Allerheiligen und die PolInnen
Zwischen Kerzen und Würstchenduft
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Ein Lichtermeer auf Gräbern: PolInnen schwärmen an Allerheiligen auf die Fried­höfe hinaus. Foto. kac
Ein Lichtermeer auf Gräbern: PolInnen schwärmen an Allerheiligen auf die Fried­höfe hinaus.

Wie kam es eigentlich zum Feiertag Allerheiligen? Unsere NachbarInnen aus Polen begehen diesen Feiertag weitaus flächendeckender als wir Deutschen. Denn dort sind mehr als 90 Prozent der Bevölkerung katholisch getauft.

Das Festum Omnium Sanctorum, also das „Fest aller Heiligen“, entstand im Laufe der ersten christlichen Jahrhunderte, in denen immer mehr Menschen heiliggesprochen wurden und es quasi langsam keine freien Tage mehr gab, die man diesen Verstorbenen widmen konnte. In der Westkirche legte Papst Gregor IV. im Jahr 835 diesen Feiertag auf den 1. November.

Heute wird in vielen Ländern Europas, wie unter anderem Frankreich, Spanien, Kroatien und Polen, Allerheiligen gefeiert. Dabei beschränkt sich das nicht nur auf unseren Kontinent, auch auf den Philippinen etwa ist es ein gesetzlicher Feiertag.Laut einer Umfrage von Payback Opinion Poll heißt es, dass PolInnen um die 150 Złoty, circa 38 Euro, für Blumen und Kerzen zu Allerheiligen ausgeben. Dabei beträgt das Durchschnittsgehalt im Land 800 Euro pro Monat. Busse und Straßenbahnen fahren mit zusätzlichen Linien die ganze Nacht gezielt auf Friedhöfe. Palettenweise werden Kerzen angezündet. Dabei sehen die Menschen überraschend gut gelaunt aus.

Vor den Gräbern treffen sich ewig nicht gesehene Bekannte, es werden Anekdoten über die Verstorbenen und die neuesten Updates der Lebenden ausgetauscht. Damian ist 28 und geht meist erst nach 24 Uhr zu seinem verstorbenen Vater, dabei ist er mit  Flachmann und Gitarre gerüstet. Jedes Jahr stößt er so mit seinem Vater an und spielt ihm seine neuen Lieder vor. Die PolInnen zünden nicht nur für ihre FreundInnen und Familien Kerzen an, sondern auch an den vergessenen Gräbern, denn niemand soll alleine sein. In Großstädten legen die Menschen bis zu 15 Kilometer auf den Friedhöfen zurück, das macht bestimmt hungrig. Gut, dass auf manchen Friedhöfen Würstchenbrater die BesucherInnen verfolgen … ähm, versorgen.