Und wieder das Gebiss in die Nudeln gespuckt
Unverhoffter Besuch: 83-Jähriger landet auf Peter Kardells Schoß
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Das Ziel des Glückspilz: Die Mensa der RUB mit ihrer fantastischen Nudeltheke. Bild: Archiv
Das Ziel des Glückspilz: Die Mensa der RUB mit ihrer fantastischen Nudeltheke.

Satire. Auf dem Weg zur Mensa verfing sich das nicht geländesichere Vehikel des 83-jährigen Herbert Kowalski in den wackeligen Platten des Nordforums. Er fand sich auf dem Schoß von Peter Kardell wieder, zur großen Verwunderung beider Beteiligter.

„Eigentlich wollte ich doch nur in die Mensa“, erklärt Herbert Kowalski den Unfallhergang. „Ich gehe diesen Weg immer. Doch dieses mal muss ich an der dritten Wackelplatte links in die falsche Kerbe gerutscht sein.“ Er fand sich am Ende seines holprigen Marsches auf dem Schoß des sagenumwobenen Peter Kardell wieder. Dem 83-jährigen ist gelungen, was der :bsz-Redaktion lange Zeiten verwehrt blieb.

An dem Tag trafen mehrere unvorhergesehene Dinge ein. Zum einen gab es in der Mensa an einem Mittwoch Farfalle, das sei sonst nie der Fall berichtet Kowalski, üblicherweise gäbe es immer Fussili. Ganz sicher ist er sich nicht, dass könne auch freitags der Fall sein. Dennoch gehe er diesen Weg jeden Dienstag, da er regelmäßig montags in der Mensa esse und er sagt, er kenne den Weg wie seine Westentasche. Trotz der Routine, die er bei dem Gang immer hätte, muss der 83-Jährige an diesem Tag einen anderen Weg genommen haben. Denn der Rollator des Jurastudenten verfing sich mit seinem Rad in einer der Wackelplatten. Als er mit einem Ruck versuchte, das Vehikel aus der Fuge zu wuchten, muss er einen geheimen Mechanismus ausgelöst haben, der auf direktem Wege zu Kardell führt. „Ich bin mit meinem Rollator runtergerutscht und fand mich plötzlich auf dem Schoß eines sehr verdutzt dreinblickenden Mannes wieder, der gerade eine E-Mail tippte“, erklärt er. Er habe sich daraufhin entschuldigt und nach dem Weg in die Mensa gefragt. Kardell, der gerade eh Mittagspause machen wollte, begleitete den alten Herrn. „Auch um nochmal einen derart unerwarteten Besuch zu vermeiden“, sagt Kardell. „Aufgrund der Corona-Pandemie sollten wir ja gerade die Risikogruppen schützen. Der Mechanismus zum Geheimgang wurde umgehend verlegt und ausgebessert, damit solch ein Vorfall nicht nochmal passiert.“

Kowalski gibt an, er habe erst beim gemeinsamen Mittagessen erfahren, mit welch einer berühmten Person er gerade den Tisch teile: „Peter Kardell war immer ein Mythos. Wie Einhörner oder Menschen, die bei einer Pandemie zuhause bleiben. Irgendwie unerreichbar. Tja und dann fiel ich ihm in den Schoß“. Tatsächlich ist der Student im 25. Semester sehr angetan von Kardell: „Das ist ein ganz patenter junger Herr. Sehr hilfsbereit und kommunikativ. Ich hätte nicht gedacht, dass er so bodenständig ist, schließlich kennen ihn ja alle. Ein bisschen schüchtern wirkt er aber doch.“

Ob die beiden ein weiteres Mal miteinander Mittagessen? Wenn man zufällig nochmal in die richtige Ritze rutschen würde, könne man das ja spontan entscheiden, sind sich beide einig. Herbert Kowalski sagt, das dies aber unwahrscheinlich sei, sein Enkel habe ihm neue geländesichere Reifen auf seinen Sportrollator gezogen. Diese seien breiter und würden nicht mehr in den Fugen hängen bleiben. „Das ist auch sicherer, hat der Junge mir erklärt, weil ich in den Kurven immer den Halt verloren habe.“

Er werde den Tag jedenfalls nicht so schnell vergessen, sagt Kowalski, schließlich habe er sehr leckere Tagliatelle gegessen, als auch den Mythos aus seinem ersten Semester getroffen. „Das war ein wirklich netter Sonntag!“

:Kendra Smielowski
Symbolbild