Kolumne

Beim besten Willen: Ich habe es wirklich versucht, ich habe mir das Hirn zermartert, in der Sonne am See gelegen und probiert, diesem wunderbaren Wetter, den sinkenden Infektionszahlen, den öffnenden Gastronomien und Shopping-Centern und dem Impffortschritt irgendetwas Schlechtes abzugewinnen. Ernsthaft. Ich habe Sonnenbrand im Gesicht, mir ist eine Spinne übers Handtuch gehuscht, in Bochum ist die Inzidenz doch gestern wieder minimal angestiegen, das Ansteckungsrisiko wird von den Menschengruppen in Bermuda3eck und RuhrPark nicht gerade herabgesenkt und die Aufhebung der Impf-Priorisierung gleicht dann doch irgendwie einem Chaos. Aber davon ab? Ich habe es nicht geschafft, mich über irgendeine nichtige Kleinigkeit aufzuregen. Nicht mal über‘s Aufregen. Ist eh schlecht für‘s Nervensystem und den Blutdruck. Es ist doch auch mal schön, wenn alles gut ist, wie’s ist. Genießt auch mal!           

:becc

Leihmutterschaft dürfte vor allem gleichgeschlechtliche Paare betreffen. Es gibt darüber hinaus aber auch sehr viele Heteropärchen, die trotz Kinderwunsches kinderlos bleiben, zum Beispiel auf Grund von Zeugungsunfähigkeit. Insgesamt wandeln also eine Vielzahl an Menschen herum, für welche das Thema interessant sein dürfte. Warum ist es in Deutschland ein verdammt langwieriger Prozess, ein Kind zu adoptieren und Leihmutterschaft immer noch verboten? Klar, es gibt Faktoren, die gegen Leihmutterschaften sprechen. Ist so ‘ne Geschichte, an der sich gewiss die Geister extrem scheiden können, aber mal ganz grundlegend: Wieso wird es jenen Paaren so schwer gemacht, biologische Kinder miteinander zu bekommen? Da müssen Reisen ins Ausland unternommen, viele Scheinchen hingeblättert werden, nur um sich den Lebenswunsch zu erfüllen. Wäre cool, wenn’s auch mal in Deutschland legalisiert werden würde, wird Zeit.                             :becc

Kinderlos leben? Kann in Deutschland teurer werden! Denn es ist klar, dass die Gruppe der Kinderlosen einfach egoistisch ist. Von 0,1 auf 3,4 Prozent sollen dank der neugeplanten Pflegereform mehr in die Pflegeversicherung gezahlt  werden! Und das schon ab 2022!

Was braucht der deutsche Wohnungsmarkt? Das ist klar: größere Immobilienkonzerne. Das denken sich Vonovia und Deutsche Wohnen, die nun eine Fusion anstreben, die sie zu Europas größtem Unternehmen in ihrer Branche machen würde. Ein weiter Schritt Richtung Monopolstellung. Beide Unternehmen sind sehr versiert darin, das absolute Minimum an Wartung und Reparaturen für das absolute Maximum an Miete zu bieten, oder auch mal überhöhte Nebenkostenabrechnungen rauszuschicken. Wie viel Sumpf und Raubtierkapitalismus auf Mieter:innen zukommen würde, ist schnell ersichtlich. Größter Einzelaktionär bei Vonovia? Blackrock, die auch bei Skandal-Unternehmen Wirecard oder Nestlé finanziell beteiligt sind oder waren und eng mit politischen Akteur:innen verstrickt sind. Das Kartellamt hatte Fusionsplänen im Jahr 2015 das OK gegeben, zu den aktuellen Plänen steht eine Entscheidung noch aus. 

    :kjan

Alpha, Beta, Early Access und sonstige Trends der Videospiele-Industrie stoßen bei mir sauer auf. Wisst Ihr noch damals? Als Computerspiele als fertige Produkte auf dem Markt gekommen sind? Mir scheint es so, als wäre das mittlerweile eine Rarität. Beim Stöbern durch die gängigen Spieleplattformen fällt immer mehr auf, dass immer mehr Titel gar nicht fertiggestellt und als Vorabversionen unter die Spieler:innen gebracht werden. Wo ich bei Indie-Entwickler:innen noch Verständnis aufbringen und ein Auge zudrücken kann, nervt es mich, dass auch Triple A Entwickler:innen die Qualitätssicherung auf uns abwälzen und wir den ganzen Quatsch auch noch freiwillig mitmachen. Zufolge ist dem oft, dass man sich durch viele Bugs und einem Gefühl von „hier fehlt doch was“ den Spielspaß verdirbt. Zumindest mir geht es so, dass ich gerne länger auf einen Titel warte, wenn mich im Gegenzug ein vollendetes Produkt erwartet.      

  :afa

Alles Biodeutsch, oder was? War wieder was rassistisch und du schämst dich dafür, deutsch zu sein? Das hat nichts damit zu tun, dass du deutsch bist! Der Fall Aogo: ein Schwarzer deutscher Fußballspieler wird rassistisch beleidigt und seine Frau schämt sich deutsch zu sein.

Ich glaube, ich könnte Menschen, die bei einer Sache nicht Recht haben, viel besser verstehen, wenn sie Recht hätten. Ab irgendeinem Punkt kann ich ihnen einfach nicht mehr folgen. Wie blöd von mir. Nur weil die Prämisse falsch ist, heißt das ja nicht, dass alles falsch ist. Denn einst lernte ich doch in Mathe: ex falso quodlibet. „Aus Falschem folgt Beliebiges“. Genial! Jetzt muss ich mir nur noch überlegen, wie die Welt aussehen soll und das schön logisch begründen. Einzige Voraussetzung ist, mit was Falschem anfangen, dann werden meine kühnsten Träume wahr. Und es ist egal, ob hier meine Prämisse stimmt, denn ex falso quodlibet! Achja, Pipi Langstrumpf wäre stolz auf mich. Lustigerweise muss nicht mal ein kausaler Zusammenhang zwischen Prämisse und Konklusion vorliegen. Hmm ob dieses wunderbare Prinzip vielleicht eine Bewegung übernommen hat, die mittlerweile vom Verfassungsschutz beobachtet wird?  

  :luq

Es ist nicht aller Tage an denen man unvermittelt aufwacht und fragend erkennt, dass die unermessliche Güte des Internets heute beschloss, Dir eine Horde wütender Teenager auf den Hals zu hetzen, deren Sprache Du nicht einmal sprichst. Schlimmer noch wenn sie wütend sind … auf deutsch! So geschehen dem NYT-Kolumnisten Farhad Manjoo, der den Alptraum eines jeden Mitglieds der schreibenden Zunft erlebte, als sein Text Teil der Sachtextanalyse des Abiturs wurde. Nicht selten kommt es vor, dass man selbst nicht mehr weiß, welch wundersame Wortkonstruktionen das nächtliche Koffeindelirium hervorbrachte. Aber dafür gibt es dann zum Glück Abiturient:innen im Englisch-Abi, die fluchend das Lektorat übernehmen und die rhetorischen und argumentativen Bestandteile eines Textes, der mit feinster Fachsprache aus der kalifornischen Wohnungspolitik gespickt ist, analysieren. Und der Dank folgt direkt im Anschluß!

:stem  

Gedrängel und Chaos im Supermarkt. Das Verhalten in Zeiten der Pandemie in den Supermärkten lässt zu wünschen übrig. Angefangen bei gekonntem Ignorieren der Desinfektionsspender bis hin zum Navigieren innerhalb der Märkte und dem Verhalten an der Kasse herrscht immer noch Verbesserungsbedarf. Zumal ist die Desinfektion der Hände und Einkaufswagen doch in erster Linie für den eigenen Schutz vorgesehen. Die zehn Sekunden vor jedem Einkauf werden ja wohl noch drin sein. Was aber nur noch auf die Nerven geht, ist das Verhalten in den Märkten selbst. Rücksichtslos werden Einkaufswagen in den Gängen so abgestellt, dass man entweder eng aneinander vorbeigehen oder ständig jemanden bitten muss doch bitte Platz zu machen. Das Gedrängel an den Kassen ist auch nur noch unnötig. Wir sitzen mit der aktuellen Lage doch alle im selben Boot, nehmt doch bitte etwas mehr
Rücksicht auf eure Umgebung.     

:afa

Der Komiker. Einer der Sorte, die gerne mal einen Rape-Witz macht, in ausverkauften Hallen spielt und zig Sendungen auf einem Privatsender hat. Was hat er zu verlieren? Richtig, nichts.

 

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