Putsch in der Türkei zeigt auch in NRW Auswirkungen
Viel Solidarität für den Staatspräsidenten
Quelle: R4bia.com
Hat auch in NRW und Deutschland viel Rückhalt: der türkische Autokrat Erdoğan. Quelle: R4bia.com
Hat auch in NRW und Deutschland viel Rückhalt: der türkische Autokrat Erdoğan.

Über eine Woche ist der missglückte Putschversuch in der Türkei her. Seitdem Teile des Militärs am 15. Juli versuchten, Präsident Recep Tayyip Erdoğan zu stürzen, sind nicht nur Ankara und Istanbul in Aufruhr. Auch in deutschen Städten waren die Reaktionen groß – und teils gewalttätig.  

Der Putschversuch war erst ein paar Stunden alt und die Nachricht von seinem Scheitern noch nicht sicher überbracht, da füllten sich die Straßen bereits. Viele in Deutschland lebende TürkInnen und Türkischstämmige demonstrierten spontan gegen die Militäraktion und zeigten Solidarität mit der dortigen Regierung. Die WAZ berichtete von 3.000 DemonstrantInnen in Duisburg; in Essen sollen es sogar 5.000 gewesen sein.

Sprechchöre und Autokorso

In Duisburg-Marxloh zogen rund 500 Menschen mit rot-weißen Nationalflaggen von der Merkez-Moschee bis zum Hamborner Altmarkt, wo sie in türkischer Sprache  „Gott soll auf unser Land und die Menschen dort aufpassen“ riefen. Auch bei nächtlichen Solidaritätsbekundungen am Düsseldorfer Konsulat registrierte die Polizei keine Ausschreitungen.

Anders verlief es in Gelsenkirchen, wo sich am Samstagvormittag Erdoğan-SympathisantInnen vor einem türkischen Jugendtreff versammelten – zunächst friedlich. Die Stimmung kochte hoch und es kam zu heftigen Rangeleien zwischen den Lagern, schließlich gingen Fenster zu Bruch. Jener Treff steht der Gülen-Bewegung nahe, der von der türkischen Regierung eine Beteiligung am Putschversuch vorgeworfen wird. Nun ermittelt der Staatsschutz.

In weiteren, dem islamischen Prediger Fethullah Gülen nahestehenden Einrichtungen brachten Unbekannte Schilder mit der Aufschrift: „Reize nicht die Türken“ an. An einer Hagener Ditib-Moschee tauchte ein „Vaterlandsverräter“-Poster auf. In Remscheid und Würzburg vandalierten DemonstrantInnen gegen Bildungseinrichtung. 

PolitikerInnen zeigten sich besorgt über die Entwicklungen am ersten Wochenende nach dem Putschversuch; die nordrhein-westfälische Polizei hingegen vermied sorgenvolle Aussagen. Sie spricht von bis zu 15.000 DemonstrantInnen landesweit. Nur selten sei es zu Ausschreitungen gekommen. 

:Katrin Skaznik

Die Angst zu sprechen

Wir haben versucht, Kontakt zu in der Türkei lebenden Personen aus universitärem Umfeld herzustellen, nachdem Erdoğan ein Ausreiseverbot für AkademikerInnen verhängte, 15 Unis und 1.000 Schulen hat schließen lassen. Die Antwort einer ehemaligen Fremdsprachendozentin zeichnet ein deutliches Bild von der Stimmung im Land: „Ich habe einfach Angst, mir und meinem Mann mit irgendwelchen Aussagen die Zukunft zu verbauen.“ Der Kontakt ins Ausland sei gerade über Internet besonders unsicher. 

Eine Studentin aus Düsseldorf berichtete, wie schon vor einigen Wochen eine Kommilitonin mit türkischem Pass bei der Einreise in die Türkei bereits am Flughafen festgenommen und verhört wurde. Sie hatte zuvor – von Deutschland aus – erdoğankritische Posts auf Facebook geteilt.
Damit ist nicht nur die Presse in der Türkei gleichgeschaltet. Die Menschen trauen sich nicht einmal mehr, das Internet zu nutzen, um ihre Meinung zu äußern oder bloß die Lage vor Ort zu schildern.
 
:Die Redaktion
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