Einen an der Waffel haben
Wer sich selbst eine Grube gräbt…
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Symbolbild

Kommentar. Die meisten Unternehmen präsentieren sich für Marketingzwecke auf Social Media-Plattformen. Doch manche Unternehmen geben sich dann doch eher fragwürdigen Posts und Likes hin. Darum geht´s hier. 

Laut Statista nutzen 73 Prozentder Unternehmen in Deutschland Social Media, um auf sich und ihre Produkte aufmerksam zu machen. Spitzenreiter ist dabei weltweit Facebook gefolgt von Instagram. Aber auch auf YouTube geht´s ab. Und die Plattformen sind perfekt dafür. Ein wenig Daten weitergeben hier – ein bisschen Targetmarketing dort und schon läuft der Hase und man klebt länger am Bildschirm und klickt wild auf den Kauf-Button. Ein herrliches Unterfangen für die Unternehmen. Jetzt gibt es aber auch hier einen Haken. 

Als Unternehmen muss man leider darauf achten, wie man sich präsentiert. Ach man, und es könnte so einfach sein. Da macht man einmal einen komischen Post und muss einen Shitstorm aushalten und darauf reagieren. So ging es zum Beispiel @Wonder_Waffel. Die haben einen Post in die Welt gesetzt mit dem Schriftzug: "GRATIS KAFFEE FÜR UNGEIMPFTE (Das Angebot gilt auch für Geimpfte und Genesene …)". Das kam jetzt aber eher weniger gut an. Surprise Surprise wie Billy Talent sagen würde. In ihrer Weisheit haben sie den Post gelöscht und eine Erklärung dazu abgegeben. Darin sind großartig liebevolle und ach so tolerante Sprache angebracht, dachte sich ein schlauer Mensch und zack wurde es in die Tat umgesetzt. „Jeder darf und muss sagen können, was er möchte in unserem wunderschönen Land“, „Verständnis und Liebe sollten mehr denn je im Vordergrund stehen!“ und „Keiner wird hier ausgegrenzt und die Hygienevorschriften werden beachtet und eingehalten“ sind ein paar meiner Lieblingssätze. Im Mittelteil wird erklärt, dass sie den Beitrag gelöscht hätten, weil sich dadurch Menschen streiten und untereinander diskutieren, und dafür seien sie die falsche Plattform. Schade auch, dass sie schlechte und „inhaltslose“ Bewertungen bekommen hätten, die sie sich so hart erarbeitet hätten. Doch inhaltslos sind sie nicht. Denn es wird hier zwar nicht der Service im Etablissement selbst bewertet, aber wenn ein Mensch etwas kommentiert, was die Betreiber:innen von sich geben, dann ist das gerade eine inhaltliche Bewertung. Auch bemerkenswert, dass das nicht anerkannt wird. 

Das ist lustigerweise kein Einzelfall. Man muss nicht mal etwas Dummes posten, man kann auch einmal in einem schwachen Moment auf den schwachen Like-Button geklickt haben und schon geht´s bergab. Selbst Größen wie PayPal leiden unter diesem Phänomen. In Sachsen liefen Menschen der Szene „Freie Sachsen“, eine rechtsextreme Vereinigung, ohne Richtlinien einzuhalten bei einer Inzidenz von über 1000 auf den Straßen umher. Niemand muss erklären, warum es hier keine geile Aktion ist, den Like-Button zu klicken. Aber ich mache es trotzdem gerne. Klar. Man muss ja als Privatperson nicht alles wirklich mögen, was man liket. Manchmal will man sich quatsch-Sachen merken. Doch als Unternehmen einem rechtsextremen Verein und dem Missachten von Corona-Maßnahmen ein Like dazulassen, sendet eine ganz verquerte Botschaft, aus der man sich einfach schlecht rausreden kann. Deswegen lieber zwei Mal nachdenken und meinetwegen mehrere Personen nachdenken lassen, bevor man einen Like abgibt. 

Das sind nur zwei Beispiele. Wer sich mit dem Thema auseinandersetzen möchte, findet sogar Abhandlungen und Fachtexte dazu. Das hindert wohlbemerkt und offenkundig niemanden daran, trotzdem fragwürdige Aussagen und Likes zu produzieren. Wenn niemand eine funktionierende Kontrollinstanz einsetzt, wird das auch weiterhin so laufen. 

:Lukas Simon Quentin