Juan Carlos el Bobón
Von Monarchiekritik und Meinungsfreiheit
Bild: twitter/ClaudioCabe2
Pablo Hasél – künstlerischer Märtyrer oder Meinungsmacher?

Festnahme. Am 16. Februar wurde der katalanische Rapper Pablo Hasél festgenommen. Seither gehen tausende Spanier:innen – der Großteil davon Studierende – auf die Straße. Doch warum bringt diese Festnahme so viele Proteste mit sich? 

Tausende Menschen in Spanien gehen seit der Festnahme Pablo Haséls auf die Straße. Sie fordern nicht nur die Freilassung des katalanischen Rappers, sondern auch die Abschaffung des „Gesetz zur Sicherheit der Bürger“ von 2015. Dieses Gesetz wird von Amnesty International als das sogenannte „Maulkorbgesetz“ angeprangert und ist im Volksmund als „Knebelgesetz“ bekannt. Auch wenn Hasél nicht der einzige Künstler ist, der aufgrund dieses Gesetzes verurteilt wurde, sehen ihn die Menschen als Symbolfigur für künstlerische und Meinungsfreiheit. Weniger bekannt ist beispielsweise der Produzent Willy Toledo, der im Juli 2017 wegen Verletzung religiöser Gefühle angeklagt wurde. 
Diese jüngste Festnahme ist nicht die erste Haséls. 2011 würdigte er ein verurteiltes Mitglied der „Grupos de Resistencia Antifascista Primero de Octubre“ (GRAPO), zu Deutsch „Gruppen des antifaschistischen Widerstands des 1. Oktober“ in seinem Song „Democracia su Puta Madre“. Daraufhin wurde er verhaftet und auf Kaution freigelassen. 2014 wurde er für Lieder, in denen er unter anderem seine Sympathien für die Rote Armee Fraktion (RAF) ausdrückte, zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt. 2019 tweetete Hasél „Ulrike Meinhof, nie vergessen, ewiger Samen der Freiheit“ zum Jahrestag von Meinhofs Tod.
Das Lied, für das Pablo Hasél nun angeklagt wurde, heißt „Juan Carlos el Bobón“ (Juan Carlos der Dussel). In dem Lied thematisiert Hasél den dekadenten Lebensstil und kritisiert die zwielichtigen Geldgeschäfte des ehemaligen spanischen Königs, der 2020 wegen Korruptionsvorwürfen das Land verließ. Aber nicht nur der Beleidigung der Monarchie wird Hasél beschuldigt, sondern auch der Verherrlichung von Terrorismus. 
Zu neun Monaten Haft wurde Hasél aufgrund dieser Vorwürfe verurteilt. Da er sich weigerte, die Haftstrafe freiwillig anzutreten, wurde er im Februar gewaltsam festgenommen. Zuvor hatte er sich mit seinen Unterstützer:innen in der Universität von Lleida verschanzt. Erst eine Spezialeinheit konnte den Rapper festnehmen. Als er abgeführt wurde, rief er mit erhobener Faust: „Wir werden kämpfen, wir werden niemals aufgeben!“ Die Verhaftung provozierte Demonstrationen in Barcelona, Lleida, Madrid, Palma de Mallorca und weiteren Städten. Tausende Menschen, darunter viele Student:innen, protestieren nicht immer friedlich. Polizist:innen wurden mit Steinen, Flaschen und Böllern beworfen, Müllcontainer wurden angezündet und Schaufenster eingeschlagen. Auch wurden während der Krawalle Modegeschäfte geplündert und Demonstrant:innen festgenommen. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchéz verurteilte die Gewalt als Mittel des Protests. Jedoch erkenne auch er die Defizite Spaniens an, erklärte der Sozialdemokrat. Neben Demonstrant:innen hat Hasél weitere Unterstützer:innen. Über 200 Künstler:innen solidarisieren sich mit dem Projekt „#ElArteConPabloHasel“ (Die Kunst mit Pablo Hasél), darunter der Regisseur Pedro Almodóvar und der Schauspieler Javier Bardem. 
Auch wenn die Haftstrafe auf neun Monate angesetzt ist, befürchtet Hasél für längere Zeit im Gefängnis sitzen zu müssen, da er keine Absicht hat, die zusätzlich ausgesetzte Geldstrafe zu zahlen. Auch plant die Regierung in Madrid, das „Gesetz zur Sicherheit der Bürger“ zu überarbeiten und gegebenenfalls zu ändern. Doch selbst wenn das Gesetz komplett abgeschafft würde, käme es für Hasél zu spät. 

:Augustina Berger