Fußball in der Kritik
Von Kund*innen und König*innen – Protest gehört ins Stadion
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Gegen den modernen Fußball: Fanproteste zeigen erste Wirkung in der Bundeliga.	Bild: Werner100359 CC BY-SA 3.0  creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en
Gegen den modernen Fußball: Fanproteste zeigen erste Wirkung in der Bundeliga.

Kommentar. Die DFL schafft die Montagsspiele in der Bundesliga ab. Fans aus Liga 1 und 2 hatten zuvor Proteste gegen die unbeliebten Termine angekündigt. Das sorgt für eine Demaskierung der DFL und schadet dem Image weiterhin.

Der Deutschen Fußballliga (DFL) und dem Deutschen Fußballbund (DFB) gefallen zwei Dinge besonders: Finanzen und Reichtum. Daher verwundert es auch nicht, dass der Fußball seit Jahrzehnten ausgeschlachtet wird, wo es nur möglich ist. Plastikvereine wie Hoffenheim, Wolfsburg oder schlimmstenfalls RB Leipzig sind die logische Folge einer immer weiter voranschreitenden Kommerzialisierung des Fußballs. Und jedes Wochenende (und darüber hinaus) strömen hunderttausende in die Stadien, zahlen horrende Preise und schimpfen. Jedoch nicht über DFB und DFL, nicht über Vorstände und Werbung überall, sondern über diejenigen Fans, die ihrem Unmut über die Kommerzialisierung Ausdruck verleihen. Es sind erstaunlicherweise nicht diejenigen, die die Bundesliga ausschlachten, denen der Hass der Mengen entgegen schlägt, sondern die Ultras. Dafür, dass sie den „modernen Fußball“ – wie sie ihn nennen – anprangern. Dafür, dass sie, falls nötig, gegen Geldgeber*innen, Vorstände und Vereinsführungen aufbegehren. Dafür, dass sie ihrer Ablehnung Ausdruck verleihen.

Die Kurve den Ultras

Für Uli Hoeneß sind Fans Kund*innen, sie tragen alle zwei Wochen einen Haufen Geld in die nach einem großen Münchener Versicherer benannten Arena und fressen sich an Hoeneß‘ Bratwürsten der HoWe Wurstwaren satt und gehorsam. Doch auf der Südtribüne sieht die Welt anders aus, da wird auch gegen König Uli protestiert, gegen die Kommerzialisierung, die gerade von Sponsoring-Meister FC Bayern geprägt und vorangetrieben wird und gegen unliebsame Anstoßzeiten. Ganz zum Bedauern von Vorstand und auch – wie könnte es anders sein – vom gemeinen Geldgeber auf den Sitzplätzen … Wenn die organisierten Fans eine Halbzeit lang schweigen, schallt es von den anderen Tribünen. Nicht, um die eigene Mannschaft an zu feuern, sondern es erklingen „Ultras raus“-Rufe. Dabei hat man beim VfL Bochum in den vergangenen Monaten erlebt, was geschieht, wenn die Ultras ihren Support einstellen. Seit der Ausgliederung der Profiabteilung (:bsz 1143) im vergangenen Herbst zeigten sich die Ultra-Gruppen MLPT und UB99 nur noch privat in der Ostkurve, organisierte Unterstützung oder gar Choreografien waren nicht mehr zu sehen, auf der Ost tummelten sich saufwütige Stehplatztourist*innen, die kaum einen Gesang zustande brachten. Wenn das die Stadionatmosphäre ist, die der*die gemeine Fußballkund*in sich wünscht: könnt ihr haben, ist aber scheiße.

Den Fußball den Fans

Dass die Montagsspiele abgeschafft werden, liegt nicht an fehlendem Geld oder geringeren Einnahmen, viel mehr steht die DFL vor einem Imageproblem. Je ausgefallener und radikaler die Proteste gegen unliebsame Anstoßzeiten, egal ob Montagsspiel oder englische Woche, werden wird, desto deutlicher wird die DFL demaskiert. Obwohl die Bundesliga oftmals großzügig Hand anlegt, wenn es um die Regie bei der Liveübertragung geht und Protest nicht an die Öffentlichkeit geraten soll, wird er immer deutlicher. Doch solange sich die Deutsche Fußball-Liga von einem Sportwettenanbieter sponsorn lässt, sorgen auch abgeschaffte Montagsspiele nicht
für Glaubwüdigkeit …

:Justinian Mantoan