Der Zwist mit Kunst und Geld
Wenn Picasso auf Produktplatzierungen trifft
Bild:kiki
Kunst: Man muss es entweder Liken oder Disliken.

Wieso wird ein Selfie von Kylie Jenner nicht als ein gleichwertiges Kunstwerk angesehen wie ein Selbstportrait von Picasso? Wieso werden Influencer:innen für ihre Strandfotos verteufelt, wenn es Fotograf:innen gibt, die mit ähnlichen Bildern ihren Erfolg feiern?

Mit der Gründung von Instagram im Jahr 2010 wurden nicht nur die sozialen Medien ein Teil unseres täglichen Lebens, auch Influencer:innen sind aus unserem Weltbild nicht mehr wegzudenken. Was früher die Beatles und Elvis Presley waren, sind heute Kylie Jenner und  Kim Kardashian. Dass sie durch die Gründung eigener Marken wie „Kylie Cosmetics“ und Produktplatzierungen Millionen verdienen, ist schon längst kein Geheimnis mehr. Das inspiriert gerade jüngere Generationen, in die Fußstapfen der Influencer:innen zu treten und sich auf Instagram und Co. zu verwirklichen und selbst darzustellen.
Einige Menschen – gerade die, die etwas weniger mit dem Internet anfangen können – verteufeln Influencer:innen als „talentfrei“ oder „faul“ und sind der Meinung, dass ihr influencer:innen-Dasein auf Instagram nicht als „richtige“ Arbeit gilt. Sie sind der Ansicht, dass Influencer:innen nur daran interessiert sind, sich selbst darzustellen und dadurch reich zu werden. Diese sind natürlich anderer Meinung und beschreiben sich als „content creator“. Sie selbst sehen sich mehr als Künstler:innen – doch entsprechen sie auch dem Begriff?
Der Duden definiert Kunst als „schöpferisches Gestalten aus den verschiedensten Materialien oder Mitteln der Sprache […]“. Diese Definition könnte Instagrambilder und Merchandise als Kunst klassifizieren. Denn Kunst ist allgegenwärtig, auch auf Instagram. Viele Fotograf:innen, Dichter:innen und Grafikdesigner:innen benutzen die App bewusst als Plattform, da sie dadurch eine Chance auf eine größere Reichweite haben.
Jedoch ist nicht jede:r der Meinung, dass ein Urlaubsfoto mit dem Bild eines:einer professionellen Fotograf:in gleichzusetzen ist – selbst, wenn es sich bei dem Foto um die gleiche Aussicht handelt. Was für viele Menschen Kunst ausmacht, ist die Intention dahinter, Kreativität auszuleben, eine Vision zu verwirklichen, etwas bewegen und Leute inspirieren zu wollen. Influencer:innen haben durch ihren Erfolg meist die richtigen Kontakte und die finanzielle Sicherheit, um sich kreativ auszuleben, auch, wenn einige der Meinung sind, dass sie es nur des Erfolgs und nicht der Kunst willen tun.
Influencer:innen sind vieles: Darsteller:innen, Unternehmer:innen, ein Einfluss vor allem auf jüngere Generationen. Ob sie auch als Künstler:innen gelten, bleibt offen. Fest steht, dass das, was Influencer:innen produzieren, von vielen nicht als Kunst angesehen wird. Oder zumindest nicht als Kunst, die gleichwertig mit der Kunst von konventionellen Künstler:innen scheint.

:Augustina Berger