Kommentar: Proteste in Essen gegen Bürgerwehr
Verdienter Shitstorm?

Am Abend des 22. Januar musste das UnPerfekthaus in Essen vorzeitig schließen. Grund dafür war eine angekündigte Demo von Linken gegen die Erstveranstaltung einer Bürgerwehrinitiative. Reinhard Wiesemann, Betreiber der Einrichtung, wollte dieser in seinen Räumen einen Treffpunkt geben. Zuvor rechtfertigte er in einem offenen Brief sein Handeln im Zusammenhang mit der Aufnahme der Bürgerwehr und erntete in kürzester Zeit massive Proteste für sein Vorhaben.

„Eine sehr faule Reaktion“ nannte Wiesemann die Bemühungen vieler, das UnPerfekthaus schlecht zu bewerten und so den Ruf des Kulturzentrums zu schädigen, weil er einer Essener Bürgerwehr die Pforten öffnen wollte. Proteste und Vorwürfe folgten, noch bevor das Treffen der Bürgerwehr überhaupt stattfand. Grund hierfür waren jedoch die öffentlichen Äußerungen vieler Mitglieder der Initiative auf Facebook, die auf rechte und radikale Gesinnung schließen ließen.

Wieso also bot Wiesemann diesen Menschen seine Unterstützung an? Darf man im Kontext der Flüchtlingsdebatte so arglos sein, vor allem als Betreiber einer alternativen Kultur-Einrichtung?

Sammelbecken nur für Rechte?

In seiner Erklärung forderte Wiesemann eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema Bürgerwehr und bot dafür ein demokratisches Forum. Schließlich sollte man nicht Menschen ausgrenzen, die sich engagieren wollen, da sie sonst leichter zu radikalisieren seien.  Weiterhin wäre es falsch, die ganze Gruppe zu verurteilen, nur weil einige verwerfliche Parolen rufen. Dass es nicht nur wenige sind, zeigen die Kommentare und Profile der Mitglieder, wobei besonders zu betonen ist, dass der Sprecher der Initiative, Pierre Müller, ehemaliges Mitglied einer Nazi-Rockband war.

Zu blauäugig

Man kann verstehen, dass Wiesemann als Unternehmer nur das Beste für seinen Betrieb wollte, doch ist die Aufnahme einer radikalen und gewaltbereiten Bürgerwehr, auch wenn diese strikt betont, dass sie es nicht sei, eine blauäugige und naive Entscheidung. Hier hätte sich Wiesemann mehr und besser über die Hintergründe und die Mitglieder der Bewegung informieren sollen. 

:Eugen Libkin