Reaktion auf die Zerstörung studentischer Werke an der RUB
Zur Unfähigkeit einer Universität, mit Kunst umzugehen
Fotos: Klaus Kuliga, artibeau.de (oben); USch (unten)
Das obere musste dem unteren Bild weichen – einfach so. Fotos: Klaus Kuliga, artibeau.de (oben); USch (unten)
Das obere musste dem unteren Bild weichen – einfach so.

So schlimm es ist, wenn Kunstwerke zerstört werden: Wo die Zerstörung nicht intendiert, sondern aus Gedankenlosigkeit geschehen ist, bleibt den Verantwortlichen im Nachhinein meist nur die zerknirschte Feststellung: „Shit happens!“ oder – sehr viel besser: „Es tut uns leid; wir bitten um Entschuldigung.“ Anders an der RUB.

Hier folgt der ersten Gedankenlosigkeit (das heißt der Übermalung des Wandbildes „Hoffnungen, Träume und Ängste der RUB-Studenten“ aus dem Jahre 1979, geschehen 2014 im Zuge eines Projektes der RUB-Sammlungen für moderne Kunst) gleich die nächste.

Statt sich mit dem ausgelöschten Kunstwerk auseinanderzusetzen, verweist die verantwortliche Kustodin der Sammlung Moderne, Friederike Wappler, reflexartig von sich weg und zeigt auf andere, auf „das Rektorat der RUB, das Baudezernat der Uni, die Bau- und Liegenschaftsbehörde in Dortmund, die Denkmalbehörde, die Arbeitsgruppe zur Kunst-am-Bau an der RUB“ und schließlich gar auf „das Bauministerium in NRW und das Kunsthistorische Institut“ (siehe :bsz 1005). Dieser Rundumschlag hat es in sich. Man darf also gespannt sein, wie die Genannten, vor allem das Kunsthistorische Institut, künftig im Spagat zwischen „Vandalismus“ und „Innovation“ Position beziehen. Immerhin zählt kein geringerer als der charismatische Max Imdahl zu seinen Gründervätern, nach dem bis heute die Abteilung „Situation Kunst – für Max Imdahl“ benannt ist. Doch Imdahl würde sich wohl im Grabe umdrehen, würde er erfahren, dass – aus welchen Gründen auch immer – an „seiner“ Universität ein Kunstwerk zerstört wurde.

Wapplers lange Liste der „eigentlich Verantwortlichen“ erinnert frappierend an die Putzkolonne, die Beuys’ berühmten „Fettfleck“ seinerzeit in der Düsseldorfer Kunstakademie entfernt hat. Ironie der Geschichte: Wappler ist an der RUB just diejenige, die für eines der berühmten Beuys’schen „Fett“-Kunstwerke die Verantwortung trägt. Zwar kein Schmalz oder Wachs, sondern ein Stück Schokolade; aber wer weiß denn schon, was passiert, wenn Wappler demnächst der Heißhunger nach eben dieser überfällt so wie heute ihr Drang, durch Übermalung des „gestern“ Platz für das „morgen“ zu schaffen.

Nachgetragen sei, dass sich inzwischen auch die Universität selbst zum Vorgang geäußert hat – zwar weder der Rektor noch der (amtierende) Kanzler, immerhin aber dessen derzeitige Stellvertreterin: „Bedauerlicherweise waren die jetzt übermalten Bilder nicht als Kunst am Bau registriert.“ Quod non est in actis, non est in mundo. Will die RUB etwa zum Ausdruck bringen, dass sie die Kunst auf ihrem Campus nicht kennt – oder eben erst dann „kennt“, wenn sie ordentlich zu den Akten genommen ist? Es wäre nachgerade peinlich, wenn das die einzige Stellungnahme der RUB bleiben sollte. Zumal dabei völlig offen bleibt, worauf sich das „Bedauern“ bezieht: auf die fehlende Registrierung des Bildes oder auf dessen Ausmerzung?

Last but not least: die KünstlerInnen. Sowohl die einen, das heißt Bernd Figgemeier und seine studentischen HelferInnen von 1979, als auch die anderen, also das „KONSORTIUM“ von heute tun mir leid. Inzwischen hat einer der „Täter“, Sebastian Freytag, das „Opfer“ B. Figgemeier dazu eingeladen, „mit ihm Fragen nach Kunst im öffentlichen Raum zu diskutieren.“ Wohl gemerkt: Fragen „nach“ Kunst; denn das Bild ist ja leider nun mal weg. Ist denn wirklich niemand auf den Gedanken gekommen, ein solches Gespräch vor der Zerstörung zu suchen?

:bsz-Leser Justus Multanovi
 

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