Dokufilm über die Täter des Holocaust: „Das radikal Böse“
Gemeinsames Feierabendbier mit den Kameraden – nach den Massenexekutionen. Quelle: docMovie

Vorstellungen über das Böse werden vom Film gerne mitgetragen. Meist wird es als etwas Fremdartiges, das von außen auf die Menschheit stößt, mystifiziert, in Form furchteinflößender Wesen oder asozialer PsychopathInnen. So ist es erträglich. Mit Stefan Ruzowitzkys (Oscar für „Die Fälscher“) Dokumentar-Essay „Das radikal Böse“  ist es ausgerechnet ein Film, der das Böse ins Alltägliche einbettet – in der Auseinandersetzung mit der Massen­ermordung tausender Juden und Jüdinnen. Ausgehend von den Gedanken Hannah Arendts, von der ein Satz dem Film vorangeschickt wird, ist es die alltägliche Banalität, mit der sich das Böse vermengt – das Unmenschliche im Menschlichen.

Wir sind nicht Detroit, wir bleiben Bochum: Ausstellungseröffnung vorm Theater
Marshmallows und die Kunst. Wärmenedes Feuer während der Ausstellung. Foto: mar

Am vergangenen Freitag wurde auf dem Hans-Schalla-Platz vor dem Bochumer Schauspielhaus die Ausstellung „Abbruch Aufbruch“ eröffnet. Ein Container beherbergt 20 Bilder von Fotograf Martin Steffen, der zusammen mit den brennenden Ölfässern rundherum die desolate Lage der Stadt Detroit romantisiert und damit sagt: „Bochum ist nicht Detroit“.

Der Gesellschaftscharakter bei Erich Fromm – Teil I
Erich Fromm – ein Humanist und Gegner der Entfremdung. Quelle: DeviantArt, CynderLover4196, CC-BY-ND v.3.0

Das kapitalistische Wirtschaftssystem führt zur Entfremdung des Menschen – allerdings geschieht dies heutzutage teilweise in einer anderen Form als früher. Zu Lebzeiten von Karl Marx herrschte die offene Ausbeutung der Arbeitenden vor, die dadurch an den Rand des Existenzminimums gebracht wurden. In unserer spätkapitalistischen Gesellschaft gibt es dagegen zwar mehr Absicherung, doch droht den Menschen durch das ständige Sich-selbst-Verkaufen dafür eine noch stärkere Entfremdung. Ohne die Analyse der Entfremdung, ihrer Formen und ihrer Auswirkungen lassen sich die immer offenkundiger werdenden gesellschaftlichen Probleme nur eingeschränkt verstehen. Eine diesbezüglich hervorragende, kritische Betrachtung unserer Gesellschaft findet sich in den Werken von Erich Fromm (1900 bis 1980). Der deutsch-jüdisch-amerikanische Soziologe, Psychoanalytiker und Philosoph Fromm machte die Aufklärung über die Entfremdung der modernen westlichen Gesellschaft zum Kern seines Lebenswerks.

Der Freistaat Thüringen ist zwar das Land ohne Prominente, dafür aber mit den vielen schönen Ecken. Wartburg und Weimar wollen besucht werden und das Kyffhäuser-Denkmal zieht auch Leute in seinen Bann, die nichts mit Drogen zu tun haben. Erfurt hat eine malerische Altstadt, zwei dicke Kirchen direkt nebeneinander, eine Festung und all das, was Menschen sagen lässt: „Erfurt, jaja, das ist eine schöne Stadt.“ Als Hoffnung des Landes und geistige Elite in Ausbildung sind es natürlich vor allem die Studierenden, die an Kunst und Geschichte, Natur und Kultur des Landes interessiert sind. In Thüringen wie in NRW sind die Bahnen vollgestopft mit wissbegierigen und tatendurstigen AkademikerInnen, die ihr Semesterticket in vollen Zügen genießen und von einer Burgruine zum nächsten Naturpark pilgern.

Vom 13. bis 17. Januar wählen die Bochumer Studierenden ein neues Parlament
Logo des Studierendenparlaments der RUB. Bild: StuPa RUB

Mitbestimmung ist ein lang erkämpftes Privileg. Dieses sollte im Idealfall von allen Studierenden wahrgenommen werden.

Gespräch im Landtag: Abschaffung der Latinumspflicht für Lehrämter in Sicht?
Unterschriften-Übergabe im Landtag – v. lks. n. r.: Philipp Krüger, Kathrin Jewanski, Moritz Fastabend (AStA-ReferentInnen für Hochschulpolitik); Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne); Ruth Seidel (hochschulpolitische Sprecherin Grüne); Karl Schultheiß (hochschulpolitischer Sprecher SPD). Foto: Simone Nöller

Allmählich trägt die Initiative gegen den Latinumszwang Früchte: Nach einer erfolgreichen Podiumsdiskussion im vollbesetzten Hörsaal Mitte April 2013 sowie einer Initiative der Studierendenfraktion im Senat der Ruhr-Uni konnten inzwischen 8.300 Unterschriften für eine Abschaffung des Latinumszwangs für Lehramtsstudierende gesammelt werden. Bereits im Mai wurde der zuständigen Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) eine vom AStA zusammen mit interessierten Studierenden, der FachschaftsvertreterInnenkonferenz (FSVK) sowie der studentischen Senatsfraktion verfasste Resolution zur Abschaffung der Latinumspflicht überreicht. Vergangenen Freitag informierte Löhrmann bei einem Gespräch u. a. mit StudierendenvertreterInnen sowie weiteren LandespolitikerInnen, VertreterInnen des Philologenverbandes und Klassischen PhilologInnen über die weiteren gesetzgeberischen Schritte, um den Lateinzwang für die Lehrämter möglichst abzuschaffen oder die Anforderungen zumindest zu reduzieren.

Eindeutige Voten im Studierendenparlament (StuPa)
Ein seltenes Bild: Einstimmiges Votum im Studierendenparlament. Foto: USch

Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Mit großer Mehrheit beschlossen wurde auf der letzten Sitzung des laufenden StuPa-Jahres letzten Donnerstag ein Antrag der Grünen Hochschulgruppe (GHG), in dem der AStA gebeten wird, „sich auf allen Ebenen für die Implementierung einer Zivilklausel in die Grundordnung der Universität und in das Landeshochschulgesetz einzusetzen“. Hierdurch sollen Werbeauftritte der Bundeswehr auf dem Campus sowie jede Art von Rüstungsforschung an der Ruhr-Uni sowie möglichst auch an anderen NRW-Hochschulen künftig der Vergangenheit angehören. Andere wichtige Anträge erzielten sogar einstimmige Voten – so etwa zur Einrichtung eines neuen „Autonomen Referats“ für Menschen mit Behinderungen.  

Unter diesem Motto fanden sich am Samstag an die 100 Demonstrierende vor dem Bochumer Hauptbahnhof ein, um ein Rauchzeichen gegen das seit Mai 2013 in NRW geltende Totalverbot des blauen Dunsts in Kneipen zu setzen.

Jede achte Schule in NRW hat keineN RektorIn
Am Schulgebäude führt zwar ein Weg vorbei, an einer vernünftigen Schulleitung aber nicht: Die Wilbergschule in Bochum-Riemke. Foto: mar

LehrerInnen gibt es in Nordrhein-Westfalen derzeit genug, aber leiten will die Schulen anscheinend niemand: Nach Auskunft des NRW-Schulministeriums waren im Dezember 715 Schulen ohne Leitung; das macht jede achte Schule im Land kopflos. Die Zahl der unbesetzten StellvertreterInnen-Stellen indes ist noch höher. In Bochum ist das Problem genauso greifbar wie in allen anderen Flächenländern. Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) sagt, die Regierung nehme sich des Problems an. Allerdings zu wenig, kritisieren LehrerInnenverbände.

Else Hirsch rettete im Dritten Reich zig Leben – noch heute ist ihr Name kaum bekannt
Voll in ihrem Element: Die jüdische Lehrerin zeigte, wenn es um ihre Schü­lerinnen und Schüler ging, stets besonderen Einsatz – vor allem in Zeiten höchster Not. Foto: Stadtarchiv Bochum

Sie hat über 70 Kindern das Leben gerettet, selbst im Ghetto noch die Kinder unterrichtet und für die Alten Kräuter gesammelt und ihnen Tee gekocht. Trotzdem kennt sie heute kaum noch jemand: Else Hirsch war von 1927 bis 1942 Lehrerin und Hoffnungsspenderin für die jüdische Gemeinde in Bochum. ZeitzeugInnen lobten ihre Arbeit und ihren Einsatz außerhalb der Schule. Heute erinnern bloß noch ein „Stolperstein“  sowie ein Straßenname an sie. Fast wäre auch ein Preis des Freundeskreises der Bochumer Synagoge nach ihr benannt worden. Unverständlicherweise nur fast.

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