Studie: DSW ermittelt gesteigerte Nachfrage nach psychologischer Beratung
Wenn der Druck steigt
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Offene Ohren: Sebastian Flack kritisiert das gegenwärtige Studiensystem..  Foto: lor
Offene Ohren: Sebastian Flack kritisiert das gegenwärtige Studiensystem..

Beratung. 2015 haben sich laut dem Deutschen Studentenwerk (DSW) 32.000 Studis bundesweit an psychologische Beratungsstellen der Universitäten gewandt. Grund ist unter anderem der erhöhte Arbeitsdruck und Erwartungshaltungen im Studium. 

Immer mehr Workload, ständig das Ziel Regelstudienzeit vor Augen. Verschnaufpausen sind nicht eingeplant: Das sind nur einige Gründe für die steigende Zahl Studierender, die psychologische Beratung in Anspruch nehmen. 2015 haben laut Studie des DSW 32.000 Studierende deutschlandweit psychologische Beratungsstellen an 58 Studierendenwerken aufgesucht. Gegenüber 2010 (26.000) entspricht dies einer Steigerung von beinahe 25 Prozent in fünf Jahren. Die Gründe dafür sind vielfältig. Laut DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde sei dies eine logische Entwicklung mit der steigenden Zahl Studierender in Deutschland. Weiterhin seien „enge Zeit- und Prüfungsstrukturen“ ein Problem. 

Veränderte Qualität

Letzteres bestätigt Diplom-Psychologin Ranja Kaiser, Mitglied der Psychologischen Beratung an der RUB. Studium, hoher Prüfungsdruck, zu hohe Erwartungen an sich selbst: Dies sind einige der vielen Gründe, die Studierende dazu veranlassen, sich an das siebenköpfige Team zu wenden. Jedes Jahr registrieren sie 600 Erstanmeldungen. Darin sind allerdings nicht diejenigen eingerechnet, die schon bereits früher bei ihnen Hilfe gesucht oder vom Career Service der Hochschule an die Beratung verwiesen wurden. Die Zahl bleibe seit einigen Jahren unveränderlich. Auffallend sei jedoch, dass „eine qualitative Veränderung feststellbar ist“, die Probleme seien intensiver geworden.

Je näher das Semesterende und somit die Prüfungsphase rückt, desto höher „der empfundene Stresspegel.“ Auch das Ende eines Studienabschnitts birgt ein enormes Stresspotential für die Studierenden. Wo soll es hingehen? Einige Master-Studiengänge haben einen NC, Plätze sind begrenzt. Ein weiteres Problem ist der Leistungs- und Zeitdruck: „Studierende haben oft keine Zeit mehr, nach links und rechts zu schauen oder Raum zu haben für eine Persönlichkeitsentwicklung jenseits des Faches.“ Externer Druck durch das soziale Umfeld erschwere die Lage, sich seiner Situation bewusst zu werden und sie zu verändern.

Früh Hilfe suchen

„Viele kommen kurz vor dem Exitus“, erklärt Sebastian Flack, der seit fünf Jahren für die Lebensberatung des AStA zuständig ist. Studierende wenden sich oft erst spät an ihn. Er unterscheidet mehrere Typen: Von dem, der nur allgemein Informationen benötigt über den, der konkreten Redebedarf hat bis hin zu dem, der eine strukturelle Betreuung dringend braucht. In den fünf Jahren sei der steigende Druck auf die Studis aufgefallen, der sich wiederum auf andere Lebensbereiche auswirke. Was sowohl Flack als auch Kaiser dringend empfehlen: Neben einer ständigen Selbstreflexion – Bin ich hier noch richtig? Was sind meine Ziele? – muss man sich selbst die Möglichkeit geben, Fehler zu machen. Weg vom Anspruchsdenken an sich selbst. Wichtig: Frühzeitig Hilfe suchen.

Für die Psychologische Beratung kann ein Termin im SSC vereinbart werden. Die Wartezeit variiert zwischen drei bis fünf Wochen. Bei Fragen kann sich an Ranja.Kaiser@rub.de gewandt werden. Die Sprechstunden der AStA-Lebensberatung können folgender Website entnommen werden: https://asta-bochum.de/beratung/lebensberatung/.                                                  

         :Andrea Lorenz