Bürgerinitiative initiiert Protest
Widerstand gegen Giftmüll in Herne
Kartenmaterial: openstreetmap.org CC BY-SA 2.0. Bearbeitung: juma
Nah dran: Die Fa. Suez befindet sich in der Nähe der Bochumer Stadtgrenze. Kartenmaterial: openstreetmap.org CC BY-SA 2.0. Bearbeitung: juma
Nah dran: Die Fa. Suez befindet sich in der Nähe der Bochumer Stadtgrenze.

Umwelt. In Herne wird seit vielen Jahren Giftmüll verbrannt, seit einigen Jahren auch atomar verunreinigter Müll aus rückgebauten Atomkraftwerken. Dagegen regt sich Widerstand einer Bürgerinitiative.

Direkt an der Stadtgrenze zu Bochum wird seit mehr als 20 Jahren Giftmüll verbrannt. „Thermische Behandlung“ nennt die Firma Suez diese Art der Giftmüllentsorgung. Die ursprüngliche Genehmigung der Firma bezog sich auf die Verbrennung durch die Industrie kontaminierter Böden, doch in den letzten zwei Jahrzehnten beantragte die weltweit agierende Firma 22 Genehmigungserweiterungen. Diese bezogen sich sowohl auf die Betriebsgröße als auch auf die Erlaubnis, mit andersartig kontaminierten Stoffen zu arbeiten. Die Bürgerinitiative „Dicke Luft“ kritisiert, dass Suez jede Möglichkeit nutzt, um den wirtschaftlichen Erfolg zu steigern, ohne Emissionsgrenzwerte zu beachten. „Es gibt sowohl im Einwendungsbericht der Umweltverbände BUND/BBU und in der Niederschrift zu Erörterungsverfahren gravierende Missstände bei der Fa. Suez in Bezug auf Einhaltung von Grenzwerten, außerdem haben solche Anlagen ein erhöhtes Störfallrisiko“, gibt Gerhard Kalus, Sprecher der Bürgerinitiative zu bedenken.

Da man der örtlichen Politik – auch aufgrund von Untätigkeit – nicht traue, strebe man unabhängige Emissionsmessungen an und prüfe eine Klage über den BUND e.V.

Krebsrisiko durch Müllverbrennung? 

Da seit 2004 auch eine Genehmigung für die Entsorgung atomaren Mülls aus rückgebauten Atomkraftwerken vorliegt, macht man sich bei „Dicke Luft“ Sorgen um die Gesundheit der Herner und Bochumer BürgerInnen. Herne habe die höchste Krebsrate in NRW, heißt es auf der Homepage der Initiative, daher müsse ein Zusammenhang zwischen den Emissionen der Müllverbrennungsanlage und den gesteigerten Krebserkrankungen geprüft werden, fordert die Initiative. 

Auch die Wiederaufbereitung giftiger Schlämme aus Frackingvorhaben in Niedersachsen ist den Mitgliedern der Bürgerinitiative ein Dorn im Auge. Besonders ärgerlich für die Aktiven ist jedoch die neuste Forderung der Firma Suez: statt wie bisher 48.000 sollen künftig 65.000 Tonnen Giftmüll in Herne verarbeitet werden. „Unser kurzfristiges Ziel ist die Erweiterung auf jeden Fall zu verhindern und gegebenenfalls die Schließung dieser Firma zu erreichen“, verkündet Kalus.

:Justin Mantoan