Studentische FlüchtlingshelferInnen aus ganz Deutschland tauschen sich im Blue Square über ihre Arbeit aus
Was tun, wenn die Abschiebung droht?
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Freut sich über viele engagierte Studis: Konrad Dabrowski, einer der InitiatorInnen der studentischen Flüchtlingshilfe, nutzte die Konferenz für bessere Vernetzung . Foto: bk
Freut sich über viele engagierte Studis: Konrad Dabrowski, einer der InitiatorInnen der studentischen Flüchtlingshilfe, nutzte die Konferenz für bessere Vernetzung .

Sie helfen bei Behördengängen, geben Kindern Musikunterricht oder versuchen, Asylsuchenden einen Zugang zum Studium zu ermöglichen: An zahlreichen Unis engagieren sich Studierende in Projekten, die Geflüchteten zugute kommen sollen. Auf Einladung der UNICUM-Stiftung trafen sich 50 studentische FlüchtlingshelferInnen aus ganz Deutschland am vergangenen Freitag im Blue Square, um sich untereinander zu vernetzen und von ExpertInnen zu erfahren, wie das eigene Projekt noch professioneller gestaltet werden konnte.

„Das Schlimme am Engagement für Flüchtlinge ist, dass man viele der Menschen, um die man sich kümmert, irgendwann gehen lassen muss“ – mit diesen Worten brachte Gudrun Galster, Anwältin für Asylrecht, die Situation für in Deutschland angekommene Geflüchtete auf den Punkt: Eine Aussicht auf das erhoffte sichere Leben in einem neuen Land besteht oftmals nicht. „Stattdessen werden Familien nachts um vier aus dem Bett geklingelt und abgeschoben. Das ist bundesdeutsche Realität“, bekräftigt die Anwältin, die in ihrem Vortrag rechtliche Strategien zur Verhinderung einer Abschiebung erläuterte. „Da zählt dann oft, ob jemand wirtschaftlich irgendetwas geleistet hat, ob er sich zum Beispiel in einer Ausbildung befindet oder einer Arbeit nachgeht.“

Zählt nur die Arbeitskraft?

Ein Zuhörer, der sich bei einem studentischen Hilfsprojekt in München engagiert, bestätigte dies: „Mir sagen Geflüchtete ganz oft, dass sie lieber schneller arbeiten als einen Sprachkurs belegen wollen. Denn alleine das Lernen der Sprache reicht meistens nicht aus, um akzeptiert zu werden.“ Dieses System sei unfair, lautete der Konsens der AktivistInnen. Galster gab sich auf die Frage hin, ob es bald bessere Einreisemöglichkeiten für Schutzsuchende geben würde, jedoch pessimistisch. „Ich glaube, da wird sich so schnell nichts ändern.“

„Die Hilfsbereitschaft ist riesig“

Dennoch war bei allen HelferInnen an diesem Tag der Enthusiasmus für die eigenen Projekte zu spüren – diesen Eindruck bestätigt auch Konrad Dabrowski, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Juristischen Fakultät der RUB tätig ist und zusammen mit Kollegin Sarah Mätzig die studentische Flüchtlingshilfe gegründet hat. „Die Bereitschaft der Studierenden, bei diesem Projekt mitzumachen, ist riesig“, erklärt er. Schon bei der ersten Infoveranstaltung im vergangenen Semester seien er und seine Kollegin von dem Andrang überwältigt gewesen. „Wir wären schon froh gewesen, wenn fünfzehn Leute gekommen wären. Stattdessen haben wir an diesem Abend ungefähr 90 Interessierte gezählt“, erinnert Dabrowski sich. Heute bietet die studentische Flüchtlingshilfe der RUB unter anderem Sprechstunden in den Geflüchtetenheimen in der Wohlfahrtsstraße und am Harpener Hellweg an. Darüber hinaus organisiert sie Freizeitangebote oder  hilft bei Behördengängen. Mitmachen, so Dabrowski, könne jedeR, auch ohne etwa über Fremdsprachenkenntnisse zu verfügen: „Zur Not kann man sich auch mit Händen und Füßen verständigen und trotzdem jemandem helfen.“

:Birthe Kolb 

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