:bszkolumne

„Für jeden Euro, der an eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung geht, fließen 49 Cent an die Gesellschaft zurück. [...] Eine gute Alten- oder Suchtkrankenhilfe kann Krankenhauskosten reduzieren und die Volkswirtschaft dadurch entlasten, dass Angehörige weiter arbeitsfähig bleiben.“ Das haben ForscherInnen der Evangelischen Hochschule Nürnberg herausgefunden. Das Team um Prof. Klaus Schellberg hat dazu das SROI-Modell entwickelt. Das Kürzel steht für „Social Return On Investment“ und bildet den Wirtschaftsfaktor Wohlfahrt ab. Das Fazit der Gruppe: Soziale Einrichtungen unterstützen die lokale Wirtschaft und stärken durch ihre entlastende und berufsvorbereitende Wirkung die gesamte Volkswirtschaft.

Die Prostitutionsdebatte erreicht die RUB
Die Plakate sorgten für Gesprächsstoff an der RUB. Foto: Patrick Henkelmann

Prostitution ist momentan ein heftig umstrittenes Thema in den Medien. Und Alice Schwarzer meldet sich am lautesten zu Wort, wenn es um (Zwangs-)Prostitution geht – doch macht sie das tatsächlich zu einer Expertin? Am 12. November lud das internationale Frauenforum „Migra!“ Mechthild Eickel von der Bochumer Prostituierten-Beratungsstelle Madonna e.V. an die RUB ein, um über „Sexarbeit und Migration“ zu referieren. Auf Alice Schwarzer und deren Kreuzzug gegen die Prostitution ist Eickel nicht gut zu sprechen.

Die Try Outs der Footballerinnen
Werfen bald wie die Mädchen in der 1. Bundesliga: Rookies bei den Try Outs der Bochum Miners. Foto: as

Vor der Halle in der Scharnhorststraße trudeln immer mehr mit Sporttaschen, Helmen und Shoulderpads bepackte Menschen ein. Es ist dunkel und es ist kalt. Aber das scheint nur mich zu stören. Es hätte mir auch klar sein können, dass ein Frauen Football Team wenig zimperlich ist.

„Hast du Sportsachen dabei?“, Patricia sieht mich erwartungsvoll an. „Äh … nee. Ich schreibe ja nur den Artikel.“ Souverän geht anders. Die Miners sind mehr so die Macherinnen – hätte ich mir eigentlich auch denken können.

StuPa streitet um umfangreichen Nachtragshaushalt
Fachschaften in Finanznot: Keep on rollin’, Simon! Karikatur: ck

Für vier Steuerjahre rückwirkend will das Finanzamt der Studierendenschaft im laufenden Haushaltsjahr Steuernachzahlungen abknöpfen. Der Grund: Die Umsätze von Fachschaftspartys sollen 2013 rückwirkend für die Jahre 2008 bis 2011 aus Mitteln der Studierendenschaft entrichtet werden. Noch könnte gegen den horrenden Steuerbescheid Widerspruch eingelegt werden. Vorsorglich wurde am 13. November jedoch bereits ein umfassender Nachtragshaushalt im Studierendenparlament (StuPa) auf den Weg gebracht. „Insgesamt werden die Nachforderungen voraussichtlich mit etwa 70.000 Euro im Nachtragshaushalt zu Buche schlagen“, sagte AStA-Finanzreferent Simon Gutleben (Jusos) auf Nachfrage der :bsz. 

Urban Gardening: Bochumer Verein sucht Freiraum für Gemeinschaftsbeete
Palette + Baum = Minibeet: Beim urbanen Gärtnern ist Kreativität gefragt. Foto: dh

Urbanen Gartenbau gibt‘s schon so lange wie unsere Städte. Früher waren Menschen hier und in anderen Ländern darauf angewiesen – manche sind es noch heute; in Deutschland ist der Zurückgewinn von Naturbezug im städtischen Raum zudem ein unaufhaltsamer Freizeittrend. Kräuter und Gemüse aus Eigenanbau, zwischen Betonburgen gezogen, sind ein in puncto Ökologie und/oder Stadt­entwicklung politisches Statement. Die Gartenarbeit bringt verschiedene Nationalitäten und Generationen zusammen, lässt voneinander lernen und schont den Geldbeutel. Während viele Städte das Potential urbaner Gärten erkannt haben, kämpfen NaturfreundInnen aus Bochum noch um Raum für ihre Ideen.

Zwei Comics widmen sich den französischen Kriegsgefangenen des 2. Weltkrieges
Zwei Erinnerungen: Beide aus Frankreich, beide an die Kriegsgefangenschaft. Cover: avant-Verlag / Edition Moderne

Die französischen Autoren Florent Silloray und Jacques Tardi sind in ihrer Familiengeschichte jeweils auf Spuren des Zweiten Weltkrieges gestoßen – und haben diese Erzählungen jetzt in Form von Comics vorgelegt. In „Auf den Spuren Rogers“ und „Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB“ erzählen die beiden Zeichner sehr persönliche Geschichten. Dabei werfen sie ein Schlaglicht auf ein in Frankreich nie groß zur Sprache gekommenes Thema – das Schicksal der französischen Armeesoldaten.

Uraufführung im Grillo-Theater: „Die neuen Abenteuer des Don Quijote“
Der Wahnsinn der Welt steht ihm ins Gesicht geschrieben: Don Quijote, der Ritter von der traurigen Gestalt (gespielt von Silvia Weiskopf). Foto: Birgit Hupfeld

Im Essener Grillo-Theater läuft derzeit eine Inszenierung des französischen Regisseurs Jean-Claude Berutti. Inszeniert wird der Roman „Die neuen Abenteuer des Don Quijote“ von Tariq Ali: Ein weiteres Mal reiten Don Quijote und sein treuer Diener Sancho Pansa mit erhobenem Schwert und glänzender Rüstung durch die Welt, um diese vor sich selbst zu bewahren. Anstatt gegen Windmühlen anzutreten, müssen die beiden sich jedoch dieses Mal ritterlich mit den Ausgeburten der globalisierten Welt auseinandersetzen: Sie ziehen in die Schlacht gegen Krieg, Unterdrückung und Kapitalismus. Hätten Don Quijote und Sancho Pansa mit ihrem unerschütterlichen Optimismus heutzutage überhaupt noch eine Chance?

„Deutschland hält sich nicht an das EU-Inflationsziel und schadet damit dem Euro.“
Globalökonomie kann auch Spaß machen! :bsz-Redakteur Kolja Schmidt (Moderation) im Gespräch mit Heiner Flassbeck (rechts). Foto: USch

Das Referat für Politische Bildung (PoBi) des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) hatte am 12. November den Wirtschaftsprofessor Heiner Flassbeck zu einem Vortrag an die Ruhr-Universität eingeladen. Der Vortragstitel „Der Europäische Traum und ein schlimmes Erwachen“ hatte mehr als 80 Interessierte in Hörsaal HZO 50 an der Ruhr-Universität gelockt. Wer jedoch mit der Erwartungshaltung gekommen war, etwas über Korruption und Misswirtschaft in den südeuropäischen Staaten zu hören, wurde enttäuscht. Die vergleichende Analyse von Professor Flassbeck nahm vor allem Frankreich und Deutschland in den Blick. Und hier konstatierte der Ökonom eindeutiges Fehlverhalten auf der deutschen Seite. Statt wie Frankreich das gemeinsame Inflationsziel von 2 Prozent einzuhalten, haben die Deutschen dieses Maastricht-Kriterium durch zu geringe Lohnsteigerungen in den letzten zehn Jahren unterlaufen. Mit dramatischen Folgen für den Euro. Deutschland konkurriert den Rest des Euroraums durch Lohndumping nieder, was zum Zerbrechen des Euro in absehbarer Zeit führen wird – so die Kernthese des ehemaligen UNCTAD-Chefvolkswirts, die er auch durch die aktuell vorgebrachte Kritik am Exportüberschuss Deutschlands durch die USA, die EU und den Internationalen Währungsfonds (IWF) gestützt sieht. Die :bsz hatte Gelegenheit, vor dem Vortrag mit Professor Flassbeck zu sprechen.

:boinkürze

Gegen eine militaristische Instrumentalisierung des Gedenkens am „Volkstrauertag“ durch Bundeswehr und „revanchistische Vertriebenenverbände“ liefen FriedensaktivistInnen am vergangenen Sonntag als Bananen verkleidet in der Bochumer Innenstadt auf und legten neben dem Kranz der Bundeswehr-Reservisten ein Bananenbündel nieder, bevor sie schließlich vor den teilnehmenden Soldaten salutierten.

:bszkolumne

Ins Netz gegangen. Sie konnte es nicht fassen. Das war es dann wohl gewesen. Da sie nichts anderes tun konnte, beschloss sie zu warten. Und sie dachte nach über ihre Vergangenheit.

Einst war sie eine Königin gewesen. Der Souverän eines ganzen Staates, genau wie alle anderen. Trotzdem hatte sie ihr Leben für das Kollektiv gegeben. Für eine bessere Welt, ein besseres Leben, für alle hatte sie Stunde für Stunde, Tag für Tag geopfert. Ihr Opfer war nicht umsonst, denn es würde ja am Ende belohnt werden. Nicht für sich, für alle anderen tat sie, was sie glaubte tun zu müssen. Die anderen taten ja das gleiche für sie. Ihr Leben für das Kollektiv, das Kollektiv ihr Leben. Das hatte sie geglaubt.

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