Schubladendenken – ein Fluch, den alle Studierenden kennen
VORschnell URTEILen – Das kann unser Gehirn gut
Foto: Laura La Rocca
Das weit verbreitete Phänomen der Vorurteile: Schublade auf, die neue Kollegin Lara rein, Schublade wieder zu. Foto: Laura La Rocca
Das weit verbreitete Phänomen der Vorurteile: Schublade auf, die neue Kollegin Lara rein, Schublade wieder zu.

„Schöne Schuhe, wer hat dir die denn bezahlt?“, wurde Studentin Lara M. von ihrer Arbeitskollegin schnippisch gefragt. Nahezu jedeR Studierende wird zumindest hin und wieder mit solch vorurteilsbelasteten Aussagen konfrontiert. Der heutige Studierende ist faul, dumm, schlampig, pleite, schläft bis zum Nachmittag und hat hauptsächlich Bier im Kühlschrank und Party im Kopf.

Viele werden mir vermutlich zustimmen, dass solche vorgefertigten Meinungen weder allesamt zutreffen, noch positiv für zwischenmenschliche Beziehungen sind. Und doch kann sich keiner von uns freisprechen, denn Vorurteile haben wir alle. Was auch umgangssprachlich mit dem „Schubladendenken“ bezeichnet wird, ist die energiesparende Strategie unseres Gehirns, neue Objekte – oder Personen – aufgrund von abgespeicherten Informationen möglichst schnell einzuschätzen.

Vorurteile sind durch und durch schlecht – oder?

Was heute unserem gesellschaftlichen Zusammenleben schadet, lässt uns evolutionär gesehen effektiv auf potentielle Gefahrenreize reagieren. Wenn unsere Vorfahren den mysteriösen Schatten im Gebüsch erst unter Einbezug aller gegebenen Informationen überprüfen, um zu bestätigen, dass es sich tatsächlich um ein gefährliches Raubtier handelt, wäre vermutlich alle Hilfe zu spät. Da erscheint es sinnvoller, auf vorgefertigte Konzepte zurückzugreifen, damit mehr Zeit und Energie bleibt, um so schnell wie möglich zu reagieren.

Vorurteile sind also mentale Repräsentationen, die unser Wissen und unsere Überzeugungen über eine (soziale) Gruppe enthalten. Damit besitzen sie natürlich eine wahren Kern, wie auch Lara M. eingestehen muss, die tatsächlich einen kleinen Zuschuss zu ihren neuen Schuhen bekam. Doch das große Manko dieser energiesparenden Variante ist die extreme Vereinfachung sowie systematische Verzerrung der Realität. Lara M. ist nicht mehr die einzigartige Persönlichkeit Lara M., sondern nur noch „Studentin“, mit allen in die Kategorie passenden Eigenarten.

Beende den Vorurteils-Fluch!

Allerdings sind wir nicht wahllos den Strategien unseres Gehirns ausgeliefert. Auch wenn diese Art der Eindrucksbildung oft automatisch und ganz unbewusst aktiviert wird, gibt es ein Rezept, um die eigenen Vorurteile zu reduzieren. Die Hauptzutaten sind Aufmerksamkeit und Kontakte. Je mehr und intensivere Kontakte man zu Studierenden hat, desto wahrscheinlicher verwandeln sie sich auch wieder zu Lara, Tim und Sophie. Und wenn man dann auch noch in jeder Situation bewusst unvoreingenommen die gegebenen Infos aufnimmt, dann gehören die Klassiker wie „Der Student als gesellschaftlich anerkannter Hartz IV Empfänger“ endlich der Vergangenheit an.

:Gastautorin Laura La Rocca

Autor(in):