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Wie kann Hochschulpolitik mehr Studierende erreichen?
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Mails vom Studierendensekretariat: eine Möglichkeit, über Hochschulpolitik zu informieren. Bild: stem
Mails vom Studierendensekretariat: eine Möglichkeit, über Hochschulpolitik zu informieren.

HoPo. Viele Studierendenvertretungen beklagen einen Mangel an Möglichkeiten, Student*innen mit Informationen über ihre Arbeit zu versorgen. Stellen universitäre Mailverteiler eine Lösung dar?

Studierende berichten in Gesprächen häufig, sich nicht ausreichend über die Arbeit des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) und des Studierendenparlaments (StuPa) informiert zu fühlen. Folglich fällt vielen die Entscheidung schwer, wen sie wählen sollen, oder sie gehen erst gar nicht zur Wahl. Im vergangenen Dezember beteiligten sich gerade einmal knapp zehn Prozent der Studierenden an der StuPa-Wahl – das könnte auch mit einem Mangel an Informationsangeboten zusammenhängen.

Eine Möglichkeit, wie das StuPa und der AStA ihre Studierenden leicht über ihre Arbeit informieren könnten, sind universitäre Mailverteiler. Die wichtigsten Ergebnisse von StuPa-Sitzungen und die Arbeit des AStAs ließen sich in regelmäßigen Abständen zusammenfassen und in Newsletter-Form verschicken. Der Vorteil: Alle Studierenden hätten prinzipiell die Möglichkeit, sich ohne ein großes Maß an Eigeninitiative über hochschulpolitische Prozesse zu informieren.

Häufig haben Studierendenvertretungen aber keinen direkten Zugriff auf diese Mailverteiler. Dies ist das Ergebnis unserer gemeinsamen Recherche mit anderen Studierendenmedien im Rahmen des Projekts „Warum wählst Du?“ des gemeinnützigen Recherchezentrums CORRECTIV.

Auch an der Ruhr-Universität Bochum haben der AStA und das StuPa keinen direkten Zugang zu solch einem Mailverteiler. Derzeit kann die Studierendenvertretung die gesamte Studierendenschaft nur über den Verteiler des Studierendensekretariats erreichen. In diesem sind alle eingetragenen Studierenden erfasst. Peter Kardell, der Leiter des Studierendensekretariats, verschickt darüber Info-Mails, die in den RUB-Postfächern aller Studierenden landen. Das können Erinnerungen an die Rückmeldungsfristen, Hinweise auf besondere Studienprogramme, Änderungen an den Studienordnungen oder hochschulpolitische Inhalte sein. Aus diesem Verteiler können sich die Studierenden nicht abmelden. Denn da die Ruhr-Uni unter anderem aus Umweltgründen versuche, größtenteils auf das Versenden von Briefen zu verzichten, bestehe für sie eine rechtliche Verpflichtung, „in ihre Mails zu gucken“, so Kardell.
Auch der AStA und das StuPa können Anfragen für Rundmails stellen. Das Studierendensekretariat stimmt sich daraufhin mit dem Rektorat ab, ob sie die Mail für relevant halten. In der Vergangenheit wurden so Bekanntmachungen für StuPa-Wahlen und im Jahr 2015 zur Urabstimmung über den damals neuen Vertrag mit dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr bezüglich des Semestertickets verschickt.
Doch abgesehen von der Veröffentlichung von Wahlbekanntmachungen fanden keine Gespräche zwischen studentischer Selbstverwaltung und der Hochschulverwaltung zur Nutzung von universitären Mailverteilern statt, sagt StuPa-Mitglied David Semenowicz (Liste ReWi), der bis Anfang Januar mehrere Jahre lang StuPa-Sprecher war.

Bei der Genehmigung der Anfragen über den uniweiten Mailverteiler habe das Rektorat zudem „den Daumen drauf“, möglichst wenige Nachrichten zu verschicken, so Kardell vom Studierendensekretariat. Dafür gebe es einen guten Grund: Peter Kardell berichtet von erbosten Antworten einzelner Studierender, die die Mails als Spam empfänden. Auch an anderen Hochschulen rechtfertigt die Universitätsleitung mit diesem Argument, dass sie den Zugang des AStA zu einem Mailverteiler mit allen Studierenden beschränkt – zum Beispiel an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Dort prüft der Präsidialbereich seit 2013 jede Mail, die der AStA über einen allgemeinen Verteiler mit allen Studierenden verschicken will. Das berichtet das Hochschulmagazin Campus Mainz. Die Zahl der Mails, die der Mainzer AStA verschicken darf, ist zudem beschränkt.

Statt Mails über den Hochschulverteiler zu senden, werden an der RUB Veranstaltungen oder Aktionen des AStA über die offiziellen Social-Media-Accounts der Universität geteilt. Beispielweise Veranstaltungen rund um die Anti-Sexismuswoche im vergangenen November oder DKMS-Typisierungsaktionen für Stammzellenspenden. „Dieses Jahr war da viel Zugriff durch die sozialen Medien“, berichtet David Semenowicz mit Blick auf 2019. Laut Semenowicz sei dabei eine gute Kooperation mit der Pressestelle der Uni zustande gekommen, die die Social-Media-Kanäle bespielt. Der AStA oder Gremien des StuPas – wie vergangenen November der Wahlausschuss – können dabei auf die jeweiligen Social-Media-Manager*innen der Ruhr-Uni zugehen und zusammen mit diesen beispielsweise eine Reihe von Instagram-Stories verfassen.

Eine weitere Alternative zum Verteiler des Studierendensekretariats an der RUB wäre ein eigener Newsletter von AStA und StuPa. Dieser hätte jedoch den Nachteil, dass es sich dabei um einen Einwilligungs-Newsletter handeln würde. Den müssten Studierende bewusst abonnieren. Somit würde er weniger Studierende erreichen, merkt der ehemalige StuPa-Sprecher Semenowicz an. Er zweifelt zudem am Informationswert eines Newsletters, der über die regelmäßigen Sitzungen des StuPas informiert, da „die Sitzungen teilweise thematisch nicht viel hergeben“. Daraus ergebe sich „wahrscheinlich auch die Angst, es liest keiner“. Es sei zu vermuten, dass sich die Reichweite dieses Newsletters auf die wenigen beschränken würde, die ohnehin schon in der Hochschulpolitik aktiv seien, so Semenowicz.

:Stefan Moll und Christian Feras Kaddoura

Dieser Artikel ist Teil einer Kooperation mit dem gemeinnützigen Recherchezentrum CORRECTIV. Im Rahmen des Rechercheprojekts "Warum wählst Du?" untersucht CORRECTIV zusammen mit 24 studentischen Partnermedien die Situation der Demokratie an deutschen Hochschulen. Mehr Informationen unter: https://correctiv.org/crowdnewsroom/warum-waehlst-du/

Diese Recherche ist in Zusammenarbeit mit den Studierendenmedien akduell (Duisburg-Essen), Blickfeld Wuppertal, Campus Mainz, ruprecht Heidelberg, Akrützel (Jena) und UnAuf (Berlin) entstanden.

Eine frühere Version dieses Artikels erschien in unserer Ausgabe 1238 vom 22. Januar.