Wenn Faulheit zur Krankheit wird, kann geholfen werden
Vielleicht lieber morgen
An diese Stelle kommt ein Bild. Morgen.
An diese Stelle kommt ein Bild. Morgen.
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In zwei Tagen ist die Hausarbeit fällig und das Blatt noch gähnend leer? Morgen steht die Klausur an und die Unterlagen sind noch unangetastet? Wer Fristen nur schwer einhalten kann, leidet möglicherweise weder an einem Mangel an Selbstdisziplin noch an Faulheit, sondern an chronischem Aufschiebeverhalten, der sogenannten Prokrastination.

Nur nochmal eben Mails checken, nachsehen, was es Neues auf Facebook gibt, den Abwasch erledigen und die neuste Folge „Game of Thrones“ sehen – aber dann, dann wird endlich wirklich gearbeitet. Da klingelt das Handy und da ist der Tag irgendwie auch schon vorbei. Aber morgen wird ja alles besser. Oder eben übermorgen. Oder dann halt nächstes Semester. Lästige Aufgaben vor sich herschieben, das kennen wir alle. Und jedeR kennt auch das mahnende schlechte Gewissen, das ihn/sie dabei begleitet. Doch es gibt einen Unterschied zwischen locker-lässig vertrödelten Stunden und Tagen und einem echten Problem. Nicht jede erbettelte Fristverlängerung, nicht jede verspätete Klausurvorbereitung ist automatisch eine Diagnose, doch wenn das Aufschieben zwanghaft ist und das Vorankommen im Studium behindert und vor allem die Lebensqualität beeinträchtigt, dann liegen möglicherweise psychische Ursachen vor.

Needless delay

Im englischsprachigen Raum wird bereits seit den 80er Jahren über das pathologische Aufschieben, „the act of needlessly delaying tasks to the point of experiencing subjective discomfort“ (Solomen & Rothblum 1984), geforscht. In Deutschland sind es in den letzten zehn Jahren vor allem die ForscherInnen der Uni Münster, die sich dem Thema widmen und so feststellen konnten, dass bis zu 70 Prozent der Studierenden dazu tendieren aufzuschieben. Bei 10-20 Prozent läge eine behandlungsbedürftige Störung vor. Forschung und Beratung gehen dabei Hand in Hand. Die Uni Münster bietet die deutschlandweit einzige Prokrastinationsambulanz. Außerdem hat das Team um den Psychologen Prof. Dr. Fred Rist einen Online-Selbsttest entwickelt, der, wie betont wird, keine Diagnose, aber die Möglichkeit zur ersten Einschätzung eines möglichen pathologischen Aufschiebeverhaltens bietet. Weiterhin können die Studierenden in kleinen Arbeitsgruppen Bewältigungsstrategien einüben, die im Wesentlichen fünf Aspekte umfassen: Realistische Ziele setzen, Störfaktoren (Handy und Konsorten) ausschalten, etappenweise arbeiten, Pausen einplanen und vor allem den eigenen Frust hinterfragen. Denn das Trödeln kann durchaus System haben: Wer Hausarbeiten immer in ein paar Nachtschichten schreibt oder sich erst auf den letzten Drücker auf die Klausur vorbereitet, kann sich und allen anderen hinterher immer sagen, dass das Ergebnis dafür noch richtig super sei, und muss sich so nicht mit den eigenen und oft genug auch fremden (überzogenen) Ansprüchen sowie vor allem der Möglichkeit, diese nicht erfüllen zu können, auseinandersetzen. Quälendes Vorsichherschieben ist damit aber auch systemimmanent, denn seit Bologna ist der Druck auf Studierende, immer mehr in immer kürzerer Zeit zu leisten, gestiegen, während gleichzeitig unsichere Jobperspektiven und befristete Arbeitsverträge Ängste schüren.

Prüfungen bringen es ans Licht

Aufschieben ist aber keinesfalls ein akademisches Problem, auch wenn es medial gerne als solches porträtiert wird. Dem Münsteraner Forscher Rist zufolge lässt es sich in diesem Umfeld nur einfach leichter feststellen, da sich die Studierendenschaft mit unterschiedlichen Prüfungsvorbereitungen und -terminen befassen muss und gleichzeitig PsychologInnen an den Universitäten sind, die ein entsprechendes Verhalten in ihrer unmittelbaren Umgebung erforschen können.
Die RUB bietet ihren Studierenden zwar keine explizite Prokrastinationshilfe, aber verschiedene Hilfsangebote zu Prüfungs-, Lern- und Schreibschwierigkeiten im Rahmen des Schreibzentrums oder der OASE an.

Prüfungscoaching:
Ab 18. April, donnerstags 12-14h (wöchentlich) OASE Raum 1
Studienabschluss-Coaching:
Donnerstags 12.00-14.00 Uhr (14-tägig) OASE Raum 3
Anmeldung unter:
www.rub.de/oase/pruefungscoaching.html

Workshop Lernen lernen:
Workshop A (Selda Isik) 8., 15. und 22. Mai, jeweils von 15.00-19.00 Uhr
Workshop B (Maria Bohl) 7., 14., 21. Juni, jeweils 10.30. – 13.30Uhr
OASE Raum 1
Anmeldung unter:
www.rub.de/oase/lernen_lernen.html

TextTours, studentische Schreibberatung, ein Angebot des Schreibzentrums:
Montags, mittwochs und freitags, jeweils von 10.00-16.00 Uhr
Ohne Anmeldung