Kultur
Beispielhafte Gesellschaftskritik: Joon-ho Bongs Snowpiercer
Cineastischer Denkanstoß: Snowpiercer läuft seit dem 3. April in den deutschen Kinos. - Quelle: Thimfilm

Nach einem missglückten Experiment, das eigentlich die globale Erderwärmung aufhalten sollte, wird die Welt in eine neue Eiszeit gestürzt: 2031 haben Eis und Kälte das Leben auf dem gesamten Planeten nahezu ausgelöscht. Lediglich ein riesiger Zug, angetrieben von einer unerschöpflichen Maschine, pflügt auf einem weltumspannenden Schienennetz durch die totbringende Eiswüste. In sich trägt er die letzten Überlebenden, einer längst vergangenen Welt.

Spannende Beiträge beim Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund / Köln
Ausschnitt aus dem Film Present Tense, der unter der Rubrik Fokus-Türkei lief. - Quelle: IFFF-DortmundKöln

Filme können über den Platz einer Frau in einer Gesellschaft reflektieren. Das wirkt umso interessanter, wenn auf der Leinwand eine Welt zu sehen ist, die sich im Umbruch befindet: Wenn der Film den Wandel des Zeitgeistes einfängt und zeigt, wie alte Formen bereits die neuen in sich tragen, - oder überraschen, wie obsolet das Alte im Lichte des Neuen erscheint. Wenn alte Herrschaftsweisen ins Wanken geraten und sich alternative Lebensformen anbieten, der Umbruch für einige ProtagonstiInnen Aufbruch bedeutet, kann der Film spannende Perspektiven einnehmen. Zu sehen war dies beim diesjährigen internationalen Frauenfilmfestival Dortmund / Köln. Auch wenn die Preisverleihungen sowie ein Großteil des Programms in Köln stattfand, so wurde im Dortmunder Kino im U eine Auswahl von Festivalbeiträgen gezeigt.

Ausstellung im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern geht den Dingen auf den Grund
Bergbau: Hier hat sich der Mensch die Unterwelt zu eigen gemacht ­ – nicht ohne Risiko. Foto: dh

Der Ausstellungsort passt zum Thema: Unterwelten auf Zeche Zollern – da denkt der Besucher an Bergwerkstollen, verstaubte Kohlengesichter, unterirdische Gleissysteme. Doch „Über Unterwelten“ zeigt seit Ende März mehr als die Geschichte des Bergbaus im Ruhrgebiet. Die Schau erklärt Mythen und religiöse Vorstellungen über die Welt unter unseren Füßen.

Auf der Suche nach der verlorenen Lust: Lars vor Triers „Nymphomaniac 2“
Quelle: Concorde Filmverleih GmbH

Womit schon der Psychoanalytiker Jaques Lacan irritierte, gilt auch für Lars von Triers über vierstündiges Sex-Epos: „Die Frau existiert nicht“. Denn oft wurde dem Dänen vorgeworfen, dass seine Inszenierungen sexistisch seien. Die Quasi-Personifizierung der Depression durch Kirsten Dunst in „Melancholia“, aber auch die verzichtbaren Verstümmelungs-Szenen im „Antichrist“ sprechen dafür

Why we fight: Theo Aladags „Zwischen Welten“ thematisiert den Afghanistan-Einsatz
Quelle: Majestic Filmverleih

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit. Da werden die Interessen Deutschlands in Afghanistan gesichert und der hiesige Film schaut zu? Nein. Auch die deutsche Filmkunst wird am Hindukusch verteidigt. Feo Aladag („Die Fremde“) erzählt den Kriegsalltag deutscher Bundeswehrsoldaten.

Das „Richtungsding“ belebt die Literaturszene im Pott – mit Schreibwettbewerb und mehr
Wartet auf Texte aus dem und über den Norden: Die "Richtungsding"-Redaktion, betsehend aus (v. l.) Lina Brünig, Benjamin Bäder, Fabian May, Markus Behr, Jan-Paul Laarmann, Sarah Meyer-Dietrich. Foto: Richtungsding

Bitte folgen! Auf dem weißen Grund prangt ein schwarzer Pfeil sowie der Titel: Das „Richtungsding“ ist eine Literaturzeitschrift aus dem Ruhrgebiet, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das kreative Pott-enzial des Reviers (und darüber hinaus) zu bündeln, junge Literatur zu fördern und Netzwerke zu schaffen. Neben dem aktuellen Schreibwettbewerb zur Sonderausgabe zum Thema „Norden“ hat sich das sechsköpfige Team für dieses Jahr noch eine ganze Menge mehr einfallen lassen.

Neue Anekdoten von Mahler
Nicolas Mahler:  „Franz Kafkas nonstop Lachmaschine“. Cover: Reprodukt

Der vierte autobiografische Sammelband von Nicolas Mahler, „Franz Kafkas nonstop Lachmaschine“, ist genau das Richtige für verkopfte LiteraturwissenschaftlerInnen. In 15 Kapiteln plus Prolog, Epilog und „Materialien“-Anhang erzählt der Wiener Comiczeichner aus seinem Leben zwischen Hoch- und Trivialkultur, zwischen abgehobener Theorie und bodenständiger Naivität.

„Comics zur Lage der Welt“: Supervielfalt!
Le Monde Diplomatique:  „Comics zur Lage der Welt“. Cover: Reprodukt

Was bewegt die Welt? Was bewegt die Menschen, die auf ihr herumtrampeln, walten und wüten, lachen und träumen? Die „Comics zur Lage der Welt“, eine Sammlung von bildlichen Kommentaren aus der internationalen Monatszeitung „Le Monde diplomatique“ der letzten vier Jahre, beziehen auf vielfältigste Weise Stellung zu diesen Fragen. Nicht immer liefern sie eine Antwort; sie zeigen neue Perspektiven, geben Denkanstöße oder werfen einfach Rätsel auf.

Sex und Sühne: Lars von Triers „Nymphomaniac 1“
Pornographie oder Filmkunst? Lars von Triers „Nymphomaniac“ spaltet die Gemüter. Foto: © Christian Geisnaes, Concorde Filmverleih

Da ist man quasi arbeitslos. Als Berufsprovokateur wie Lars von Trier hat man es wirklich nicht einfach in einer Gesellschaft, in der Psychologen Sexsucht und Soziologen eine Pornographisierung diagnostizieren. Kann man da noch mit Sex provozieren? Vielleicht. Man vermengt die Parameter: Ist das noch Filmkunst? Oder schon Pornographie? Lars von Trier bläst mit „Nymphomaniac“ zur intellektuellen Mobilmachung. Jedem Orgasmus sein Aphorismus, jedem Fellatio seine Sentenz. In einem über vierstündigen Zweiteiler werden hier vor allem provokativ Fragen aufgeworfen, die die Krux mit der Lust durchdeklinieren – wenn das absolute Begehren ins Leere läuft.

„Nilufar“ von Mahmud Doulatabadi überschwemmt den Leser
Zieht seine Leserinnen und Leser in einen wirbelnden Strom von Gedanken und Gefühlen: Der iranische Schriftsteller Mahmud Doulatabadi. Foto: Stephan Wallocha

Auf den Verrat einer Frau folgt Verfall und Verdammnis: Der IranerMahmud Doulatabadi erzählt in dem Roman „Nilufar“ von den unsäglichen Qualen eines liebenden Mannes. Es gibt nichts Schöneres, als jemanden zu lieben und von diesem Jemand im gleichen Maße zurückgeliebt zu werden. Doch was passiert, wenn die Waage aus dem Gleichgewicht gerät? Wenn diese eine Person, nach der Du Dein ganzes Leben lang gesucht hast, Deine zweite Hälfte, sich unverhofft gegen ein Leben mit dir entscheidet?

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