Three for Three spielen als Trio contemporary Jazz mit verschiedenen Einflüssen und komplexen Improvisationen
Wenn Instrumente kämpfen
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Voll konzentriert: Wegen der zahlreichen improvisierten Parts, müssen alle Musiker ständig aufmerksam sein. Foto: asch
Voll konzentriert: Wegen der zahlreichen improvisierten Parts, müssen alle Musiker ständig aufmerksam sein.

Zeitgenössische Musik. Am 26. Mai spielte das internationale Trio Three for Three in der Goldkante ihren modernen zeitgenössischen Jazz mit Einflüssen aus Deutschland, Chile und Spanien.

Wer das Wort Jazz hört, denkt automatisch an Saxofone in kleinen verrauchten Salons in amerikanischen Großstädten, wo Männer und Frauen mit Hüten Zigarre rauchen. In der Goldkante konnte man zwar nicht rauchen, aber dafür 

stilecht auf Cocktailsesseln aus den 60ern sitzen und den komplexen Klängen des Trios Three for Three lauschen. Dabei ist die Band Three for Three alles andere als klassisch. Das internationale Trio besteht aus dem Schlagzeuger Jaime Moraga Vasquez aus Chile, dem Gitarristen Alfredo Moran Lada aus Spanien und dem Bassisten Patric Siewert aus Deutschland. Keine BläserInnen, keinen PianistInnen.  

Jazz in Ekstase

Patric Siewert, E-Bassist der Band, würde die Musik als Contemporary Jazz oder zeitgenössischen Jazz beschreiben. Es soll bewusst nicht an Klassiker wie Take Five oder ähnliches erinnern, sagt Siewert: „Das gab‘s ja alles schon. Wir wollen irgendwie eine eigene Sache erfinden. Jeder bringt seine Einflüsse mit.“ Am Ende entstehe dann die Musik, die beeinflusst ist von anderen Stilrichtungen, von den Umständen und der momentanen Stimmung. Jedes Stück erzähle eine Geschichte. „Man verarbeitet sowas ja alles in seiner Musik und unsere Worte sind dann die Klangfarben“, so Siewert.  Auch die Einflüsse der jeweiligen Herkunftsländer sind bestimmend. So gab es beispielsweise verschiedene exotischere Sounds wie rhythmisches Muschelgeklapper.  

Während des zweiteiligen Konzerts wechselten sich sperrige, wild improvisierte Parts, die roh und intensiv wirken, mit groovend harmonischen Parts ab. Ein Song im Repertoire des Trios wurde von der Stadt Essen inspiriert. Gerade hier wirken die improvisierten Parts verworren und chaotisch wie eine Momentaufnahme des Großstadtlebens. 

In anderen Songs fühlt man sich selbst wie Allan Ginsberg oder Jack Kerouac, während man Improvisationen auf komplexen Harmonie-Schemata verfolgt, bei denen sich Bassläufe 

zu treibenden Schlagzeug Pattern bis zur Ekstase steigern. Immer wieder verschiebt der Drummer Akzente oder Rhythmik, die dann vom Gitarristen und Bassisten aufgegriffen werden müssen. Alles ist so schnell und komplex, dass man am Ende fast selbst außer Atem ist. 

Niemals gleich

„Das Schöne ist, dass man es auch immer wieder neu entwickeln kann. Das Stück kann morgen ganz anders sein“, sagt Siewert. Es gäbe zwar eine festgelegte Form, aber was währenddessen passiere, könne jeden Tag anders sein. Siewert lacht und verabschiedet sich von einem Bekannten: „Da muss man halt schon aufpassen. Da passiert unheimlich viel. Schwierige Akkorde, auf denen man dann improvisieren muss, tricky Rhythmik. Manchmal läuft es gut und manchmal ist es halt schwierig, sich auszudrücken.“ Wir seien alle nur Menschen, schiebt er hinterher. 

Ihre Musik ist keine Rockmusik, wo man auswendig lernt, was gespielt wird und es dann runterrattert. Trotzdem wollen Three for Three diese Woche noch ein repräsentatives Album aufnehmen.  Da kann man dann immer wieder dasselbe hören. Live klingt das dann natürlich wieder ganz anders.

:Andreas Schneider