Straßenmagazin "bodo" lädt zur "Sozialen Stadttour"
Wie sieht der Alltag Wohnungsloser in Bochum aus?
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Die Begleiter der Tour, der Ehrenamtler Ulrich Kloda und „Bodo“-Verkäufer und Stadtführer Markus Nieß, vor der bodo e.V. Anlaufstelle in Bochum. Foto: gin
Die Begleiter der Tour, der Ehrenamtler Ulrich Kloda und „Bodo“-Verkäufer und Stadtführer Markus Nieß, vor der bodo e.V. Anlaufstelle in Bochum.

Hilfe. Das Straßenmagazin „bodo“ bietet jeden dritten Samstag im Monat eine von einem  Zeitungsverkäufer geführte „Soziale Stadttour“ durch Bochum an, um über die Anlaufstellen der Obdachlosen zu informieren. Die :bsz war dabei.

„Mehr Aufmerksamkeit für die Lage der Obdachlosen, dass mehr Möglichkeiten geschaffen werden.“ So begründet Stadtführer und „bodo“-Verkäufer Marcus Nieß die Idee der Stadttour. Das langfristige Ziel sei es, dass die Obsachlosen „aktiver werden und auch mal in Wohnungen, in eigene vier Wände, kommen und dann auch eines Tages mal ein Beschäftigungsverhältnis bekommen“. Denn Obdachlosigkeit ist in Deutschland eher ein Tabuthema.

Wohin führt die Tour?

Doch welche Anlaufstellen gibt es in Bochum für Wohnungslose? Start- und Endpunkt der Tour ist die bodo e.V.-Anlaufstelle in der Stühmeyerstraße. Hier versucht man mithilfe eines geregelten Einkommens, die Leute von der Straße zu holen. Für Fragen oder Anliegen zur Wohnungslosigkeit gibt es die Beratungsstelle für wohnungslose Männer am Westring und „Frauen in Not“ an der Hans-Böckler-Straße. Diese Stellen bieten aber nicht nur Beratung, Unterstützung, Begleitung und Weitervermittlung bei sozialen, finanziellen und rechtlichen Situationen für Obdachlose an, sie helfen auch Menschen, die von Wohnungsverlust bedroht sind. Es ist außerdem möglich, sich eine Postadresse einzurichten oder seine Habseligkeiten in Schließfächern unterzubringen.

Für Jugendliche zwischen 14 und 24 Jahren besteht ein Kontaktbereich und eine Beratungsmöglichkeit im „Sprungbrett“ auf der Ferdinandstraße, „aber der Bedarf nach Beratung muss von den Jugendlichen selbst kommen, sonst hilft es ja auch keinem“, so eine Mitarbeiterin der Beratungsstelle. Aber nicht nur Obdachlose werden  hier beraten, auch SchülerInnen, die Hilfe bei Schülerbafög brauchen, erhalten Hilfe. Wer einen Kaffee trinken will, begibt sich zur Bahnhofsmission, versteckt neben der Polizei am Hauptbahnhof, wo es im Winter auch möglich ist, sich kurzzeitig aufzuwärmen. Doch auch diese Einrichtung ist nicht nur Obdachlosen vorbehalten, sie hilft auch Reisenden, die zum Beispiel in Bochum „gestrandet“ sind. Verpflegung erhalten Wohnungslose in der Suppenküche, direkt neben der „bodo“-Anlaufstelle. Dort gibt es nicht nur günstiges Essen, sondern es  werden Freizeitaktivitäten angeboten und im Winter besteht die Möglichkeit einen Wärmeraum aufzusuchen. Schlafplätze gibt es für Jugendliche in der Notschlafstelle „SchlafamZug“, für Erwachsene gibt es die Übernachtungsstelle „Fliednerhaus“ in der Nähe des Stadions.

Fazit der Führung

„Die meisten sagen oft nach der Tour, dass sie nun erst wissen, um was es sich bei den Institutionen handelt, an denen sie vorher immer nur vorbeigelaufen sind“, so Ulrich Kloda, ein ehrenamtlicher Mitarbeiter, der die Tour schon seit ihren Anfängen begleitet. Des Weiteren berichtet er über das Erstaunen von PolitikerInnen, Schulen und Vereinen über das Angebot für Obdachlose in Bochum und bezeugt, dass das Thema Obdachlosigkeit hierdurch ein bisschen präsenter geworden ist. „Es hat was bewirkt, dass wir hier rumlaufen“, so Kloda.

Interesse geweckt? Anmeldungen sind unter 0231/9509780 möglich, die „Teilnahmegebühr“ ist der Kauf eines Straßenmagazins beim Stadtführer.          

:Gianluca Cultraro