Nach langem Kampf von uns gegangen:
Wir trauern um das Streikrecht (für ­manche Gewerk­schaften)

Nach Jahrzehnten der Existenz und zuletzt monatelangem Todeskampf ist es von uns gegangen: Wir alle können uns noch bestens an die Auswirkungen, die es zuletzt hatte, erinnern: LokführerInnen setzten den Bahnverkehr über Monate lahm. Nicht zuletzt das Auftreten der kleinen aufmüpfigen GDL sah uns veranlasst, die unzufriedene Palliativmedizin in dieser Angelegenheit einzustellen. Und wir wissen noch alle, welchen Streit es unter den Hinterbliebenen, den ParlamentarierInnen gab, als es letzte Woche in der Intensivstation Bundestag darum ging, über den weiteren Verbleib des Patienten zu entscheiden. Nicht zuletzt die neueste medizinische Behandlungsmethode des Tarifeinheitsgesetztes, die Frau Doktor Nahles als Spezialistin arbeitskämpflicher Anästhesie entwickelte, erweckte bei einigen Hinterbliebenen Unmut: Diesen SkeptikerInnen am Geist der heiligen Margaret Thatcher gehört nun unser ganzes Mitgefühl. Trotzdem können wir aktuell nicht absehen, welche Ansteckungsgefahr vom aufmüpfigen Kurs der GDL noch für andere Gewerkschaften besteht. Wissen wir doch, wie sehr aktuell der Streik der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst grassiert.
Die Abschaffung des Streikrechts, so traurig es für Manche ist, gibt uns  Mut und Kraft, auch gegen weitere Symptome  vorzugehen: etwa die Arbeitsniederlegung durch größere Gewerkschaften wie aktuell der Kita-Streik; aber auch weiter zu machen mit Lohndumping, Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse oder die Einschränkung von ArbeitnehmerInnenrechte. Trotz allen Schmerzes um den Verlust mahnen wir daher, nicht zu sehr zu trauern. Wissen wir doch: Die Trennung von schwarzen Schafen ist manchmal auch den in besten Familien notwendig. Der neoliberale Glaube bestärkt uns, mit der eingeschlagenen, vielleicht manchmal bitteren, aber nichtsdestotrotz notwendigen Therapie fortzufahren.
Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihr Verfassungsgericht.
:Benjamin Trilling