VRR-Vorstand: „Sozialpolitik ist nicht unser Thema“
Verkehrsverbund setzt Solidarmodell aufs Spiel
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Scheint selbst gelangweilt von seinem eigenen Geschwafel: VRR-Vorstand José Luis Castrillo (r); links Nur Demir vom AStA und StuPa-Sprecher Felix P. Joswig. Foto: USch
Scheint selbst gelangweilt von seinem eigenen Geschwafel: VRR-Vorstand José Luis Castrillo (r); links Nur Demir vom AStA und StuPa-Sprecher Felix P. Joswig.

Nach der Farce von Dortmund, wo José Luis Castrillo zwei Wochen zuvor ein Gastspiel gab (die :bsz berichtete), hat das VRR-Vorstandsmitglied auch bei seinem Auftritt im Studierendenparlament (StuPa) der Ruhr-Uni am vergangenen Mittwoch viel geredet und wenig Konkretes gesagt. Neue Verhandlungen über die geplanten bis zu fünfzigprozentigen Preissteigerungen beim Semesterticket jedenfalls soll es weiterhin nicht geben.

Betroffen sind insgesamt rund 210.000 Studierende im Einzugsbereich des VRR. Nun mobilisiert das Protestbündnis „So nicht, VRR!“ zur Verwaltungsratssitzung am Freitag, den 12. Dezember, ab 10:30 Uhr im Essener Rathaus.

Knapp 300 Studierende waren der Einladung zur kurzfristig in den Hörsaal HZO 10 verlegten StuPa-Sitzung gefolgt und ließen sich eingangs von AStA-Referent Sven Heintze (Gewi) die geplanten Preissteigerungen beim Semesterticket erläutern. Diese hätten zur Folge, dass der Semesterbeitrag an der RUB inklusive VRR- und NRW-Ticket bis 2019 von derzeit 268 auf bis zu 324 Euro steigen würde. Durch eine solche Entwicklung würden immer mehr Studierende an die Grenze des ökonomisch Leistbaren gebracht und das Solidarmodell der Finanzierung des Tickets aufs Spiel gesetzt.

Den Vorschlag eines Mitglieds der Grünen Hochschulgruppe, Karsten Finke, den limitierten Sozialfonds des AStA, aus dem ökonomisch stark benachteiligten Studierenden der Semesterbeitrag erstattet werden kann, auch aus VRR-Mitteln zu speisen, wies Castrillo zurück: „Sozialpolitik ist nicht unser Thema.“ Auch bezüglich der Frage einer eventuellen Steigerung der Taktfrequenz der chronisch überfüllten Campuslinie U35 stellte der Chef der VRR-Marketingabteilung keine konkreten Verbesserungen in Aussicht. Umso wichtiger ist es, den gemeinsamen Protest am 12.12. ins Essener Rathaus zu tragen!

Wiederholt flüchtete sich VRR-Vorstand José Luis Castrillo bei seinem RUB-StuPa-Besuch am 3. Dezember in Worthülsen: „Bei Handlungsbedarf handeln wir auch“, versuchte sich Castrillo über die Runden zu retten. Die StudierendenvertreterInnnen jedenfalls hatten durchweg „den Eindruck, einen fairen Dialog und klare Antworten erhalten wir von ihm nicht“, heißt es aktuell auf asta-bochum.de.

Doch die Studierenden waren nicht unvorbereitet und hielten kollektiv immer wieder vorbereitete Schilder mit der Aufschrift „Beantworten Sie die Frage“ in die Höhe.

Wenig dialogbereiter VRR-Vorstand

Seitens der Verfassten Studierendenschaft wird zudem Solidarität auf politischer Ebene vermisst. Sowohl bei der Landesregierung als auch im VRR-Verwaltungsrat, der sich zum Teil aus KommunalpolitikerInnen zusammensetzt, hat sich die Stimmung in den letzten Monaten gegen die Studierenden gewendet. So hielte NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) auch ein um bis zu 50 Prozent verteuertes Ticket laut WDR-Bericht vom 20. November immer noch für „äußerst günstig“ und gehe davon aus, dass die geplante Preissteigerung nicht zu einer Umlagerung des Verkehrs vom ÖPNV zum Auto führe. „Uns zeigt das leider nur zu deutlich, wie weit sich die Landes- und Kommunalpolitik von den Interessen der Studierendenschaften entfernt hat“, heißt es in der aktuellen AStA-Erklärung.

Studibus-Vertrag statt Demo

Obwohl eigentlich bis 21 Uhr Zeit gewesen wäre, wurde die knapp zweistündige Publikumsdiskussion von StuPa-Sprecher Felix Pascal Joswig schon gegen 20:15 Uhr abgebrochen. Mehrere Studierende, die sich teils bereits etwa eine Stunde lang gemeldet hatten, konnten ihre Fragen somit leider nicht mehr stellen. Am Ende erwog der StuPa-Sprecher sogar, von der Ausübung des Hausrechts Gebrauch zu machen, als ein Studierender noch zwei Fragen an VRR-Vorstand Castrillo formulierte, ohne dass ihm das Wort erteilt worden war. Diese blieben – wie so viele andere an diesem Abend auch – unbeantwortet; nur machte sich José Luis Castrillo nicht einmal mehr die Mühe, überhaupt etwas zu erwidern.

Der vorzeitige Abbruch der Diskussion geschah nicht etwa, um den Studi-Protest am Ende eventuell vor den Hauptbahnhof zu tragen; vielmehr war den AStA-tragenden Listen daran gelegen, nach dem bereits in der letzten Sitzung angenommenen Kooperationsvertrag mit dem Carsharing-Anbieter Citeecar kurz vor der StuPa-Wahl noch einen ähnlichen Vertrag mit dem Kleinbus-Verleiher Studibus abzuschließen…

 

INFOBOX

Auf zur Demo vor dem Essener Rathaus, wo der VRR-Verwaltungsrat tagt – am 12. Dezember ab 10:30 Uhr! Um hoffentlich pünktlich vor Ort zu sein, könnt Ihr von Bochum Hbf aus um 9:33 Uhr den Regionalexpress 11 auf Gleis 3 nehmen.
Aktuelle Informationen findet Ihr hier: facebook.de/SoNichtVRR