Kultur und alles Drum und Dran!
Was macht eigentlich das Referat für Kultur und Internationalismus?
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Im Gespräch: Yara Mattes, Referentin des Referats.

Interview. Immer wieder Referate an der Uni? Aber das hier könnte Euch gefallen! Wer dafür sorgt, dass trotz Corona noch etwas Uni-Leben stattfindet? Unter anderem das Kulturreferat der RUB! Wir haben mit Referentin Yara gesprochen. 

:bsz: Hey, Yara! Aus wem besteht eigentlich das Referat für Kultur und Internationalismus und was macht ihr eigentlich?

Yara Mattes: Wir sind relativ viele, da Sport und E-Sports wieder offiziell in Kultur zurück gegliedert wurden. Wir nennen uns jetzt intern KESI. Kultur, E-Sports, Sport und International. Wir sind eigentlich für alle internationalen, kulturellen Veranstaltungen der Studierendenschaft auf dem Campus verantwortlich, inklusive dem Sommerfest, Iftar – Das sind unsere größten Veranstaltungen – die ja leider dieses Jahr ausgefallen sind. Letztes Jahr haben wir ja beispielsweise angefangen eine Fandom-Quizreihe zu machen. Das war (quasi) mein kleines Baby. Dann noch Poetry-Slams; früher waren auch Comedy-Slams dabei, die dann leider so nicht mehr stattfinden konnten, weil die Leute zu teuer geworden sind. Die sind dann irgendwann berühmt geworden! Die Leute von RebellComedy waren damals da und dann sind sie bekannt geworden. Und dann wurd‘s teuer. Und die Zeit fehlte dann auch.
Das E-Sports macht seine Veranstaltungen. Wir versuchen den Campus attraktiver zu machen. Das ist natürlich in Corona-Zeiten schwierig.

Wie viel Handlungsspielraum habt ihr denn? Konntet ihr über das Corona-Semester überhaupt Veranstaltungen anbieten?

Naja, es geht. Ich hab‘ das Gefühl wir hatten die Chance auch mehr; also zum Beispiel ich und Anne, aus unserem Referat, haben einen Häkelkurs angeboten an der Uni. Das war ein offenes Treffen und da waren vielleicht drei, vier Leute. Das war nichts Großes, wir waren sogar draußen und haben uns gedacht: „Okay, es ist Sommer, wir stellen einfach ein paar Bänke vor das KulturCafé.“ Wir waren wirklich nicht viele Leute; wir konnten Abstand einhalten und alles und trotzdem kam dann die Nachricht von der UV (Univerwaltung): „Nee, ist jetzt doch zu gefährlich.“ Wir haben erst gefragt, ob wir dürfen, dann wurde uns gesagt: „Okay, unter Einhalt der Regelungen kein Problem. Ist durchführbar.“ Und dann: „Okay, dürft ihr jetzt doch nicht mehr; ist doch zu gefährlich“.
Ist dann natürlich ätzend, wenn man sieht, was die Uni macht. Ich glaube deren Tanzkurse finden wieder statt, aber wir dürfen unsere Häkeltreffen nicht mehr machen.
Wir haben uns ein paar Onlineformate angeguckt, beispielsweise vom Boskop, aber bei uns geht es viel um die persönliche Komponente; dass man vor Ort ist, dass man Leute kennenlernt, dass man Studis zum Campus holt.
Jetzt haben wir uns aber ein Internationales Projekt überlegt, das wir digital machen können.

Wie sieht dieses Internationale Projekt aus?

Da haben wir schon viele Rückmeldungen. Da geht es um Rassismus am Campus. Studierende können anonym – oder auch per Mail – berichten, was ihnen widerfahren ist; sei es mit Dozent:innen oder Kommiliton:innen; Alltagsrassismus einfach. Und wir haben ein paar Einsendungen und wollen daraus ein Videoformat machen, um zum Nachdenken anzuregen. Man denkt ja immer so: „Ach, Campus; weltoffen; hier passiert sowas ja nicht.“
Wir wollen mit Berichten aus dem Umfeld beginnen, damit das Projekt anlaufen kann. Wir werden die Berichte dann beispielsweise vorlesen, aber immer ohne Namen und/oder Studiengang der Betroffenen.

Hat Euer Projekt auch etwas mit der neuen Regelung zu religiösen Feiertagen – und den verbundenen Befürchtungen der nachteiligen Behandlungen bei Nachschreibeterminen – zu tun?

Nee. Die Idee gibt es schon länger, aber das kam jetzt noch dazu. Wir finden die Regelung gut und ganz toll; haben im Senat auch dafür gestimmt. Aber einige bei der internationalen Liste haben die Befürchtung, dass beispielweise, wenn der Dozent nicht weiß, dass man Moslem ist (und es dadurch erfährt) sie vielleicht dadurch schlechter behandelt werden. Dass vielleicht dadurch ganz viele das sogar nicht in Anspruch nehmen würden, weil sie die Befürchtung haben, danach anders behandelt zu werden.
Deswegen wollen wir über den AStA den Antrag machen, dass man das über uns als Stelle weiterleitet: „Da ist ein Feiertag lieber Dozent, könnten Sie bitte versuchen Ihre Klausur doch noch um einen Tag zu verschieben?“ So ähnlich. Wir wollen versuchen die Anonymitätsgrenze zu wahren. Aber das ist noch nicht ganz durchgesprochen, das ist erst mal nur ein Vorschlag von ein paar Leuten von uns. Wie gesagt, wir finden es echt super, dass das jetzt möglich ist, aber wir haben ein wenig Angst, dass das jetzt die Tür für Diskriminierung einen Spalt aufmacht. Wenn man aber sagt [dieser Feiertag] ist mir wichtig – man möchte aber nicht sagen, welcher Religion man zugehörig ist – dann muss man für die Student:innen als AStA auch versuchen einzustehen. Zumindest muss man Lösungsmodelle anbieten und das für jede:n einfach und niedrigschwellig wie möglich machen. Ich finde bei Religionsfreiheit müssten Hürden nicht groß sein.

Ihr habt ja jetzt auch den Gender-Doppelpunkt eingeführt, um größere Inklusion zu gewährleisten!

Ja! Das war auch ein bisschen ein harter Kampf. Die Sache ist, das ist halt noch super unbekannt und es ist unglaublich schwierig, dafür Quellen zu finden. Die Quellen, die ich dazu immer gefunden hatte, waren Journalist:innen auf Twitter. Klar, im Endeffekt kann man sich ein Sprachausgabe-Programm runterladen und das einfach selber hören. Und das haben die anderen Referent:innen dann auch gemacht; für gut befunden; und durchgestimmt. Klar, die Umgewöhnung ist schwierig. Aber es hat halt kein Grund dagegengesprochen und hat sogar den Vorteil inklusiver zu sein.

Das Gespräch führte :Christian Feras Kaddoura