Das Erinnern lernen
Wenn jede:r sich erinnert, ist an alle gedacht
Bild: Archiv :bsz
In der Nähe der Oskar-Hoffmann-Straße: zwei der 260 Stolpersteine Bochums. Bild: Archiv :bsz
In der Nähe der Oskar-Hoffmann-Straße: zwei der 260 Stolpersteine Bochums.

Studiprojekt. Erinnerungskultur in Bochum – zusammengeführt vom Projekt „Lernen durch Erinnern“.

Lokale Geschichte ist mehr als nur Industriekultur und vergangene erste Bundesliga Erfolge. Lokale Geschichte beinhaltet oft Themen, die man am liebsten verdrängen würde. Dass die NS-Vergangenheit auch in Bochum stattgefunden hat, müsste eigentlich jede:r wissen, aber sich dessen auch bewusst zu sein ist eine ganz andere Geschichte. Um dieses Bewusstsein aufzubauen haben sechs Studierende der Ruhr-Uni das Projekt „Lernern durch Erinnern“ gegründet. Ihr Ziel ist es, all das Wissen über die NS-Vergangenheit in Bochum zusammenzutragen und für alle zugängig zu machen, gerade für Studierende und Schüler:innen.
Die Idee zum Projekt entstand aus einem Seminar über die Erinnerungskultur im Ruhrgebiet, an dem zwei der Studierenden teilgenommen haben. Dabei sei ihnen aufgefallen, dass es durchaus Erinnerungskultur in Bochum gibt, diese aber fast gar nicht sichtbar sei. Zwei Jahre lang hat die Ausarbeitung durch die Studierenden Sebastian Döpp, Luise Mohr, Janina Schäuffele, Jano Meyer, Chris Buchholz und Thorben Pieper gedauert. 2019 erhielt das Projekt Förderung von inSTUDIES, allerdings ist diese Förderung Ende März dieses Jahres abgelaufen.

Nichtsdestotrotz hat die Arbeit der Studierenden Früchte getragen. Der Hauptbestandteil des Projekts ist eine interaktive Karte, auf der nicht nur eine Auflistung von allen 260 Stolpersteinen in Bochum zu finden ist, sondern auch Informationen zu den Erinnerungsträgern bedeutsamer Orte in Bochum. Besuchen kann man diese Orte ironischerweise wegen der Corona-Pandemie nur digital: „Ursprünglich war geplant, die Führungen persönlich anzubieten und an eine Vortragsreihe anzuknüpfen. Das mussten wir wegen Corona allerdings absagen“, so Sebastian Döpp.  Zwischen einer halben und zwei Stunden sind die Führungen lang, abrufbar sind sie als PDF und als GPS-basierte App, sodass man die Strecken im eigenen Tempo und ganz im Sinne von social distancing erkunden kann.

Die lokale Geschichte Bochums in die städtischen Klassenzimmer zu tragen ist ein weiteres Ziel des Projekts: „Neben unserer interaktiven Karte nimmt besonders die Thematik der Didaktik einen hohen Stellwert für unser Projekt ein. Mit unserer Quellen- und Materialsammlung, die auf unserer Homepage zur Verfügung steht, sprechen wir gezielt Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler sowie Dozierende an“, so das Team. Auch hat das Team bereits positives Feedback einer Klasse am Neuen Gymnasium bekommen, die eine der Führungen gemacht hat. Des Weiteren sind zusätzliche Kooperationen in der Planung, wie zum Beispiel mit einem Projektkurs aus Witten, der ein ähnliches Projekt an einer Schule umsetzen möchte, wobei „Lernen durch Erinnern“ bei der Umsetzung dank ihrer Erfahrung helfen kann. Zusätzlich überlegen die Studierenden Veranstaltungen bei „700 Jahre Bochum“ und „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ anzubieten – sofern das die Pandemie zulässt.
Ein Ort, der das Projekt thematisiert, ist der Bochumer Nordbahnhof, der in der NS-Zeit als Hauptbahnhof für Deportationen in Vernichtungslager fungierte. Hier wurden Jüdinnen und Juden nach Dortmund gebracht, um dann weiter nach Theresienstadt, Auschwitz und Riga transportiert zu werden.  Auch das ehemalige „Judenhaus“ an der Goethestraße 9 ist ein Ort, an den das Projekt erinnern möchte. Mehr über das Projekt und die Links zu den Führungen findet Ihr hier: tinyurl.com/lernendurcherinnern.

:Augustina Berger