Greenpeace fordert von Outdoormarken, auf giftige Stoffe zu verzichten
Wasserdicht, aber krebserregend in die Berge
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Unberührte Natur? Viele Firmen, die mit uriger Wildnis werben, nehmen in Kauf, dass diese vergiftet wird. Illustration: mar
Unberührte Natur? Viele Firmen, die mit uriger Wildnis werben, nehmen in Kauf, dass diese vergiftet wird.

Gefährliche Stoffe in Outdoorbekleidung und -ausrüstung und sogar in den entlegensten Winkeln der Erde: Die Umweltorganisation Greenpeace hat in ihrem dritten Bericht zu gesundheitsschädlichen per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) nachgewiesen, dass die Outdoorbranche Mensch und Natur schadet, wenn sie diese Stoffe verwendet. Firmen wie Jack Wolfskin oder The North Face wollen ihre Kollektion bis 2020 PFC-frei machen. Das müsse schneller gehen, fordert Greenpeace in der Unterschriftenkampagne Detox. Insbesondere die Marken The North Face und Mammut stehen in der Kritik.

„PFC sind kaum abbaubar und verbleiben daher für einen sehr langen Zeitraum in der Umwelt. Sie reichern sich in der Umwelt und in Organismen an und wirken zudem gesundheitsschädlich auf den Menschen“, klärt das Umweltbundesamt auf. Die extrem langlebigen Moleküle seien toxisch und förderten die Entstehung von Leber- und anderen Tumoren.

Mit PFC behandelte Kleidung zu tragen ist unbedenklich; die Chemikalien gelangen allerdings bei der Produktion, Imprägnierung und Entsorgung in den Wasserkreislauf und in die Luft und somit in den Körper.

Wenn Naturfreunde zu Naturfeinden werden

Die Chemikalien, die zum Beispiel eingesetzt werden, um Textilien wasserdicht und schmutzabweisend zu machen, können weder durch bakterielle oder abiotische Prozesse (Wasser, Luft oder Licht) abgebaut werden. So können diese giftigen Stoffe über verschiedenste Wege in die Umwelt gelangen. Greenpeace hat in einer aufwändigen Aktion 2015 Schnee- und Wasserproben von so entlegenen Orten wie den chinesischen Haba-Schneebergen oder Patagonien entnommen. Ergebnis: An allen zehn Orten auf drei Kontinenten wurden PFC im Wasser nachgewiesen.

Daher fordert die Umweltorganisation insbesondere von den Herstellern von Outdoorkleidung, auf PFC zu verzichten. Gerade Marken wie Jack Wolfskin werben mit Abenteuern in unberührter Natur – doch wie die Untersuchungen zeigen, ist sie eben gar nicht so unberührt.

Tatsächlich gibt es ungiftige Alternativen, mit denen Wanderjacken und Schuhe wasserdicht gemacht werden können. „Outdoor-Unternehmen wie Fjällräven, Paramo, Pyua, Rotauf und R’adys zeigen hingegen längst, dass Funktionskleidung auch für hohe Ansprüche frei von giftiger Chemie sein kann: Sie arbeiten mit fluorfreien recycelten Membranen aus Polyester und fluorfreien Imprägnierungen“, heißt es im Greenpeace-Bericht.

Geht doch auch ohne Gift – oder nicht?

Bei anderen Firmen, vor allem den Marktführern, sieht die Situation ganz unterschiedlich aus. Jack Wolfskin gibt an, dass bereits die Sommerkollektion 2015 zu 75 Prozent PFC-frei ist; bis 2020 will die Firma „alle PFC aus unseren Produkten eliminieren“. The North Face will ebenfalls in vier Jahren PFC-frei produzieren, steht derzeit nach eigenen Angaben allerdings erst bei 30 Prozent. Mammut hingegen hat sich „verpflichtet bis 2015 ganz von den kritischen langkettigen perfluorierten Chemikalien (C8) wegzukommen“. Die nicht ganz so kritischen kurzkettigen Moleküle kommen weiter zum Einsatz, da die Schweizer Firma bislang keine adäquate Alternative sieht.

:Marek Firlej

 Infos zu Kampagne und Petition: detox-outdoor.org

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