Kommentar: Nachhaltig konsumieren, ohne die Systemfrage zu stellen
Weniger ist vielleicht doch mehr!
Foto: tims
„Perfekte Kulisse für eine ökologische Messe. Über 100 AusstellerInnen präsentierten ihren ganz eigenen Beiträge zum nachhaltigen Wirtschaften in der Jahrhunderthalle“. Foto: tims
„Perfekte Kulisse für eine ökologische Messe. Über 100 AusstellerInnen präsentierten ihren ganz eigenen Beiträge zum nachhaltigen Wirtschaften in der Jahrhunderthalle“.

Der „Heldenmarkt“ gastierte am Wochenende in der Jahrhunderthalle – mehr dazu hier – und sollte nicht nur umweltbewusste BesucherInnen anlocken, die sich für Veggie-Burger und Bioweine begeistern können. Vielmehr appelliert er an die Gesellschaft, ihre Gewohnheiten zu überdenken und ihren Lebensstil zu ändern. Sein Credo: Konsum ja, aber nicht um jeden Preis.

Nein, Primark hatte sich nicht für den Heldenmarkt am Wochenende in der Bochumer Jahrhunderthalle angekündigt. Das brauchte der britische Bekleidungsriese auch nicht, denn so erfolgreich er aktuell auch ist, so umstritten ist sein ganzes Geschäftsmodell. Und doch spiegelt es in vielen Bereichen die allgemeinen Gewohnheiten der Deutschen wider. Der Konsum – eines der wichtigsten Räder des Wirtschaftswachstums einer Volkswirtschaft – hat im Jahr 2015 seinen wiederholten Höhepunkt erreicht. Glaubt man Frau Merkel und dem Statistischen Bundesamt, geht es Deutschland so gut wie noch nie – und das zeigt sich auch im Konsumverhalten der BürgerInnen. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) präsentierte im Februar einen nochmals gestiegenen Konsumklimaindex. Alles super also? Nicht so ganz. Das Ergebnis war darauf zurückzuführen, dass die Energiepreise sanken und die BürgerInnen dadurch mehr finanziellen Spielraum hatten. Doch müssen wir eigentlich hemmungslos konsumieren und die Zukunft unserer Welt aufs Spiel setzen?

Konsum gehört zum System

Ein System, was darauf ausgerichtet ist, die Bedürfnisse seiner BürgerInnen durch die Vielfalt an Produkten und materiellen Konsumgütern stillen zu wollen, muss das nicht um jeden Preis. Das hat auch der „Heldenmarkt“ gezeigt. Er stellt weder die Systemfrage, noch will er den Kapitalismus reformieren, weil er weiß, dass das nur schwer möglich ist, und selbst Euro- und Staatenkrisen ihn nicht infrage stellen können. Er will ihn aber umerziehen. KonsummentInnen sollen eben nicht zu Primark gehen und sich Jeans für drei Euro kaufen, die schadstoffverseucht von hart arbeitenden Menschen unter unwürdigen Arbeitsbedingungen produziert wurden. Sie sollen bewusster konsumieren und abwägen. Eine stille Revolution der kleinen Schritte.

:Tim Schwermer