Diskussionen: Wollschläger-Immobilie der RUB teurer als erwartet?
Wollschläger-Immobilie im Kreuzfeuer
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Von der Lagerhalle zur Campuseinrichtung: Die Pläne zur ehemaligen Wollschläger-Immobile sorgen für Diskussionen. Foto: Public Domain
Von der Lagerhalle zur Campuseinrichtung: Die Pläne zur ehemaligen Wollschläger-Immobile sorgen für Diskussionen.

Bei der Wollschläger-Immobilie handelt es sich um einen Komplex, der 2.000 Quadratmeter Bürofläche und eine 10.000 Quadratmeter große Werkhalle umfasst. Sie soll noch in diesem Jahr in das Projekt WorldFactory der Ruhr-Universität eingebunden werden. Dort soll für das Gründerprojekt der Ruhr-Universität ein Fabrikationslabor entstehen, in dem Studierende Zugang zu Produktionsmitteln und modernen industriellen Produktionsverfahren erhalten. Mit dem Bekanntwerden des Konzepts „Campusentwicklung³“, bei dem die Universität mit der WorldFactory auf Mark 51°7 umziehen will, begannen Diskussionen über den Nutzen der Investition.

„Eigener kleiner BER“

Sebastian Pewny, studentisches Mitglied der Universitätskommission für Planung, Struktur und Finanzen, schätzt die Pläne für die Wollschläger-Immobilie als „extrem unvorteilhaft“ ein. „Die Gefahr besteht, dass die RUB mit der Wollschläger-Immobilie ihren eigenen kleinen BER geschaffen hat“, so Pewny. 

Im Ergebnisprotokoll der 77. Sitzung der Universitätskommission für Planung, Struktur und Finanzen, welches der :bsz vorliegt,  wird von einem Gesamtvolumen der Investitionen von rund 10 Millionen Euro gesprochen. „Die Betriebskosten sind da noch nicht mit drin. Ein derart energieintensives Projekt wie die WorldFactory hat da sicher hohe Betriebskosten. Die Halle fasst 10.000 Quadratmeter und diese Fläche gilt es zu beheizen, mit Strom und Wasser zu versorgen und verwaltungstechnisch zu betreuen. Da kann man schon von einem Betrag von einer halben Million im Jahr ausgehen“, so Pewny weiter.  

Außerdem wurde bekannt, dass das einst als Industrielager genutzte Gebäude aufwendig in Höhe mehrerer Millionen Euro saniert werden muss. Als öffentliches Gebäude müssen höhere Ansprüche erfüllt werden.  „Im besten Fall sind wir am Ende bei Kosten von 12, im schlechtesten Fall bei Kosten von 15 Millionen Euro für einen Übergangsbau von zwei bis drei Jahren.“

Nutzungsdauer bis 2021/2022

„Von einer Nutzungsdauer von 2 Jahren kann keine Rede sein. Vor 2021/22 kann es gar keinen Umzug nach Mark 51°7 geben, da ja erst einmal geplant und gebaut werden muss“, so Prof. Uta Hohn, Prorektorin für Planung und Struktur. In einer Stellungnahme gegenüber der :bsz erklärt Hohn: „Die RUB hat die Wollschläger-Immobilie zu einem Zeitpunkt erworben, als eine Entscheidung für ein Engagement beim Aufbau eines Wissenschafts-, Innovations- und Technologiequartiers auf Mark 51°7 noch nicht absehbar war und vor allem als dort keine Entwicklungsflächen kurzfristig verfügbar waren.“ Der sogenannte Letter of Intent zwischen der RUB und der Stadt Bochum wurde erst am 22. September 2016 unterzeichnet. Also fast ein Jahr nach dem Kauf der Wollschläger-Immobilie. Der Betrag von 15 Millionen Euro „entbehrt jeder Grundlage“, so Hohn weiter. Die Anfrage nach Details und Belegen zu den tatsächlichen Kosten blieben bis Redaktionsschluss allerdings unbeantwortet. Auch die Zukunft der Immobilie nach dem Umzug der WorldFactory nach Mark 51°7 ist unklar. Laut Hohn liegen bisher keine detaillierten Pläne vor.

:Andreas Schneider