Erfahrungsbericht von der AStA-Bildungsreise zur tunesischen Insel
Wir Deutschen auf Djerba
Foto: Adriano Bernhard
Sogar mit Klimaanlage: Unterkunft für uns deutsche MuttersprachlerInnen. Foto: Adriano Bernhard
Sogar mit Klimaanlage: Unterkunft für uns deutsche MuttersprachlerInnen.

Vom 17. bis zum 29. Juli brachen mit mir noch 29 weitere Studierende (29 der RUB; 1 Uni Essen) zur gesponserten AStA-Reise nach Djerba auf. Wir wurden eingeladen, um die Sprachfertigkeiten der tunesischen Germanistik-Studierenden zu erweitern und ihnen ein Stück Deutschland zu bringen. 

Was ich da genau in diesem Sprachendorf machen sollte, wusste ich zu Beginn nicht. Mein einziger Gedanke war: Hauptsache günstig ans Meer. Und mit einem Eigenanteil von nur 120 Euro für zwei Wochen Djerba hatte ich wohl ein Schnäppchen ergattert. 

Die Organisation machte man uns TeilnehmerInnen auch sehr einfach – lediglich ein Vortreffen – der Rest wurde für uns übernommen. 

Deutscher Eurozentrismus

Auf Djerba angekommen, empfing man uns freundlich und brachte uns ins Wohnheim der Uni, in dem wir untergebracht waren. Zu Beginn sagte man uns, dass wir das Gelände nur mit Erlaubnis verlassen dürften und dann auch nur bis Mitternacht – aus Sicherheitsgründen.

Nach zwei Tagen Schonfrist, in der wir uns an das Wetter, die nicht abschließbaren Toilettentüren, Klopapiermangel und kaltes Duschen gewöhnen konnten, kamen auch die tunesischen Studierenden an. Dr. Mohamed Hedi Ferchichi, der Initiator und Hochschullehrer der Universität La Manouba, erklärte, dass die teilnehmenden Studis die Besten des Landes seien und aufgrund ihrer Leistung teilnehmen dürften – und das merkte man auch. Gegen meine Erwartungen war das Sprachniveau extrem hoch. Viele Studierende beklagten noch in der ersten Woche, dass der Unterricht sie langweile und sie lieber über Kant oder Leibniz diskutieren wollten – selbst für MuttersprachlerInnen harter Stoff.

Ego-Push

Wir, 18 weibliche und 12 männliche MuttersprachlerInnen trafen auf 80 weibliche und nur 10 männliche tunesische Germanistikstudierende. Wir als „die Deutschen“ bekamen eh schon sehr viel Aufmerksamkeit, aber unsere männlichen Begleiter wurden geradezu belagert. Nicht, dass es sie gestört hätte – ganz im Gegenteil. Viele waren von den Tunesierinnen genauso angetan, wie sie von den Deutschen. Ein ungeahnter Ego-Push für ausnahmslos alle männlichen Mitreisenden! Auch auf der weiblichen Seite gab es hin und wieder Annäherungsversuche, darunter auch einen (erfolglosen) Heiratsantrag via Facebook.

Nächstes Jahr wieder?

Trotz kurzzeitig gefühltem Freiheitsentzug, schwierigen sanitären Umständen und viel nötiger Geduld wäre ich jederzeit wieder dabei  – das nächste Mal würde ich mich auch wirklich vorbereiten und eigene Unterrichtseinheiten leiten wollen. Das ganze tunesische Team vor Ort, von Koch bis zu Sicherheitsbeauftragen, Lehrern und Reinigungskräften, hat sich redlich bemüht, uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. So wurde für die VegetarierInnen zusätzlich gekocht, die Reinigungskräfte brachten in der zweiten Woche täglich an jedes Zimmer eine Rolle Toi­lettenpapier und die Sicherheitskräfte schafften es sogar, mein verlorenes Handy wieder aufzutreiben. 

:Sarah Tsah

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