Kommentar: Ihr Kinderlein kommet… Keine schöne Bescherung für MitarbeiterInnen
Vom Band zum Arbeitsamt

Das Opelwerk, ein Sorgenkind Bochums und ein Stück Ruhrgebietsgeschichte geht zu Ende. Seit Jahren gab es Überkapazitäten bei der Herstellung und nun schließen sich die Tore, doch ab 2016 soll der Konzern wieder schwarze Zahlen scheiben. Zeit, sich besinnlich zu stimmen?

Es war der letzte dunkelgraue Zafira, ein Familienvan, welcher am 5. Dezember im großen Werk des Bochumer Ostens produziert wurde. Die über fünzigjährige Beziehungsgeschichte eines bekannten Autoherstellers mit der Ruhrgebietsperle soll damit ein dramatisches Ende finden. Schluss, aus, vorbei, Schicht im Schacht und das auch noch zu den Weihnachtsfeiertagen. Liebes Management, wäre das nicht auch irgendwann anders gegangen? Müssen Beziehungen immer kurz vor dem eigenen Geburtstag oder Weihnachten beendet werden? Es soll angeblich nicht mal mehr eine Weihnachtsfeier für die Beschäftigten geben. Das stünde symbolisch für die Entwicklung der internationalen Unternehmenskultur, die sich zum negativen entwickelt hat. Es werden Stellen gekürzt, Weihnachts- sowie Urlaubsgelder gestrichen und nicht selten ManagerInnengehälter erhöht. Mit-Leiden bekommt hier eine neue Dimension und das ist traurig. Denn eigentlich ist jeder Konzern eine große Familie, aber das sehen die KapitalistInnen nicht gerne, weil Unternehmen darauf ausgerichtet sind, Geld zu generieren. Konzerne sind schon deshalb große Gemeinschaften, weil sie Menschen eine Perspektive geben, und es dabei egal ist, ob dies nun eine Ausbildung, ein duales Studium oder ein unbefristeter Vertrag ist. Sie können die Grundlage für eine eigene Familie bieten und begleiten uns im besten Fall von der Lehre bis zur Rente. Ohne Dinge, Werte, welche die MitarbeiterInnen teilen, kann das Projekt eines Konzerns kein gutes Ende nehmen. Deshalb wäre es auch eigentlich wichtig gewesen, ein besinnliches Ende unter dem Weihnachtsbaum zu finden, als vor den Toren des Arbeitsamtes im Unicenter oder der Innenstadt. Weihnachten ist schließlich auch ein Symbol und es steht neben der Nächstenliebe auch für die Erinnerung.

:Alexander Schneider