Initiativen treffen sich zum traditionellen Neujahrsbrunch
Von Gestern und Morgen
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Die Einsendungen, die die Redaktion von Bo-Alternativ erhalten hat, sind die Grundlage: Photos und Videos visualisierten den Jahresrückblick. Bild: lor
Die Einsendungen, die die Redaktion von Bo-Alternativ erhalten hat, sind die Grundlage: Photos und Videos visualisierten den Jahresrückblick.

Jahresrückblick. Demos gegen Rechts, Solidarität und die Bochumer Wohnraumpolitik sind Themen gewesen, die die Stadt beschäftigt haben. Beim traditionellen Neujahrsempfang im Bahnhof Langendreer ging es für Bochumer Initiativen um das Gestern und das Morgen.

Sowohl auf internationaler als auch auf nationaler Ebene hat sich vergangenes Jahr viel getan: Vor allem viele neue und alte Arbeitsfelder haben sich für die Engagierten in Initiativen ergeben. Seien es Waffenexporte der Bundesregierung, eine gesteigerte Zahl Minderjähriger in der Bundeswehr, das atomare Damoklesschwert, was über der Welt schwebt oder die fehlende gesellschaftliche Empörung. Wie Joachim Schramm vom VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten) anmerkte: „Es fehlt in aller Zweideutigkeit die Entrüstung.“ Doch auch lokal in Bochum setzten sich Initiativen 2017 gegen diverse Themen ein. 

Zum 15. Mal lud vergangenen Sonntag das Friedensplenum gemeinsam mit dem Bahnhof Langendreer in dessen Räumlichkeiten zum Neujahrsempfang. Bei reichhaltigem Brunch rekapitulierten die Anwesenden unter dem Motto „Ein Jahr Bewegung Bochum“ Aktionen im vergangenen Jahr.

Viele Themen

Zu den großen Themen in der Stadt gehörten sowohl der Kampf gegen Rechts sowie Faschismus und Rassismus, wie auch der Umgang mit der prekären Wohnungssituation in  der Stadt. 

Letzteres wurde nicht nur in mehreren Aktionen wie einer Kundgebung am 19. Mai unter dem Titel „Reclaim the City“ aufgegriffen, sondern auch konkret von einer Gruppe umgesetzt, die im Frühsommer die Herner Straße 131 besetzt hat (:bsz 1129). „Ich habe tiefen Respekt für diejenigen, die das gemacht haben“, so Martin Budich vom Friedensplenum, welcher medial aufbereitet den Rückblick mitmoderierte. 

Ebenfalls große Themen sind gesellschaftlicher Rechtsruck und Geflüchtetenpolitik gewesen. Letztere ist Schwerpunkt mehrerer Demonstrationen wie am 9. September oder am 6. Mai gewesen. Dass  sich so viel engagiert wurde, wurde mehrfach während des Vortrages mit Spontanapplaus honoriert. Budich hatte vor allem für den steigenden Anteil junger Menschen, beispielsweise der DGB Jugend (Deutscher Gewerkschaftsbund) übrig: „Das ist eine Geschichte, die viel mehr Spaß macht, wenn junge Menschen dabei sind.“

Ausblick

Neben dem Rückblick auf Gelungenes und Zurückliegendes lag ein weiteres Ziel des Neujahrsempfangs auch in der lokalen Vernetzung innerhalb der Initiativen. Zum ersten Mal wurde die Plattform vor 15 Jahren initiiert. Grundlage war damals ein Rückblick des Friedensplenums im Rahmen von Weihnachtsfeierlichkeiten: „Da waren alle so begeistert, dass wir gesagt haben, dass wir das nochmal im Januar öffentlich für alle machen.“

Für den Ausblick auf Aktionen im neuen Jahr hält sich Budich eher zurück. Rechtsruck und Nationalismus seien wahrscheinlich wieder zentrale Themen. „Das Phänomen bei sozialen Bewegungen ist, dass 95 Prozent der sozialen Bewegung von ihren Gegnern lebt. Das eben passiert bei Schweinereien: Das sich Leute empören“, so Budich abschließend. 

Beim Rückblick zeigte sich zwar, dass in der Stadt noch viel zu tun bleibt, doch die vielfachen und diversen Aktionen des vergangenen Jahres geben Grund zur Hoffnung, dass auch 2018 das Engagement nicht erlahmt.

:Andrea Lorenz