Ein wiedersehen
When I was a Young Boy ...

Das mittlerweile seit Jahren erwartete deutsche Reunion Konzert der Lieblingsband alle traurigen Kids in schwarzen Klamotten hat endlich stattgefunden. Meine Eindrücke und Gedanken dazu gibt es hier. 

Als sich My Chemical Romance 2013 auflösten, hatte ich dazu kaum eine Meinung. Nachdem ich sie einige Jahre zuvor noch gern hörte, war ich so fest in meiner Metal-Phase gefangen, dass ich davon überzeugt war, dass so etwas keine Musik für „Männer“ ist, und lieber auf den einschlägigen Konzerten und Festivals herumhing. Dabei habe ich wohl lang genug meinen Kopf auf gesundheitlich bedenkliche Arten geschüttelt, dass mir irgendwann endlich auffiel, wie bescheuert meine Attitüde, und die der anderen Leute in dieser Szene, war. Als Anfang 2020 dann klar wurde, dass eine Reunion Tour nach so langer Zeit endlich in Aussicht steht, war also klar: Ich brauche ein Ticket. Nach gespanntem warten und hämmern der F5-Taste war es so weit: Ich hatte eine der heiß begehrten Karten, und die Vorfreude konnte losgehen. Die Phase der Vorfreude sollte sich jedoch mehrmals - erst unerwartet, dann erwartbar – verlängern, und statt im Juni 2020 war es erst zwei Jahre später so weit, und MCR spielten in Bonn. 

Nun also alles geplant, genug Snacks und viel zu wenig Getränke für die Zugfahrt mitgenommen, entgegen jeder Hoffnung auf die Minute genau pünktlich von Dortmund nach Bonn gekommen und mich ungefähr 2 Stunden in der prallen Sonne in die Schlange gestellt. 

Die Vorband legte los, war mir nur ein wenig müden Applaus wert, doch ich wusste: gleich geht es los, das worauf ich seit über zwei Jahren warte. Und dann kam endlich der Moment, die Sonne verschwand und die Band betrat die Bühne, und..gut war es nicht. Vor allem war es leise. So leise, dass das teils euphorisch mitsingende, aber auch etwas genervte Publikum, den Sound der Band deutlich überdeckte. Die Pausen zwischen den Songs wurden gefüllt mit „louder, louder, louder, louder…“-Rufen, die es irgendwann auch schafften, jemand davon zu überzeugen, uns ein paar mehr Dezibel zu geben. Das drückte auch direkt die Stimmung nach oben, und zu Songs wie „Welcome to the Black Parade“ wurden ein paar wohlverdiente Tränen geweint. Ich hatte wohl Glück: Die Geduld mich über zwei Jahre auf etwas zu freuen habe ich kaum, das Geld für die Tickets hatte ich eh schon abgeschrieben, und die An- und Abreise gestaltete sich relativ entspannt. Ich war also nicht einmal sonderlich enttäuscht. Auf einer spontanen, kleinen Tanzveranstaltung in Dortmund konnte ich dann noch meinen Bedarf nach rhythmischer Bewegung zu lauter (!) Musik decken, und ich ging müde und geschafft, jedoch nicht gänzlich unglücklich ins Bett. Doch alle meine Freund:innen, die es aus verschiedenen Gründen nicht auf das Konzert schafften, konnte ich trösten: Verpasst habt ihr nichts. Manchmal ist der größte Feind der Nostalgie nämlich nun mal die Realität.                                                                                                                                       

      :Jan-Krischan Spohr