„Festung Europa“: Tom Lanoyes Stück gibt Rätsel auf
Zwischen Parmaschinken und Schopenhauer
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Festgesessen: Politisch inkorrekte Dialoge dienen bei  „Festung Europa“ der Provokation. Foto: kac
Festgesessen: Politisch inkorrekte Dialoge dienen bei „Festung Europa“ der Provokation.

Die Leiterin der Studiobühne des Musischen Zentrums, Karin Freymeyer, möchte mit einem Stück des belgischen Autors Tom Lanoye ein politisches Statement setzen. Die Studiobühne will sich damit den europäischen Krisen zuwenden. In „Festung Europa“ wird der Frage nachgegangen, wie der vielbeschworene Zusammenhalt der Menschen gesteuert werden soll, wenn Angst vor Entindividualisierung und Vorurteile noch immer den Kontinent beherrschen.

Karin hat über die Shell Studie 2014 erfahren, dass junge Menschen noch nie so unpolitisch waren. „Zunächst wollte ich selbst ein politisches Stück schreiben“, erklärt Karin. Als sich jedoch der Bereich der Fotografie aus dem Musischen Zentrum bei ihr meldete, dass die zu diesem Thema eine Foto- und Videoinstallation entwickelt haben, entschied sich die Studiobühnen-Leiterin für das fertige Teaterstück „Festung Europa“.

Tom Lanoyes Stück spielt im Jahr 2020. Es geht darum, dass sich Reisende an einem Bahnhof in Europa begegnen und ins Gespräch kommen. Manche reden miteinander, andere reden aneinander vorbei. Alle jedoch verhandeln in ihren Texten das, was Europa ausmacht. „Die Eindrücke der Figuren sind dabei sehr vielfältig und unterschiedlich, manche todernst, andere amüsant, sinnlos, inhaltsleer, politisch inkorrekt oder auch sehr relevant“, so  die 27-jährige Anglistik/Amerikanistik-Studentin Juliane Gigler, die zusammen mit Simon Dapprich, dem 27-jährigen Geschichts- und Germanistikstudenten, Karin bei der Regie behilflich sind.  Es geht in den Texten um verschiedene Länder und es werden unter anderem Politiker, Philosophen, Kriege, der Kulturbegriff, Bauwerke und der Mensch selbst in den Fokus gerückt.

Eine wiederkehrende Geschichte

Ursprünglich wurde der Begriff Festung Europa im Zweiten Weltkrieg für den vom Deutschen Reich besetzten Teil Europas benutzt. Zurzeit kommt er häufig als kritischer Ausdruck in den Medien vor, dem die Behauptung zugrunde liegt, die Europäische Union betreibe gegenüber Drittstaaten eine Abschottungspolitik, insbesondere beim Asyl- und Einwanderungsrecht.

Was kommt auf die BesucherInnen zu?

Da „Festung Europa“ eine Kooperation mit dem Bereich Fotografie des Musischen Zentrums ist, wird es auf zwei Leinwänden Videoprojektionen geben, die von den FotografInnen erarbeitet wurden. Eventuell wird es noch eine weitere Projektionsfläche unter der Decke geben, die teilnehmenden Personen sind sich jedoch noch nicht einig. Bespielt wird die Mitte der Bühne und alle vier Seiten werden bestuhlt sein.

Lanoyes Stück zeigt Menschen, die in der Zukunft im Inneren Europas durch Zufall zusammentreffen werden. Es sind Reisende unterschiedlicher Nationen, die sich an einem Bahnhof begegnen. Dort warten BelgierInnen, Juden und Jüdinnen, Geflüchtete, UnternehmerInnen, WissenschaftlerInnen, KarrieristInnen und sogar Huren. Jeder Charakter ist auf sich allein gestellt, nur manche treten in Dialog mit den anderen und wenn sie es tun, liefern sie sich witzige und absolut inkorrekte Wortgefechte über das sogenannte kulturelle Erbe Europas: Kathedralen und Schopenhauer, Russenhass und Parmaschinken.

:Katharina Cygan

zeit:punkte

30. & 31. Januar und 1. & 2. Februar, immer um 19:30 Uhr 

Kartenreservierungen: mz-theater@rub.de