:bszkommentar Die Medienoffensive der Parteien – Friede, Freude, was ist das denn?
Werbung zur Bundestagswahl
Quelle: YouTube.de / Bildbearbeitung: ck
Was für Quarkköppe:  FDP und NPD nutzen für ihre Wahlwerbespots das selbe Videomaterial.  Quelle: YouTube.de / Bildbearbeitung: ck
Was für Quarkköppe: FDP und NPD nutzen für ihre Wahlwerbespots das selbe Videomaterial.

Immer wenn Wahlen vor der Tür stehen, holen die Parteien ihre Werbefachleute und BeraterInnen aus dem Keller. Schließlich möchte man sich medial präsentieren und auf WählerInnenfang gehen. Wie sinnstiftend Wahlwerbung tatsächlich ist, daran scheiden sich die Geister. Egal wie inhaltslos, nichtssagend oder blöd manche Plakate daherkommen – sie erfüllen zumindest einen Zweck. In Zeiten des chronischen Nichtwählens weisen sie die Bürgerinnen und Bürger darauf hin, dass mal wieder gewählt werden muss. Wie sie diesen Hinweis transportieren, entscheiden die Parteien und ihre BeraterInnen in der Regel selbst. Auch bei dieser Wahl gibt es wieder die ein oder andere Gurke, auf die wir an dieser Stelle hinweisen möchten.

Nicht mehr langhin und es ist Bundestagswahl: Bereits vor einigen Wochen haben die Parteien damit begonnen, die bundesdeutschen Kommunen mit den Konterfeis ihrer KandidatInnen, zahlreichen ‚klugen Sprüchen‘ und diversen Mischformen zuzupflastern. Plakate, Banner und Fernsehspots sollen die BürgerInnen motivieren, am 22. September ihre Kreuzchen zu machen. Bei ihren Kampagnen werden die Parteien für gewöhnlich von ‚sachkundigen Werbefachleuten‘ beraten. Für gewöhnlich…

Familie, Fahrräder, Idylle … Super gut!

Der aktuelle Wahlwerbespot der FDP zeigt Szenen aus dem wirklichen Leben. Menschen bei der Arbeit, junge Leute vor malerischer Architektur und den FDP-Bundesvorsitzenden Rainer Brüderle beim Butterbrotschmieren. Gegen Ende des Spots ist eine Familie zu sehen, die genüsslich vor sich hin radelt – über eine Allee und ganz vorbildlich mit Fahrradhelmen. Nach Ansicht der FDP herrscht in Deutschland Friede, Freude, Eierkuchen. Diesen Eindruck vermittelt zumindest der gezeigte Spot. Ganz anders sieht es bei der NPD aus: Mit depressiver musikalischer Untermalung vermittelt der Beitrag den Eindruck, man lebe im mittelerdischen Mordor und nicht in der Bundesrepublik Deutschland. Gewürzt wird das Ganze mit ein bisschen rechter Propaganda und den altbekannten Parolen aus dem braunen Sumpf. Ach ja! Eine Familie auf Fahrrädern darf natürlich auch nicht fehlen.
Was haben diese beiden Beiträge zur Bundestagswahl 2013 nun gemeinsam? Richtig! Familien, die gerne Fahrrad fahren und Zeit miteinander verbringen. Blöd nur, dass FDP und NPD dieselbe radelnde Familie in ihren Spot einbauen ließen. Nach Angaben der FDP wurde für den Werbebeitrag sogenanntes „stock footage“ eingekauft – frei zugängliches Videomaterial. Das erklärt auch, warum die gleiche fahrradaffine Familie für den Speisequark eines finnischen Lebensmittelherstellers herhalten musste. Ganz schön peinlich.

Mega-Merkel, Postkarten und noch einmal … die NPD

Im Wahlkampf ist alles erlaubt – zumindest wenn es um öffentliche Werbeflächen geht. Das hat sich auch die CDU gedacht, als sie den Hauptbahnhof in Berlin mit einem riesigen XXL-Banner der Kanzlerin volltapezierte. Zu sehen sind lediglich ihre zur Raute geformten Hände. Für Berlins SPD-Chef Jan Stöß ein No-Go. Er bezeichnete die Merkelschen Hände als „monströsen inhaltsleeren Personenkult“.
Für weiteres Aufsehen sorgte eine „ironische Werbeaktion“ der Jusos. Diese verteilten Postkarten, auf denen zu sehen ist, wie sich die Bundeskanzlerin und FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß nach dem Champions-League-Finale 2013 in London die Hände reichten. Über ihnen war der Spruch zu lesen „Glückwunsch Uli! Wir steuern das schon.“  Eine Anspielung auf die Steueraffäre des Bayernpräsidenten. Bei Fußballfans und Befragten sorgte die Aktion für geteilte Meinung. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt sprach sogar von „antibayerischem Wahlkampf“.
Ein Beispiel aus der Kategorie „Werbung, die Niemand braucht“ stellt die aktuelle Kampagne der NPD dar. Auf ihren Plakaten wirbt die rechtsradikale Partei mit Sprüchen wie „Geld für die Oma statt für Sinti und Roma“ oder „Maria statt Scharia“. In den hessischen Kommunen Hanau und Bad Hersfeld wurden einige dieser volksverhetzenden Plakate durch die zuständige Stadtverwaltung entfernt. Auch in Bochum wirbt die NPD mit den genannten Plakaten.

Wir! Wir! Wir!

Wir sind Deutschland! Wir haben das erreicht! Zusammen schaffen wir das! So oder so ähnlich steht es auf vielen Plakaten. Auch im Fernsehen und im Internet versuchen die Parteien mit der großen Charmeoffensive zu punkten. Wer sich jedoch auf Plakate und blumige Sprüche verlässt, der ist recht schnell verlassen.
Alle wichtigen Informationen zu den Parteien und zur Bundestagswahl 2013 findet Ihr im Netz, z.B. unter:
www.bpb.de/politik/wahlen/bundestagswahl-2013