Schaut rein ins magazine automatique!
Utopie trotz Pandemie
Bild: hakl
Auch bei verschlossener Tür: Die Kunst macht weiter. Bild: hakl
Auch bei verschlossener Tür: Die Kunst macht weiter.

Magazin. Das Bochumer „atelier automatique“ veröffentlichte nun das „magazine automatique“, das uns daran erinnern soll, die Kunst nicht zu vergessen.

Kunst und Kultur als Treffpunkt ist wohl einer der am stärksten betroffenen Bereiche der Corona-bedingten Einschränkungen. Wo einst nach Aufführungen oder der Betrachtung eines Kunstwerks direkter Austausch stattfinden konnte, wird heute meistens nur mit müden Augen der Laptop zugeklappt. Deshalb sucht das atelier automatique, das an der Rottstraße ansässig ist, seit März 2020 bereits nach alternativen Möglichkeiten des kulturellen Zusammentreffens. In diesem Sinne wurde kürzlich auch das magazine automatique veröffentlicht, das sowohl online verfügbar ist unter tinyurl.com/49t6kjj2 als auch beim Atelier selbst per Mail in gedruckter Form bestellt werden. „Um die Inhalte der vielen schon geplanten Veranstaltungen im atelier automatique nicht einfach versanden zu lassen, aber auch aus einer Sehnsucht nach Austausch heraus, entstand die Idee, dieses Magazin zu realisieren“, heißt es auf der Homepage.
Schließlich wird immer noch zuhauf neue Kunst geschaffen, nur die Präsentationsform wurde erschwert. Zu diesem Thema, besonders in Bezug auf die Sehnsucht nach gemeinschaftlichem Erleben von Kunst, gibt es beispielsweise einen Text im Magazin von Natascha Frankenberg, die auch als Medienwissenschaftlerin an der RUB tätig ist. Dennoch fördert die Lage auch ein Denken über alternative Formen der Präsentation. „Dass wir gerade keine Präsenzveranstaltungen machen können, finde ich sehr bedauerlich, da für mich im Zusammenkommen und einander Zuhören ein wichtiges politisches Moment liegt, das mich antreibt, das zu tun, was wir da machen. Die Frage, wie wir weiterhin im Austausch mit einem Außen bleiben können und auch den Raum als Ressource weiterhin teilen können, hat uns also direkt viel beschäftigt. Ein Format, das mir gerade sehr sinnvoll erscheint, sind die Schaufensterausstellungen, von denen wir mehrere organisiert haben“, so Eva Busch, Redakteurin des magazine automatique. Die Schaufensterausstellungen sind ein neuer Weg, der auch abseits von Corona eine neue interessante Begegnungsform schafft, denn Kunst wird Passanten vor die Füße gelegt, die vielleicht sonst nicht die Schwelle zum Atelier übertreten würden. „Das ist viel mehr als eine Notlösung, es macht Kunst im Alltag, im Vorbeigehen und für ein anderes, breiteres Publikum zugänglich. Damit wird es auf jeden Fall weitergehen und ich bin schon richtig gespannt, was uns und den beteiligten Künstler:innen da noch für Lösungen einfallen! Mir ist es wichtig, dass auch für Menschen, die sonst als Besucher:innen ins atelier automatique gekommen sind, der Raum weiterhin als realer Ort präsent bleibt“, so Eva Busch.

Im magazine automatique wird auf die Verschiedenheiten der in der Pandemie zu meisternden Aufgaben und Schwierigkeiten hingewiesen, die auch von Mutterschaft bis zu fehlender Resonanz für künstlerische Arbeit reicht. Dennoch versucht das atelier automatique permanent daran zu erinnern, dass die gegebenen Umstände für Normalbürger:innen ein schieres Aussitzen bedeuten müssen. Eva Busch ist sich sicher: „Um weiterhin wach und in Verbindung zu bleiben, aber auch um den alltäglichen Katastrophen etwas entgegensetzen zu können, brauchen wir unbedingt und gerade jetzt utopisches Denken. Wir dürfen nicht aufhören, uns vorzustellen, wie es noch sein könnte, welche Welt wir uns erträumen wollen und damit ja auch schon ein bisschen realer werden lassen“.

:Henry Klur

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