StuPa-Wahl: Die zehn Listen und ihre Positionen (online exklusiv: ungekürzte Fassung)
Von Campussanierung und Deutschkursfinanzierung
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Ihr habt die Wahl - noch bis einschließlich Freitag in den Cafeten der Fachbereichsgebäude. - Grafik: ck
Ihr habt die Wahl - noch bis einschließlich Freitag in den Cafeten der Fachbereichsgebäude.
In der letzten Ausgabe haben wir Euch die Positionen der zehn aktuell fürs Studierendenparlament (StuPa) kandidierenden Listen in drei zentralen Fragen vorgestellt. Zu einem weiteren wichtigen Thema herrscht weitgehende Einigkeit: Fast alle Listen lehnen auch nach dem jüngsten Vorstoß der Hochschulrektorenkonferenz, eine Debatte über nach dem Studium zu entrichtende Gebühren loszutreten, jede Form von Studiengebühren (S) weiterhin konsequent ab. Divergenter sind die Positionen zum Hochschulentwicklungsplan III (H), der insbesondere das fragwürdige Konzept einer ‚unternehmerischen Hochschule‘ vorantreibt, sowie zur kosten- und prestigeträchtigen Campus-Sanierung (C):
 
KLIB: S: Unserer Meinung nach sind Studiengebühren prinzipiell abzulehnen, Bildung muss von den Ländern und vom Staat 100%ig finanziert werden. Jedoch halten wir nachlaufende Studiengebühren für immerhin sozial- und studierendenverträglicher als das Verlangen von Gebühren während des Studiums. C: Unserer Meinung nach ist der Campus-Umbau richtig und auch wichtig, jedoch gibt es unserer Ansicht nach einige Probleme. Zum einen müssen die Fakultäten und insbesondere auch die Bibliotheken einen sehr großen Raumverlust hinnehmen, zum anderen wird bei den Neu- bzw. Umbauten teilweise zu wenig auf die Barrierefreiheit geachtet. Es wäre sehr wünschenswert, wenn auf diesen wichtigen Punkt mehr geachtet wird.
 
B.I.E.R.: S: Leichen zurück in den Keller. Da hat die Rektorenkonferenz wohl einen zuviel gebechert… H: Leider kein Satz zur Förderung studentischer Campusbrauereien, weak! C: Wir fordern eine behindertengerechten Umbau des Campus. Eine Milliarde Euro in die Hand zu nehmen, aber wochenlang einen Aufzug nicht reparieren zu können, ist peinlich. Und wann kommt eigentlich GD? Langsam wird's kuschelig. Auch die Fachschaftsräume müssen erhalten bleiben, wenn die Gebäude umgebaut werden und das macht die Univerwaltung leider nicht von alleine.
 
LiLi: S: Bildung für alle bedeutet auch die finanzielle Ermöglichung. Nachgelagerte Studiengebühren verlagern das Problem und sind inakzeptabel! H: Die Entwicklung der Hochschule bleibt kritisch zu beobachten, v.a. in Bezug auf die Entwicklung der Lehre (Optionalbereich) und Forschungsfreiheit. Hierbei gilt es die Arbeit der studentischen Senatsfraktion zu unterstützen. C: Wie alle Entwicklungen auf dem Campus gilt es auch die Sanierung kritisch zu begleiten. Vor allem in Bezug auf studentische Räume und Schadstoffentwicklung. Hierbei gilt es die Arbeit der studentischen Senatsfraktion zu begleiten und zu unterstützen.
 
GHG: S: Jede Form der Studiengebühren lehnen wir konsequent ab! No Border – No Nation – Free Education! H: Wir fordern einen Hochschulentwicklungsplan, der soziale Aspekte der Studierendenschaft berücksichtigt. Soziale Herkunft, finanzielle Situation und besondere Studiengänge müssen auch besondere Berücksichtigung finden. Wir sind, und wollen nicht, exzellent sein, sondern eine Universität für ALLE! C: Wir freuen uns über einen Campus-Umbau, der besonders ökologische Aspekte berücksichtigt. Wir wollen Raum für studentisches Leben und mehr Räume für die studentische Selbstverwaltung.
 
JuLis: S: Es muss jedenfalls ein neuer Weg der Finanzierung gefunden werden. Studiengebühren während des Studiums sehen wir ab. H: Uns fehlt der Aspekt, dass der Unialltag vereinfacht werden kann, indem man vieles auf digitale Ebene setzt, wie ein einfacheres und besser ausgebreitetes Onlinevorlesungsangebot. C: Langsam tut sich etwas, doch für uns kann es noch schneller gehen. Es gibt viele Probleme und das auf dem ganzen Campus und nicht nur in einzelnen Bereichen. 
 
IL: S: Wir sind gegen Studiengebühren! Dies ist für (angehende) Studierende ein Nachteil, da es sich nicht alle leisten können, Studiengebühren aufzubringen. Auch für ausländische Studierende stellt dies ein großes Problem dar. C: Die Campussanierung ist ein wichtiger Aspekt – hierbei achten wir sehr auf Barrierefreiheit auf dem Campus.
 
NAWI: S: Studiengebühren sind grundsätzlich abzulehnen. Stattdessen ist die Ausfinanzierung von Bildung und Forschung durch die Politik sicherzustellen. H: Der HEP III soll „die strategischen Leitlinien und Instrumente für die Jahre 2014 bis 2019 [...] fest[legen]“. Aufgrund dieser komplexen und weitgefächerten Themen ist für uns der HEP III nur abwägend und im größeren Zusammenhang zu bewerten und nicht in wenigen Worten und plakativ. C: Neu gebaute und modernisierte Gebäude müssen sowohl in Bereichen der guten Lernatmosphäre als auch der studentischen Kultur planerisch begleitet und so schnell wie möglich bezogen werden. Die Modernisierung des Gesamtcampus ist voranzutreiben.
 
Gewi: S: Auf keinen Fall dürfen Studiengebühren – in welcher Form auch immer – wieder eingeführt werden. Es steht außer Frage, dass die finanzielle Chancengleichheit ohnehin schon nicht gegeben ist. Darüber hinaus werden Studierende dazu gedrängt, Schulden anzuhäufen oder ihr Studium durch anderweitige Arbeit zu vernachlässigen oder nicht in dem Umfang durchführen zu können, wie es für sie selbst am sinnvollsten wäre. Für ausländischen Studierenden wäre dies noch kritischer, da der Standortwechsel an sich bereits finanzielle Probleme bereiten kann. H: Der HEP III der RUB scheint eher eine Werbebroschüre zu sein als ein wirkliches Medium zur Informationsweitergabe. Dementsprechend schwierig ist es, sich qualifiziert zu diesem Thema zu äußern. In großen Teilen betrifft der HEP auch eher die interne Verwaltungsstruktur. Begrüßenswert sind die stärkere Ausrichtung auf einen internationalen Campus, bei dem auch die Gleichstellung nicht zu kurz kommen soll. Ein zentrales, an die Bedürfnisse der geisteswissenschaftlichen Fächer angepasstes Bibliothekskonzept ist lobenswert und kann zu interdisziplinärem Austausch und Synergieeffekten führen. Der neu strukturierte Optionalbereich ist Geschmackssache. Als Studi hat man nun die Möglichkeit, sich durch eines der Profile für einen künftigen Job zu qualifizieren, jedoch auf Kosten von freien Wahlmöglichkeiten. Diese sind im ‚freien Profil‘ aber noch teilweise erhalten. C: Wir begrüßen zwar grundsätzlich den Willen zur Neu- und Umgestaltung des Campus, die großen finanziellen Lücken in Forschung und Lehre müssen jedoch unbedingt Vorrang vor eventuellen ‚Prachtachsen‘ haben. Und: Bei jeglicher Umstrukturierung dürfen wir Studis nicht zu kurz kommen. Sei es bei FSR-Räumen, Orten zum Lernen und Zurückziehen oder natürlich bei Locations für studentische Veranstaltungen jeglicher Art, insbesondere Feierlichkeiten.
 
Jusos: S: Kurz und knapp: Die Juso-HSG ist gegen Studiengebühren, egal in welcher Form. H: Einer unserer Arbeitsschwerpunkte im Zusammenhang mit dem HEP III ist die Umsetzung der Reform im Optionalbereich. Wir wollen diese so gestalten, dass für die Studierenden maximale Flexibilität und Wahlfreiheit herauskommt. Ansonsten benötigt die Universität in allen Bereichen mehr Geld, wofür wir in Land und Bund kämpfen werden. C: Wir sehen den Campus-Umbau als einen Prozess, der kritisch begleitet werden muss. Insbesondere bei der Fertigstellung neuer Gebäude hinkt die Universität hinterher, was zu zahlreichen Engpässen führt. Hier muss die Zusatzbelastung für die Studierenden möglichst gering gehalten werden!
 
ReWi: S: Wir sind der Ansicht, dass jeder – unabhängig von seiner finanziellen Fähigkeit – die Möglichkeit haben muss, ein Studium an einer deutschen Hochschule aufzunehmen. Auf der anderen Seite muss aber auch die Qualität der Lehre gewährleistet werden. Sofern die Wiedereinführung der Studiengebühren erforderlich sein sollte, um letzteres zu gewährleisten, dann sind unseres Erachtens umgekehrte Generationsverträge das mildeste Mittel, um beide Positionen in einen gerechten Ausgleich zu bringen. C: Die Campussanierung ist ganz zentraler Aspekt der Weiterentwicklung und Optimierung des Hochschulstandorts Bochum. Die Universität hat nicht nur in den Bereichen der Hörsaalkapazität schon lange ihren Zenit überschritten, sondern auch im Bereich der Büros für Angestellte in Wissenschaft, Verwaltung und Technik. Zentraler Aspekt bei der Planung der Hochschule Anfang Ende der 50er/Anfang der 60er Jahre ist gewesen, dass eine Campus-Universität errichtet werden soll, an der alle Fachbereiche zentralisiert angeschlossen sind. Die Realität hat sich davon aber schon vor langer Zeit entfernt und ist mit der Ausgliederung der Vorlesungen im Grundstudium der Rechtswissenschaften im letzten Jahr ihren größten Schritt gegangen. Das muss selbstverständlich jetzt wieder zurückgeführt werden. Ebenso selbstverständlich ist, dass alle Dezernate der Verwaltung in einem gemeinsamen Uni- oder Verwaltungsturm auf der modernisierten Zentralachse zu finden sein sollten.
Wir sind als Hochschulstandort nur dann exzellent und einmalig, wenn wir unsere Stärken, die im Gründungskonzept verankert sind, ausspielen.
 
Mehr Anlass zur Kontroverse gibt die Frage, ob und wie Deutschkurse für (angehende) ausländische Studierende wieder voll vom AStA finanziert werden sollten:
 
KLIB: Wir denken, dass Ausländische Studierende eine kulturelle Bereicherung für den Campus darstellen und halten es daher für sinnvoll, wenn wir als Studierendenschaft einen Beitrag dazu leisten, Zuwander*innen einen Zugang zu einem Studienplatz zu erleichtern, indem wir z.B. die Deutschkurse wieder in größerem Umfang finanzieren. 
 
B.I.E.R.: Der AStA sollte die Deutschkurse wieder wie früher finanzieren.
 
LiLi: Der amtierende AStA ist untätig! Alternativen zur Finanzierung der Deutschkurse müssen ausgelotet werden und das studentische Beratungsangebot ausgeweitet werden.
 
GHG: Wir werden in keine Koalition gehen, welche die AStA-Deutschkurse nicht wieder voll finanziert. An unseren Händen soll keine einzige Abschiebung potentieller RUB-Studis kleben! Die Uni soll ein weltoffener Ort bleiben!
 
JuLis: Wir stehen für die Deutschkurse und werden diese auch weiter unterstützen. 
 
IL: Neben  unserer  Arbeit  im  AStA,  stellen  wir  auch  Referent*innen  im  autonomen Ausländer*innen-Referat  (AAR).  Das  AAR  ist  die  erste  Anlaufstelle  für  ausländische Studierende, welche das Studium oder einen Teil ihres Studiums in Deutschland absolvieren möchten. Dort erhalten sie die nötige Beratung und können einen Antrag auf finanzielle Hilfe durch den Hilfsfond stellen, welcher vom AStA gefördert wird. Des Weiteren liegt es uns sehr am Herzen, dass die Deutschkurse weiterhin vom AStA unterstützt werden.
 
NAWI: Wir stehen für eine bunte RUB. Deutschkurse für zukünftige Studierende werden weiterhin in Zusammenarbeit mit einem gemeinnützigen Verein zu mit den günstigsten Preisen in NRW durchgeführt. Jedoch geht für uns interkulturelles Zusammenleben auf dem Campus weiter als reine Sprachvermittlung.
 
Gewi: Ausländische Studierende bereichern unserer Meinung nach die kulturelle Vielfalt am Campus enorm. Es ist uns wichtig, dass jegliche Studierende dieser Universität beim AStA Unterstützung und Ansprechpartner finden können. Die vom AStA geförderten Deutschkurse am Campus sind eine wichtige Institution, die deshalb unterstützt gehört, wo es geht. Das RPA Arnsberg hat uns jedoch die Zahlung von Geldern an den Trägerverein der Kurse untersagt. Aller Polemik seitens der derzeitigen Oppositionslisten zum Trotz sind die nicht-monetären Förderungen durch den AStA so umfangreich, dass die Kurse in weitem Umfeld noch immer die preisgünstigsten sind, und das um mehrere Hundert Euro pro Stufe. Lili, GHG und die Liste Bier fordern in ihren Beiträgen zu diesem Thema eine Fortsetzung der finanziellen Förderung der Kurse. Diese ist und bleibt jedoch leider durch Landesgesetz verboten.
 
Jusos: Wir wollen die Ruhr-Universität als offenen, freundlichen Raum für internationale Studierende erhalten. Mit der Kampagne "RUB bekennt Farbe" und darüber hinaus kämpfen wir gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Auch die Hilfsangebote für ausländische Studierende (Zusammenarbeit mit Hilfe für ausländische Studierende e.V. für den Hilfsfonds und interculturas e.V. für die Deutschkurse) sollen natürlich fortgeführt werden!
 
ReWi: Wir stehen für eine bunte und multikulturelle Ruhr-Universität. Von daher muss auch weiterhin das bestehende Angebot an Deutschkursen zu kostengünstigen Preisen gewährleistet bleiben.
 
Die :bsz hat noch eine abschließende Frage in Petto – die Antworten (die leider nicht von allen Listen eingingen) wollen wir Euch nicht vorenthalten:

Hand aufs Herz – habt Ihr Eure Versprechen aus dem letzten Wahlkampf tatsächlich umgesetzt?

KLIB: ./.
 
B.I.E.R.: Wir haben nichts versprochen, außer Spaß zu haben. Dass wir dabei nicht alleine waren zeigte das Wahlergebnis. Wir haben aber dennoch einiges erreicht: Transparenz ins StuPa gebracht, auf Datenschutz bei den Vertragsabschlüssen des AStA geachtet und im Gegensatz zur AStA-Koalition die Studierenden über bildungspolitische Kämpfe informiert. In der zentralen QVK haben wir Gelder für den W-Lan-Ausbau freigeschaufelt und die Universitätsbibliothek mit mehr PCs, Arbeitsplätzen und Schließfächern ausgestattet.
 
LiLi: Durch gute Oppositionsarbeit und Anfragen im StuPa sind wir unseren Versprechen gerecht geworden.
 
GHG: Wir waren jetzt im dritten Jahr in der Opposition und haben trotzdem viel erreicht. Die Einbringung der Zivilklausel in den Senat ist durch uns im StuPa beschlossen worden. Im Haushalt konnten wir beachtlich viel durch Anträge verändern. Das neue Autonome Referat für Menschen mit Behinderung und sämtlichen Beeinträchtigungen wird durch unseren Antrag finanziert. Wir haben für Transparenz gekämpft und für studentische Kunst. Wir haben uns an der Debatte um das VRR-Ticket beteiligt und haben unseren AStA zur Vernetzung beim Landes-ASten-Treffen durch zahlreiche, mehrheitlich angenommene, Anträge gezwungen. Wir haben mehr Anträge gestellt als alle Listen der AStA-Koalition zusammen und konnten uns für mehr Tierschutz an der RUB einsetzen.
 
JuLis: ./.
 
IL: Wir hatten Euch kulturelle Vielfalt auf dem Campus verstrochen und haben dies auch mit den Veranstaltungen wie PoetrySlam, ComedyFlash oder unserem berühmten interkulturellen Abendessen umgesetzt.
 
NAWI: ./.
 
Gewi: Hätten wir alles Wichtige umgesetzt, was uns am Herzen lag und liegt, bräuchten wir bei der aktuellen Wahl ja nicht antreten. Vieles konnten wir abschließen, weiter kritisch begleiten (Mühlen der Politik mahlen auch an Hochschulen langsam) und dabei auch neues auf den Weg bringen. Deshalb würden wir gerne weiter für Euch kämpfen.
 
Jusos: Machen wir den Faktencheck anhand unserer konkreten Ziele (http://die-reklamation.com/und-das-wollen-wir-fur-euch-erreichen):
Optionalbereichsreform möglichst flexibel ausgestalten – Erfüllt.
Uns für besseres BAFöG einsetzen – Über den Bundesverband der Juso-HSGen, erfüllt.
Latinumspflicht abschaffen – Ist inzwischen im Gesetzgebungsprozess und wird voraussichtlich 2015 verabschiedet, Erfüllt.
"Uni ohne Vorurteile" starten – unter dem Namen "RUB bekennt Farbe" gestartet und verstetigt, erfüllt.
Anwesenheitspflicht abschaffen – siehe HZG-Debatte und Anwesenheitspflichtmelder. Gibt noch einiges vor Ort zu tun, aber erfüllt.
Autonomes Referat für Menschen mit chronischen Erkrankungen einrichten – Erfüllt.
Das HZG gemeinsam mit anderen Studierendenvertretungen begleiten – Erfüllt.
Transparenz und Öffentlichkeitsarbeit im AStA -Berichte, Protokolle etc. – Erfülllt.
 
ReWi: ./.

Aber macht am besten selbst den Faktencheck – die :bsz-Ausgaben der letzten Wochen und Monate sind dabei sicherlich hilfreich! 

 

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