Instagram und die Zensur
Willkommen in der Schatten
Bild:bena
Shadowbanning: Wie Instagram aus "Guideline-Gründen" die Reichweite einschränkt.

Instagram. Social Media, ein Ort, wo man kreativ sein und sich frei ausleben kann. Doch was ist, wenn die Beiträge von Business-  und Creatorkonten in der Reichweite minimiert, für einige nicht zu sehen sind oder gar gelöscht werden? Dieses Phänomen nennt sich Shadowban und betrifft viele junge Menschen, die sich online aktivistisch zeigen.

Was ist ein Shadowban oder Ghost banning?

Die Reichweite des Accounts wird eingeschränkt, ohne dass der:die Contentcreator:in davon weiß. Heißt, das Posten von Beiträgen kann wie gewohnt erfolgen, jedoch sehen und erreichen viel weniger Menschen den erstellten Content. Die Interaktionen werden weniger und Likes, Views und neue Abonnent:innen sind für die Seite nicht möglich zu generieren. Aber nicht nur das! Beiträge können von Instagram unsichtbar gemacht werden und für den:die Follower:in aussehen, als würde der:die Creator diesen Blockieren. In härteren Fällen löscht Instagram auch den Content und beruft sich darauf, dass der:die User:in die Regeln der App verletze, ohne gegen diese wirklich verstoßen zu haben, da sie von Instagram keine Strikes, ein Account-Warnsystem, wenn gegen die Regeln verstoßen wurde, bekommen haben. Instagram selbst verneint, dass es so etwas wie einen „Shadowban“ gibt. Jedoch heißt es vonseiten der App auch, dass wenn sie sehen, dass ein Account gegen die Guidelines verstoßen würde, die Reichweite verringert werden kann.

Zusätzliche Ursachen für ein Shadowban:

1.  Die Verwendung von zu vielen oder gebannten Hashtags.
Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass Instagram auch „harmlose“ Hashtags auf eine Bannliste hinzufügen kann. Dies geschieht vor allem durch Spam- und Pornbots, aber auch durch Trends und Challenges. So kann der eigene Account als Spambot eingestuft werden.

2. Too much traffic
Es kann sein, dass ein Post durch die Decke geht oder eine große Seite den jeweiligen Content empfiehlt. Automatisch führt dies zu einer höheren Aktivität auf dem Account. Instagram lässt die Aktivitäten scannen und kann den Account als Spam oder Fake kennzeichnen. Insbesondere am Anfang, um Aufmerksamkeit zu generieren über Likes, Follows, Shares und das Verwenden von zu vielen Hashtags unter Beiträgen kann dies schnell passieren.

3. Likes und Follower kaufen
Eine Sache, durch die ein Account als hochgradig problematisch einstuft wird, ist, wenn die Follower- und Like-Zahl durch Bots und Fakeprofile vergrößert wird. So entsteht eine Automatisierung, die von Instagram nicht erwünscht ist. 

Was kann man gegen Shadowbanning tun?

  • Man hat die Möglichkeit, es das Problem bei Instagram zu melden. Doch da Instagram bis heute nicht bestätigt, dass es sowas gibt, kann darauf verwiesen werden, dass der Content einfach nicht gut genug ist oder man überhaupt gar keine Antwort bekommt. Den Account für eine kurze Zeit (mindestens zwei Wochen) deaktivieren. Eine temporäre Stilllegung des Accounts kann dafür sorgen, dass Instagram registriert, dass ein vermuteter Bot oder Hacker losgeworden wurde.
  •  Durch warten und das Mitteilen der aktuellen Situation kann man seine aufgebaute Community mit in den Prozess des Shadowbans nehmen. So kann man durch die aktuellen Follower:innen eine höhere Aktivität generieren in Form von Likes, Kommentaren und hoher Interaktion bei den Stories.
  • Jedoch müsse man bei allen Aktionen gegen den Shadowban wissen, dass dies keine Garantien sind. Da Instagram als Unternehmen verneint, dass es ein solches Verhalten ihrerseits gibt, sind bis heute noch keine richtigen Lösungen vorhanden, aus diesem rauszukommen.  

Stimmen von Creator:innen: 

Wir müssten mal reden

„Auf unserem Profil sind alle Beiträge betroffen. Vor allem die Klicks auf unsere Stories haben sich verändert. Unsere Views haben sich dort um zwei Drittel verringert. Wir dachten erst, dass es einen natürlichen Grund hat, aber dann wurden wir von einigen Follower:innen angeschrieben, die dachten, wir hätten eine Pause eingelegt. Trotz aktivierter Benachrichtigungen werden sie nicht informiert, dass was gepostet wurde. Mehr noch: wir sind nicht mehr in dem Feed zu finden und über die Suche erst verfügbar, wenn der ganze Name eingegeben wird.“

Kinboytalks

„Ich erreiche einfach weniger Leute und bin darauf angewiesen, dass meine Follower:innen vermehrt auf die Inhalte reagieren. Vor allem wenn ich Beiträge in meinen Stories poste, in denen es um weiße Gewalt geht oder die systemkritisch sind, die kommen nicht mehr durch. Da hat sich die Viewzahl um mehr als die Hälfte minimiert. Ich empfinde es unnötig. Es hindert mich daran, Aufklärungsarbeit zu betreiben. Ich sehe es als eine Art silencing, dass wieder Schwarze und wichtige Stimmen verstummen. Das ist aus meiner Sicht kontraproduktiv für uns alle und auch kein Zufall, dass es immer dieselben trifft.“

Shootsnapper

„Seitdem ich mich besonders gegen Rassismus auf Instagram stark gemacht habe und einige einschlägige Hashtags benutze, fiel mir auf, dass einige Beiträge nicht mehr so oft von Menschen geliket und gesehen wurden. Vorrangig von Menschen, die mir nicht folgen. Da meine Beiträge nicht auf der Explorepage zu sehen sind. Zudem sehen meine Follower:innen einige Beiträge erst später und meine Stories haben zu bestimmten Themen viel weniger Views. Ich verstelle mich jedoch noch nicht und mache weiter. Auch wenn hier doppelte Standards sind, denn Hakenkreuze und rassistische Äußerungen werden trotz mehrfachen Meldens weiterhin gezeigt und meine Aufklärungsarbeit gedroppt.“