Kolumne

Warum ist es in unserem Gesundheitssystem so schwierig, einen schnellen, einfachen und mutmachenden Termin bei einem:einer Therapeut:in oder einer Klinik zu machen?  Die Zielgruppe für diese Termine hat eine harte Zeit und damit verbunden eine viel größere Hürde, sich überhaupt aufzuraffen, das blöde Telefon zu nehmen und irgendwo anzurufen. Dann weiß ein Mensch nicht direkt, was die „richtigen“ ersten Schritte sind. Trotzdem kommt es vor, dass man jeden Tag der Woche mehrmals diese Hürden überwinden muss, um dann endlich etwas an der Hand zu haben, was wiederum mit einem verdammten bürokratischen Aufwand verbunden ist. Dass es heutzutage zu wenige Anlaufstellen für zu viele in Anspruch nehmende Personen gibt, lässt sich nicht an einem Tag ändern, aber welche:r Sadist:in hält es für eine gute Idee, so viel Aufwand zwischen die schlechte Warteschleifenmusik zu packen?                                              

  :ken

Der Wahlkampf in Deutschland ist schmutziger geworden. Natürlich war es in der Vergangenheit auch kein ehrenvoller Streit zwischen Aufrechten, und die Wahl 2021 muss nicht zum „Modernen Krieg“, der alles ändert ,stilisiert werden. Doch scheint es besonders in diesem Wahlkampf normal geworden zu sein, dass Industriellenverbände und andere Interessensgruppen viel Geld aufbringen, um Schmutzkampagnen ins Laufen zu bringen. Das Ziel sind dabei häufig die Grünen. Eine Werbeaktion eines rechtsextremen, AfD-nahen Unternehmens gegen die Grünen wurde selbst von der CDU verurteilt. In Deutschland gibt es keine Transparenz bei der Einstellung von PR-Agenturen für den Wahlkampf. Der Wahlkampf, der bereits um den Brexit zu Bekanntheit kam – Verdrehung  von Fakten, Desinformation und Manipulation – scheinen ihren Platz in Deutschland dauerhaft gefunden zu haben.

:kjan

Immer mehr Menschen essen immer weniger tierische Produkte, der Umwelt zuliebe. So sehr, dass der Trend auch in größere Betrieben überschwappt, wie in die VW-Betriebskantine in Wolfsburg. Diese möchte bald nur noch fleischlose Speisen (wenn auch ab und zu Fisch) anbieten. Natürlich bringt diese Aktion einen Shitstorm mit sich und der lauteste an der Front ist kein anderer als Alt-Kanzler Gerhard Schröder (SPD). Ganz empört schreibt er auf Social Media: „Wenn ich noch im Aufsichtsrat von #VW säße, hätte es so etwas nicht gegeben.“ Obwohl er nichts gegen vegetarische Ernährung habe, findet er, dass Currywurst mit Pommes weiterhin der „Kraftriegel“ der Facharbeiter:innen der Produktion bleiben soll. Gerhard, mach Dir keine Sorgen: Kein Fleisch bedeutet nicht direkt keine Currywurst. Zum Glück gibt es ja noch vegetarische und vegane Alternativen.              

      :gust

Der Wecker klingelt um drei Uhr morgens: Zeit für Bogenschießen! Diese zwei Wochen, in denen die Spiele von Statten gehen, sind so kurz, dass sich ein normaler Schlafrhythmus verbietet, denn ein Großteil der hochinteressanten Randsportarten spielte sich mitten in der Nacht ab. Schnell fällt auf: Die TV-Berichterstattung ist nicht auf die Menschen ausgelegt, die jede Sekunde des so seltenen Events aufsaugen wollen. Zu oft werden Wiederholungen oder Zusammenfassungen gezeigt für ein Publikum, das eher zwischendurch mal reinschaltet. Aber dafür kann man ja immer noch auf die unzähligen Streams zugreifen und sich den Olympia-Tag selbst kuratieren. Schon klar, nicht jede:r hat die Möglichkeit, das restliche Weltgeschehen für diesen Zeitraum auszublenden, um sich Tag für Tag mit Schlafmangel vor den Fernseher zu peitschen. Olympische Spiele sind eben ein Ausnahmezustand, der besondere Maßnahmen erfordert.   

:hakl

Kaufe ich Sachen, nutze in meiner Wohnung Strom und Wasser, schließe Abos von Zeitungen ab oder leihe mir Filme aus den 60ern aus? Klar! Mache ich mir viele Gedanken darüber? Nein. Kommt es also vor, dass ich die vielleicht nicht direkt bezahle? Könnte angehen. Aber muss ich dann jedes Mal eine Mahnung kriegen, die ich innerhalb von drei Tagen bezahlen muss und wenn nicht, werden rechtliche Schritte eingeleitet, ein:e Anwält:in engagiert, die Kavallerie gerufen und auf meinem Kopf erscheint ein komischer roter Punkt, der nichts Gutes verheißt, bis ich bezahlt habe? Wenn der Spieß jedoch umgedreht wird, warte ich monatelang auf mein Geld und ziehe den Kürzeren. Deswegen werde ich jetzt eine Ein-Mensch-GmbH mit super vielen Anwält:innen, sodass ich bei Kleinigkeiten ein paar Millionenklagen raushaue gegen große Institutionen und Unternehmen, bis die keine Lust mehr haben und
mich in Ruhe lassen.  

  :luq

Sommer. Sonne. Warm!  Nun ja, aktuell nicht wirklich, aber lasst uns schwimmen! Am besten im Bikini! Zum Glück gibt es so viel Body positivity Movements die einen voll encouragen! Thank God: Zellulite ist erlaubt! Schwangerschaftsstreifen sind cool. Aber nun ja nur bis zu einer gewissen Kleidergröße. Denn die meisten Kleiderfirmen empfinden es anscheinend als komisch, wenn dann doch eine Fat Person ‘nen Bikini trägt. Anders kann ich mir es nicht erklären, warum viele „Be-Yourself in your own Body!“- Companies nur bis Größe 42/44 führen. Dachte, wir sind nun auch Bodywoke? Aber anscheinend ist der Fatphobia-Gedanke noch zu groß und Mensch möchte nicht mit ´nem Fatbodymovement in Verbindung gebracht werden. Naja, wenigstens ist unser Klimasommer etwas überflutet und alle Bikinis bleiben erstmal im Schrank! #beyoubutnotFAT Und wenn’s doch zum Schwimmen geht: Just do it!                

    :bena

Kann es sein, dass die Maya bei ihrer Vorhersage, die Welt würde 2012 untergehen, die beiden letzten Zahlen vertauscht haben? Das würde zumindest erklären, warum der Ozean brennt. Oder warum es in Tschechien einen Tornado gab. Oder warum es fast 50 Grad Celsius in Kanada waren. Oder warum Teile Baden-Württembergs überflutet wurden. Achso, und ich muss ja wohl niemanden daran erinnern, dass wir in einer Pandemie leben. Ist das der Weltuntergang, vor dem uns die Maya warnen wollten? Verschwörungstheorien hin oder her, wenn der Klimawandel so voranschreitet, müssen wir uns bald wirklich dem Weltuntergang stellen. „Dabei lebe ich doch waste-free!“. Das ist sehr schön und natürlich gut für die Umwelt, aber solange große Unternehmen Mutter Natur als ihre Müllhalde ansehen, bringt das leider wenig. Es ist ja nicht dein Plastikstrohalm, der dafür verantwortlich ist, dass der Ozean im Golf von Mexico brennt.       

  :gust

Wisst Ihr schon? Unser Vize und Kanzlerkandidat Olaf Scholz ist Experte für Native Americans! Den Beleg dazu lieferte er, als ihn ein Bild-Angestellter in einem Videointerview-Stunt mit Federschmuck bekleidet fragte, ob dies nun rassistisch sei. Scholz‘ Antwort? „Ich glaub nicht. Ich weiß nicht, was Sie sich dabei denken, aber es wirkt nicht so und ich kann Ihnen sagen, ich habe praktisch alle Bücher von Karl May gelesen mit großem, großem Interesse.“ Puh, da sind wir nun alle erleichtert, denn Winnetou ist sogar besser als Fachliteratur. Papperlapapp rassistische Stereotype und Mythos des edlen Wilden. Wenn unser Vize dann als nächstes gefragt wird, ob man nun Nazi sei, wenn man den Hitler-Gruß zeigt, hat er auch schon die Antwort parat: „Ich weiß nicht, was Sie sich dabei denken, aber es wirkt nicht so und ich kann Ihnen sagen ich habe praktisch ganz Mein Kampf gelesen mit großem, großem Interesse.“        

:stem

Der Juni war mal wieder ein Monat voll mit heuchlerischen Bekenntnissen zu „Diversität“ und „Menschenrechten“ seitens verschiedener Unternehmen. Kaum jemand treibt dies jedoch so auf die Spitze wie FIFA und UEFA. Pünktlich zum Pride Month wird klargemacht, dass die laufende EM ein Turnier für „alle“ ist #EqualGame. Wenn Manuel Neuer bei einem Spiel eine Regenbogenarmbinde trägt, muss man jedoch erst mal ermitteln, ob es zu weit geht. Die Entscheidung, es durchgehen zu lassen, war die richtige, aber selbst das ist nur die Oberfläche des Problems. Denn die gleichen, die nun wieder große Töne spucken, buckeln dann wieder vor Aserbaidschan oder Katar, wenn es so weit ist. Denn das Geld wiegt immer noch schwerer als irgendwelche vermeintlichen Überzeugungen. Unproblematisch und unpolitisch ist währenddessen jedoch unter anderem auch EM-Sponsor Gazprom. Das ist ja klar. 

:kjan

Beim besten Willen: Ich habe es wirklich versucht, ich habe mir das Hirn zermartert, in der Sonne am See gelegen und probiert, diesem wunderbaren Wetter, den sinkenden Infektionszahlen, den öffnenden Gastronomien und Shopping-Centern und dem Impffortschritt irgendetwas Schlechtes abzugewinnen. Ernsthaft. Ich habe Sonnenbrand im Gesicht, mir ist eine Spinne übers Handtuch gehuscht, in Bochum ist die Inzidenz doch gestern wieder minimal angestiegen, das Ansteckungsrisiko wird von den Menschengruppen in Bermuda3eck und RuhrPark nicht gerade herabgesenkt und die Aufhebung der Impf-Priorisierung gleicht dann doch irgendwie einem Chaos. Aber davon ab? Ich habe es nicht geschafft, mich über irgendeine nichtige Kleinigkeit aufzuregen. Nicht mal über‘s Aufregen. Ist eh schlecht für‘s Nervensystem und den Blutdruck. Es ist doch auch mal schön, wenn alles gut ist, wie’s ist. Genießt auch mal!           

:becc

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