Wie die Serie „Game of Thrones“ Nordirland und dessen Bild beeinflusst
Wappnet Euch, die TouristInnen kommen!
Foto: Shiraz Chakera/Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)
Die Hängebrücke von Carrick-a-Rede. Foto: Shiraz Chakera/Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)
Die Hängebrücke von Carrick-a-Rede.

Die Welt von Westeros und ihre BewohnerInnen aus der HBO-Serie „Game of Thrones“ (GoT) ziehen Millionen von Menschen in ihren Bann. Vielen reicht es nicht, den Königsweg oder Renly Baratheons Heerlager und andere Orte auf dem Bildschirm zu sehen, sie reisen lieber an die Originaldrehorte und fördern damit unter anderem Nordirland und seine Wirtschaft.

„Filme und Serien haben einen wesentlich positiven Effekt auf den Tourismus, da sie im weiteren Sinne dazu beitragen, Menschen, Gesellschaft und Kultur zu einer Marke zu machen. All dies hat einen großen Einfluss darauf, den Wunsch zum Reisen zu erzeugen“, erklärt Richard Williams, der Firmenchef von Northern Ireland Screen, die Produktionsgesellschaft von GoT. Die Zahlen geben ihm jedenfalls Recht: Die Serie brachte im Zeitraum von 2010 bis 2014 jährlich zwischen 21 und 23 Millionen Pfund nach Nordirland.

Mit dem Bus durch Winterfell

21 Drehorte des Fantasyepos sind in Nordirland situiert oder werden dort nachgebaut, unter anderem die Ländereien rund um Winterfell oder auch Renlys Heerlager. Die Drehorte werden von verschiedenen Tourunternehmen für die TouristInnen erschlossen – das Geschäft läuft prächtig. Damian Carr von Game of Thrones Tours betont, dass Menschen aus der ganzen Welt die Locations ansehen wollen. Der Bedarf steige zunehmend: „Angefangen hat das Unternehmen mit einer Tour pro Woche, heute fahren wir fünf“, berichtet er.

Doch nicht alleine Bustouren ziehen BesucherInnen nach Nordirland; eine Ausstellung zum Serienphänomen war 2014 ebenso ein Erfolg. 11.000 Tickets wurden innerhalb von zwei Stunden verkauft, ein Viertel an Menschen außerhalb des Landes. Nach offiziellen Zahlen gaben die BesucherInnen im Umfeld der Ausstellung 735.000 Pfund aus. Angesichts dieser positiven Zahlen hat Richard Williams durchaus ambitionierte Ziele für die Tourismuszukunft Nordirlands: „Wir haben kein Geheimnis aus dem Fakt gemacht, dass wir die Hoffnung haben, dass die Serie denselben Effekt hat wie ‚Herr der Ringe‘ für Neuseeland.“

Erste Anzeichen hierfür gibt es bereits, so stieg etwa die Anzahl der Übernachtungen von 1,8 Millionen im Jahr 2013 auf 2,3 Millionen im Jahr 2015 an. Auch die beiden Hauptattraktionen in Nordirland, der Giant’s Causeway und die Carrick-a-Rede Rope Bridge – beides  ebenfalls Drehorte für GoT – profitierten davon: So besuchten den Causeway acht Prozent mehr Menschen seit Serienstart, bei der Hängebrücke stieg die Anzahl sogar um neun Prozent an.

Serien als Wirtschafts- und Imagehilfe 

Die vorliegenden Zahlen und Berichte zeigen eins sehr deutlich: Die Verfilmung von George R. R. Martins Romanreihe trägt dazu bei, der nordirischen Tourismusindustrie Auftrieb zu verschaffen und eine nicht unerhebliche Zahl von TouristInnen dorthin zu ziehen. Was vielleicht jedoch noch wichtiger ist: Durch die Serie gelingt es, der einst terrorgebeutelten Provinz, ein neues Image jenseits von Blut und Gewalt zu kultivieren und stattdessen ihre atemberaubende Natur und landschaftliche Schönheit in den Vordergrund zu stellen. Vielleicht wird so aus Nordirland wirklich das neue Neuseeland.

Gastautor :Jan Freytag 

 
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