Ehemaliger Chauffeur des Commandante und umstrittene Ikone – Ein Dokumentarfilm gibt Einblicke in das Leben von Jean Ziegler
Widersprüchlicher Rebell
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Ein Denker, der im Film von Nicolas Wadimoff auch über sich selbst nachdenkt: „Jean Ziegler – Optimismus des Willens“ ist ein spannendes Porträt des ehemaligen Revolutionärs. Foto-Quelle: wfilm
Ein Denker, der im Film von Nicolas Wadimoff auch über sich selbst nachdenkt: „Jean Ziegler – Optimismus des Willens“ ist ein spannendes Porträt des ehemaligen Revolutionärs.

Es war nur ein kurzes Gespräch. Doch dieser Wortwechsel mit Che Guevara hat den jungen Jean Ziegler entscheidend geprägt, wie er im Dokumentarfilm von Nicolas Wadimoff erzählt: Ziegler, damals noch Chauffeur des „Commandante“ will ihn nach Kuba begleiten, bei der Revolution helfen. Die Antwort Che Guevaras: „Dein Platz ist hier. Hier ist das Gehirn des Monsters, hier musst du kämpfen.“

Das nahm sich der junge Schweizer zu Herzen: Die Machenschaften der Schweizer Banken oder die Verelendung durch die Globalisierung prangerte er als Genfer Abgeordneter und politischer Autor an. Später wird er UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. „Ein Kind, das heute verhungert, wird ermordert“, lautet das wohl bekannteste Zitat der umstrittenen Ikone von GlobalisierungskritikerInnen. 

Widersprüchliche Innenschau

Regisseur Wadimoff studierte selbst bei Ziegler, der bis 2002 als Professor für Soziologie an der Universität Genf lehrte. Im Dokumentarfilm zeigt er nicht nur den Werdegang seines ehemaligen Dozenten, etwa die Konfrontation mit Hunger und Elend während seines Afrikaaufenthaltes oder seine Begegnung mit Sartre und Simone de Beauvoir, sondern lässt vor allem Ziegler selbst zu Wort kommen – über seine Arbeit, Ungerechtigkeit und vor allem über sich selbst. 

So gerät der Dokumentarfilm auch zur Innenschau, wenn Ziegler seinen Arbeitsort zeigt, mit Fotos von Allende und Che Guevara und dabei ins Schwärmen gerät: „Das ist mein tägliches Gewissen.“ Wadimoff gelingt es nicht, Distanz zu seinen Protagonisten aufzubauen. Doch gerade das macht den Film sehenswert: Die Szenen, in denen der ehemalige Revolutionär etwa fehlende Presse- und Meinungsfreiheit in Kuba verharmlost oder mit seinen Kontakten zu anderen stalinistischen Diktatoren konfrontiert wird. Ein spannendes Porträt eines widersprüchlichen Gesellschaftskritikers.

Der Dokumentarfilm ist ab dem 23. März im Kino zu sehen.

:Benjamin Trilling