Der Einfluss von Maos Lehren an der RUB. Teil 2: die Hochphase
Vom Onanismus zur angestrebten Weltveränderung
Quelle: Wikimedia Commons / Villa Giulia
Gemeinsam für den „Sozialismus“: ArbeiterInnen, SoldatInnen und Studierende vereint. Quelle: Wikimedia Commons / Villa Giulia
Gemeinsam für den „Sozialismus“: ArbeiterInnen, SoldatInnen und Studierende vereint.

Nachdem Maos Ideen eher zaghaft an der RUB Fuß gefasst hatten, breiteten sie sich in der Folge unter Bochumer Studierenden explosionsartig aus: 1970 beherrschten MaoistInnen nicht nur den AStA und die :bsz, sie suchten auch den Schulterschluss mit ArbeiterInnen. Außerdem engagierten sie sich maßgeblich in Demonstrationen gegen den amerikanischen Vietnamkrieg und beteiligten sich an der Reorganisation der Studierendenbewegung.

Am Anfang stand die Auflösung des Bundesverbandes des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) am 21. März 1970 und damit die Zersplitterung der Studierendenbewegung. Spannungen zwischen verschiedenen linken Gruppierungen hatte es jedoch bereits zuvor gegeben. Die :bsz berichtete, dass MaoistInnen einen Ostermarsch der Außerparlamentarischen Opposition (APO) im April 1969 störten. In einem LeserInnenbrief zu den Ereignissen wurden die Parolen der MaoistInnen als „schwachsinnig und großkotzig“ bezeichnet und ein Redakteur der :bsz behauptete: „Es ist den ‚Radikalen‘ angemessener zwischen die Seiten der Mao Bibel zu onanieren, als die Wirklichkeit zu verändern.“

Die 2.-Juni-Bewegung

Im folgenden Jahr hatte sich der Wind jedoch bereits komplett gedreht: Der Sozialistische Studentenbund/Marxisten-Leninisten (SDS/ML) stellte 1970 den AStA der Ruhr-Universität, Maos Konterfei sowie dessen Zitate prangten auf der Titelseite der Studierendenzeitung. Statt gegen Onanisten wurde nun gegen die Revanchisten der „D’K’P“ sowie gegen die „Reaktionäre des RCDS (Anm. d. Red.: Ring christlich-demokratischer Studierender)“ geschossen. Doch die MaoistInnen wollten auch die Studierendenbewegung programmatisch weiterentwickeln: „Die konsequente Weiterführung der kulturrevolutionären 2.-Juni-Bewegung [der Tod des Studierenden Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 markiert den Beginn der Studierendenbewegung] erfordert von einem bestimmten Moment an gebieterisch das Bündnis der Bewegung mit dem revolutionären Kampf der Arbeiterklasse unter der Führung der Arbeiterklasse“ (:bsz 67, 4. Juni 1970).

Vereinigt unter roten Fahnen 

Wie ein solches Bündnis zwischen Studierenden und ArbeiterInnen aussehen konnte, zeigte sich im Mai 1970. Bei einer Demonstration gegen den Einmarsch US-Amerikanischer Truppen in Kambodscha. Zusätzlich stand die Demonstration unter dem Motto „Kampf dem westdeutschen Kapitalismus“. Es befanden sich nicht nur eine Anzahl von ArbeiterInnen unter den Demonstrierenden sondern der Protest war auch gemeinsam vom AStA, der maoistischen KPD/ML-Partei, sowie von den Roten Garden organisiert worden. Es schien, als ließe sich der Schulterschluss von Werkstätigen und Studierenden organisieren. Entsprechend hoffnungsvoll schrieb die :bsz: „Diesmal bestand die große Mehrzahl des Demonstrationszuges noch aus Studenten, mehr und mehr Arbeiter werden aber künftig unter Führung der revolutionären Partei der Arbeiterklasse das Bild solcher Demonstrationen bestimmen.“

Lest in der nächsten und letzten Folge der Reihe wie der Maoismus an der RUB und in Bochum langsam seinem Ende entgegen ging, schließlich bedeutungslos wurde und aufhörte, als Partei zu existieren.

Gastautor :Jan Freytag 

 
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