Nach vier Jahren endlich eine Entschuldigung der Columbia an Paul Nungeßer.
US-Unis sind Konzerne
It’s too late to apologize: Columbia entschuldigt sich endlich.
It’s too late to apologize: Columbia entschuldigt sich endlich.
It’s too late to apologize: Columbia entschuldigt sich endlich.

Kommentar. Nach über vier Jahren hat sich die Columbia University bei Student Paul Nungeßer entschuldigt.

Die Geschichte, die im April 2013 ihren Anfang nahm, klingt wie aus einem Kafka-Roman: Paul musste Verhöre über sich ergehen lassen – durchgeführt von UniversitätsmitarbeiterInnen ohne juristische Vorkenntnisse. Beweise für seine Unschuld wurden nicht akzeptiert. Das vermeintliche Vergewaltigungsopfer Emma Sulkowicz wurde weder medizinisch untersucht, noch gab es eine Spurenanalyse ihrer blauen Matratze. Der Beschuldigte hatte keineN VerteidigerIn während der Anhörungen. Rechtsbeistand ist bei den US-Uni-Verfahren nicht zugelassen. Obwohl er im Winter 2013 freigesprochen wurde, entschuldigte sich die Columbia lange Zeit nicht. Paul blieb Opfer sozialer Isolation und musste als gebrandmarktes Kind weiterleben.

Das alles für die Kunst? Emma trug ihre Matratze – auf der sie angeblich vergewaltigt wurde – von September 2014 bis Mai 2015 auf dem Campus herum. Ihr Kunstprofessor war begeistert. Der Hype um Emmas Matratze gewann immer mehr Popularität. Beim National Day of Action haben Studis an vielen Unis der USA einen Marsch mit Matratzen über ihre Campi veranstaltet. Die Klägerin wollte, dass sich Paul nicht mehr sicher fühlt. In den sozialen Medien erhielt er Morddrohungen. 

Image vs. Gerechtigkeit

Die Columbia University und andere Unis sind in den USA zu Marken geworden. Ein Abschluss an einer Elite-Uni verhält sich zu einem an einer weniger angesehenen Uni wie ein Porsche zu einem Fiat. Auch der (Marken-)Name einer Uni allein kann schon über eine gewisse Strahlkraft verfügen. Wenn die Marke beschädigt wird, fällt die Nachfrage. Um ein PR-Desaster zu vermeiden, schlug sich die Uni auf die Seite der AktivistInnen um Emma. Gemeinsam mit der AktivistInnengruppe „No Red Tape“ hat die Columbia 2014 ihre Politik gegen sexuellen Missbrauch verschärft – um den eigenen Namen zu schützen. Dafür wurde der Name eines unschuldigen Mannes zerstört.  Erst jetzt, vier Jahre später, hat er eine Stellungnahme der Columbia mit einer Entschuldigung erhalten. Paul wird trotzdem in den Augen vieler für immer ein Vergewaltiger bleiben. 

:Katharina Cygan