Run The Jewels 4
Zwei Rapper, eine Stimme
Screenshot:kiki
Run the Jewels: Social Consciousness für fortgeschrittene.

Rezension. In drei Teilen konnte uns das Hip-Hop Duo „Run The Jewels“ bereits begeistern. Im vierten Teil ist das neueste Album der Ausnahmetalente Killer Mike und El-P aktueller denn je.

Es wirkt fast schon verwunderlich, dass es RTJ geschafft haben ein Album zu schreiben, dass die derzeitige Situation so auf den Punkt bringt. Vor allem wenn man sich vor Augen führt wie lange so ein Album braucht und es eigentlich fast unmöglich ist aktuelles Zeitgeschehen in Albumlänge zu der aktuellen Zeit herauszubringen. Vielleicht zeigt es aber auch, dass die Dinge, die im Moment in den Vereinigten Staaten passieren Ausdruck eines schon seit längerem stattfindenden Konflikts sind. Titel wie „a few words for the firing squad“ gehen schnell unter die Haut und geben einen Einblick in die Wut und Trauer, die Schwarze Menschen in den USA über Jahrhunderte aushalten mussten. Was viele vielleicht als einen Zufall abtun, dass genau jetzt ein hochpolitisches RTJ Album rauskommt, ist, wenn man seit längerem die Geschehnisse in den USA und auf der Welt beobachtet, dann doch keine Überraschung. Und trotzdem. Genau jetzt, wenn hunderttausende von Menschen auf die Straße gehen, um gegen institutionellen und gesellschaftlichen Rassismus zu demonstrieren, kommt ein Album raus, dass genau diese Wut zum Ausdruck bringt. Dabei sind die Themen dann doch immer wieder die Gleichen. Es geht um die Frage, wie viele Märtyrer ein Land braucht, bevor alles zusammenfällt. Bevor die Stimmung kippt, der Wert von Menschen anerkannt wird und die Hautfarbe kein Urteil für den Wert einer Person ist.

Doch nicht nur textlich überzeugt das Album. Auch musikalisch bringt es mit harten bis soften Beats immer wieder neue Stimmungen mit sich. Zu den klassischen BoomBap Drums, die man auch erwartet von RTJ, wie auf den Songs: „yankee and the brave (ep. 4)“ und „the ground below“, gesellen sich experimentelle 808 Beats bis hin zu ruhigen jazzigen Instrumentals. Man hat das Gefühl man wird mitgenommen auf eine Reise von harten Beats und zynischen Texten, zu immer experimentelleren Ideen und immer ernstzunehmenderen Aussagen. Hört man das Album von oben nach unten eröffnet sich eine Welt, die zu anfangs noch versucht witzig und laut ihre eigene Absurdität zu verschmälern, doch dann immer weiter an diesem Versuch scheitert, bis man auf einmal zu Liedern stößt, die wie ein offener Brief an die Gesellschaft wirken – zumindest scheinen die letzten drei Songs immer weniger den Versuch zu starten die eigenen Aussagen im Witz zu ersticken. 

RTJ haben es also wieder einmal geschafft mit ihrem Album: RTJ 4, auf den Zahn der Zeit zu fühlen und dabei präziser als je zuvor die Wunden einer gesamten Gesellschaft aufzudecken. Ein Album, das einen zum Grübeln bringt und eine Perspektive auf Geschehnisse der heutigen Zeit gibt. Was sonst vielleicht nur ein weiteres sozialpolitisches Rapalbum geworden wäre – was völlig ausreichen würde – ist schnell zu viel mehr geworden und eine Bereicherung für die Hip-Hop Welt. 

Unsere Lieblingssongs: „holy calamafuck“, „never look back“ und zu guter letzt „a few words for the firing squad”. Hier jedoch noch einmal die Empfehlung das Album auf gesamter Länge zu hören. Wenn Ihr Euch also für politischen Hip-Hop interessiert oder auch eine Einführung in diese Art der Musik braucht, empfehlen wir Euch Run The Jewels sehr. Auch solltet Ihr Euch mal Denzel Curry anschauen – ebenfalls ein Ausnahmetalent der heutigen Zeit.

:Gerit Höller