24-stündige Warnstreiks könnten folgen
Warnstreiks in der Metallindustrie
Bild: IG Metall NRW
Sieht der nächsten Runde entgegen: Knut Giesler, der IG Metall Bezirksleiter für NRW. Bild: IG Metall NRW
Sieht der nächsten Runde entgegen: Knut Giesler, der IG Metall Bezirksleiter für NRW.

Arbeitskampf. Um die deutsche Metallindustrie wird es nicht ruhig. Nach den Verhandlungen um die Thyssen-Tata-Fusion (:bsz 1140) steht am 18. Januar die nächste Tarifverhandlungsrunde an. Bis dahin drohen Warnstreiks.

3,9 Millionen Beschäftigte der Elektro- und Metallindustrie, darunter 700.000 allein aus Nordrhein-Westfalen, hoffen in der aktuellen Tarifrunde auf sechs Prozent mehr Lohn und einen Anspruch auf zeitweise Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden für bis zu zwei Jahre mit der Sicherheit, danach wieder in Vollzeit wechseln zu können. SchichtarbeiterInnen oder Angestellte mit ähnlich belastenden Arbeitsbedingungen sollen ebenso Zuschüsse erhalten wie ArbeiterInnen, die Kinder betreuen oder Angehörige pflegen müssen. Auszubildenden und dual Studierenden sollen künftig vor Prüfungen ein arbeitsfreier Tag zur Verfügung stehen.

Das Gegenangebot der ArbeitgeberInnen: ernüchternd. Neben einer Einmalzahlung von 200 Euro ist zwei Prozent mehr Lohn für die Gewerkschaft IG Metall nicht akzeptabel: „Das Angebot trägt in keiner Weise der sehr guten wirtschaftlichen Situation der Branche Rechnung“, so Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW.

Ganz andere Töne schlägt METALL NRW, der ArbeitgeberInnenverband der Metall- und Elektroindustrie in Nordrhein-Westfalen an. Deren Hauptgeschäftsführer Luitwin Mallmann warnt die IG Metall, die Verhandlungsrunde mit Warnstreiks aufzuheizen. Streiks gefährdeten die anerkannte Lieferverlässlichkeit der deutschen Metallindustrie. Einen Lohnausgleich für die oben genannten Gruppen nennt Mallmann gar „wirklichkeitsfremd und diskriminierend“, sie stellten eine Ungleichbehandlung dar, die sogar die Warnstreiks unrechtmäßig machen könnten. „Ich erwarte, dass sich die Gewerkschaft am Verhandlungstisch und nicht auf der Straße bewegt“, ergänzt Mallmann. Knut Giesler kommentiert die markanten Worte der ArbeitgeberInnen so: „Alle Drohszenarien der Arbeitgeber bewirken nur eines: Unsere Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben sind stinksauer und zeigen mit ihren Aktionen ihre Entschlossenheit.“

Die Angst vor den im Falle des Scheiterns der kommenden Verhandlungsrunde angekündigten 24-stündigen Streiks scheint aufseiten der ArbeitgeberInnen tief zu sitzen.

Kampf an vielen Fronten

Neben der aktuellen Tarifrunde beschäftigt die ArbeitnehmerInnen bei ThyssenKrupp die Frage, ob die Ergebnisse der Fusions-Verhandlungen zwischen der Konzernspitze und der IG Metall angenommen werden. Das Mitgliedervotum läuft seit einigen Tagen. Doch auch abseits dieser Abstimmung verzeichnet die IG Metall eine überdurchschnittliche Beteiligung am aktuellen Arbeitskampf. Seit Ende der aktuellen Friedenspflicht am  8. Januar haben über 340.000 Beschäftigte (Stand 14. Januar) kurzfristig die Arbeit niedergelegt. Die IG Metall meldet Streiks und Demonstrationen bundesweit aus allen Bezirken. Am 10. Januar lag der Schwerpunkt auf NRW, hier traten über 25.000 ArbeitnehmerInnen in den Streik. Doch auch aus den anderen sechs Bezirken von Bayern bis an die Küste beteiligen sich ArbeiterInnen an den Streiks. Stellenweise waren die angemieteten Örtlichkeiten viel zu klein, um alle Streikenden aufzunehmen, die Solidarität unter den Beschäftigten scheint derzeit ungebrochen.

:Justinian L. Mantoan