weise ganz plötzlich nicht mehr erreichbar sind. Nein, das Problem ist komplexer: Zugriff auf Moodle, weil ja vieles online stattfindet? Klappt so semi-gut. Doch Paradebeispiel für technisches Trödeln scheinen die RUB-Mailserver zu sein, die original aus dem 18. Jahrhundert kommen müssen. 
Normale Leistung fordern, aber veraltetes Equipment zur Verfügung stellen, ist ziemlich unfair, liebe RUB.  

  :ken

Ein verstohlener Blick nach links. Niemand da. Ein geheimer Blick nach rechts? In einigem Abstand jemand zu sehen. Es kratzt. Das kribbelnde Kratzen steigt langsam hoch. Das Gesicht verzieht sich leicht. Die Augen kneifen zu. Im Kopf ein Karussel „Oh ne, bitte nicht … “ Kurz mit dem Unterarm über den Mundschutz rubbeln. Geht’s? Es kribbelt kurz weniger, dann wieder wie vorher. „Och neeee“, hallt es durch den Kopf. Die Herbstsonne scheint, ein kurzer blick nach oben – und man hat verloren. Schnell den Kopf zur Armbeuge gedreht – HATSCHI!!! Ein weiterer verstohlener, schuldbewusster Blick zu den Seiten. Überall vorwurfsvolle Gesichter. Wo kommen die alle her? Gerade war niemand da! Hätte ich eine elektronische Fußfessel an, würden weniger Menschen glotzen. Wie Schwerverbrechen in Coronazeiten aussehen.

:ken

Die Universitätsstraße kriegt eine Protected Bike Lane! Auf der einen Seite ist sie sogar schon fertig, die andere folgt bis Ende Oktober. Ein Traum für alle Radfahrer:innen. Endlich mehr Sicherheit, endlich hat man sich eine Stück des Platz-auf-der-Straße-
Kuchens erkämpft. Für 500 Meter. An einer Stelle, an der es bereits einen relativ großzügig bemessenen Radweg gibt, während es ein Stück weiter Richtung Innenstadt direkt deutlich schmaler wird. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club sieht das ähnlich, und fragt, welche Strahlkraft das Projekt in der aktuellen Ausführung überhaupt haben könne. Und dafür hat man jetzt wochenlang den Radweg zu großen Teilen gesperrt und auch den KFZ-Verkehr eingeschränkt. Geld und Aufwand, mit denen man auch die deutlich weniger luxuriösen Abschnitte der Bochumer Radwege hätte sanieren können. Protected Bike Lane klingt aber natürlich schicker.    

:kjan

Algorithmen zur Gesichtserkennung, Anpassung von Suchergebnissen und zur Präsentation von Content, der die User interessieren könnte, gehören mittlerweile offenbar fest zu Social Media Plattformen. Umso erwartbarer ist es, dass sie auch immer wieder Probleme bereiten. Zwei langgezogene Bilder – jeweils an einem Ende republikanischer US-Senator und „grim reaper of democracy“ Mitch McConnell, am anderen Ende Ex-Präsident Barack Obama – sorgten für Kontroversen auf Twitter. Denn in diesem, und vielen anderen Fällen schien der Algorithmus die Gesichter weißer Personen zu bevorzugen und in der Bildvorschau zu zeigen. Relativ schnell schafften es User, den Algorithmus auszunutzen, und „Was wird der Algorithmus wählen“ wurde ein running gag für mehrere Tage. Mir stellt sich die Frage, ob wir damit nicht alle zu unfreiwilligen, unbezahlten Beta-Tester:innen geworden sind. Wenn ja, Chapeau Kapitalismus! We have been thorougly bamboozled.   

:kjan

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