RUB-Promovend startet neues Lehrkonzept
Wissenschaft zugänglich machen
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Vermeintlich Fremdes einander näher bringen: Dies versucht Simon Große-Wilde ab dem Sommersemester 2018 mittels Stoffgeschichten. Bild: tom
Vermeintlich Fremdes einander näher bringen: Dies versucht Simon Große-Wilde ab dem Sommersemester 2018 mittels Stoffgeschichten.

Lehre. Ab dem Sommersemester 2018 werden an der RUB Stoffgeschichten erzählt. Simon Große-Wilde bringt ein neues, mit 10 CP vergütetes Lehrkonzept in den Optionalbereich ein, mit dem naturwissenschaftliche Sachverhalte einer breiten Masse verständlich gemacht werden.

Aber was sind eigentlich Stoffgeschichten und wer hat dieses Lehrkonzept ersonnen? Simon Große-Wilde hat an der RUB zunächst Chemie und Geschichte im Master of Education studiert und dann einen Master of Arts in Geschichte angehängt. Seit 2016 promoviert er im Bereich Technik- und Umweltgeschichte. Den Plan, Lehrer zu werden, habe er aufgrund der strukturellen Veränderungen im Schulbetrieb verworfen. Im Zuge seiner weiterführenden beruflichen Laufbahn ist er an den Lehrstuhl für Technik- und Umweltgeschichte gegangen und konnte feststellen: „Geschichte und Chemie, das passt doch gut zusammen.“

In seiner Promotion setzt er sich mit dem Stoff Vulkanfiber auseinander, was schließlich dazu führte, dass er auf das Konzept der Stoffgeschichte stieß. „Wie geht man methodisch, theoretisch daran heran? Was gibt es für Zugänge? Ich finde diesen interdisziplinären Zugang ganz spannend“, erklärt Große-Wilde. Die Stoffgeschichte ist „ein neues Feld in der Geschichtswissenschaft“ und komme ursprünglich aus der Chemie. Dort ging es zunächst darum, Stoffe im Labor gemäß ihrer materiellen Eigenschaften zu charakterisieren. Einige Kollegen aus Augsburg hätten dies dann Anfang des 21. Jahrhunderts um einen geisteswissenschaftlichen Aspekt erweitert. Vorrangiges Ziel war es, den Menschen deutlich zu machen, mit welchen Stoffen sie tagtäglich – ohne sich dessen bewusst zu sein – in Kontakt kämen. „Das war die Idee – die Blackbox zu öffnen und den kulturspezifischen Bereich mit einzubringen. Wie gehen die Leute eigentlich mit diesen Stoffen um?“ Daraus sei das jetzige Konzept der Stoffgeschichte erwachsen.

In der Lehre

Das methodische Konzept der Stoffgeschichte befinde sich, so Große-Wilde, derzeit in einem Stadium der Ausdifferenzierung. „Da hab ich gesagt: Da müsste man doch eigentlich was mit machen können.“ Im Bereich des Forschenden Lernens an der RUB, wo Interdisziplinarität groß geschrieben werde, wollte Große-Wilde die Fächer Chemie und Geschichte dann „unter einen Hut bringen“. Im zweiten Anlauf sei sein Antrag für das ab Sommersemester 2018 im Optionalbereich verfügbare Lehrkonzept dann auch bewilligt worden. 

Große-Wilde betrachtet sein Konzept als Herausforderung, „weil die Stoffgeschichte auf ein Publikum abzielt, das keine besonderen Vorkenntnisse hat.“ Im Kurs werde für jedeN geschrieben, sodass alle Interessierten es verstehen können. Diese Schnittstelle zu schaffen, sei zwar schwierig, der Reiz aber liege darin, „dass man interdisziplinäre Teams aus Studierenden hat.“ Durch unterschiedliche Zugänge zum Thema, bedingt durch ihre Fächer, würde sich gegenseitig ergänzt. „Ich glaube, das kann auch dazu führen, dass man im Endeffekt eine Stoffgeschichte hat, […] die allgemein verständlich ist.“ Dies sei zwar ein großer Aufwand, aber „man kann alles dekomplizieren“. Unterstützung dafür kommt beispielsweise vom Schreibzentrum. Es sei angedacht, dass die TutorInnen des Schreibzentrums für mindestens eine Sitzung des Seminars mit den Studierenden zusammenarbeiten.

Ab dem Sommersemester 2018 wird das Lehrkonzept im Optionalbereich erprobt. Die Teilnahme erfolgt über zwei Semester und wird mit 10 CP vergütet. Darüber hinaus werden die in diesem Kurs angefertigten Hausarbeiten (Stoffgeschichten) am Lehrstuhl für Technik- und Umweltgeschichte in einem Sammelband publiziert. Dies soll sowohl dem Mehrwert der Veranstaltung als auch der Motivation der Studierenden dienen.              

:Tobias Möller