Wie werden Hausärzt:innen mit dem massiven Impf-Andrang fertig?
Unter Druck: Erste Hausärzt:innen legen die Spritzen nieder
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Die Nadel im Arm – ein entscheidender Schritt im Kampf gegen COVID. 

Impfkampagne. In Österreich ziehen sich nach ersten Entpriorisierungen niedergelassene Ärzt:innen aus dem Impfgeschehen zurück. 

Seit die Hausärzt:innen in Deutschland die zugelassenen Impfstoffe verimpfen dürfen und die ersten Priorisierungen gelockert wurden, rollte die Impfkampagne in der Bundesrepublik zunehmend an. Der massive Andrang der Impfwilligen ist als solcher zwar gut und recht, aber zieht in Österreich bereits ungewünschte Nebenwirkungen nach sich – in Salzburg springen die ersten Hausärzt:innen ab. Die Faktoren snd unterschiedlich. Angesichts der niedrigen Tarife ziehen sich einige niedergelassenen Ärzt:innen aus dem aktiven Impfgeschehen zurück. Ausschlaggebender erscheint allerdings, dass die Regelversorgung der Patient:innen, laut des Verbandschesf der Hausärzte Oliver Funken, in der aktuellen Situation schwieriger zu gewährleisten sei. Daneben sei die Kommunikation mit Impfwilligen bisweilen von einer aggressiven Stimmung seitens der Nachfragenden geprägt. Hausärzt:innen befürchten, dass der Andrang auf ihre Praxen mit weiteren Lockerungen und Entpriorisierungen in der Impfkampagne noch stärker wird und der Druck wächst. Sie befürchten einen enormen Ansturm auf die knappen Impfstofflieferungen, sodass sich der Frust der Patient:innen durch das falsche Kalkül entladen könnte und auf die Ärzt:innen zurückfällt; diese äußern Bedenken. Funken legt das Dilemma offen: Einerseits wolle man der Bevölkerung helfen, aber man müsse auch das Wohl der Beschäftigten im Blick behalten – und auch den Fortbestand der Praxis. Eine innere (emotionale) Kündigung der Mitarbeiter:innen angesichts chaotischer Situationen dürfe es aber nicht geben. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Aufhebung der Impf-Priorisierung am 7. Juni in Nordrhein-Westfalen auswirken wird. Angesichts der Bedenken der Hausärzt:innen erscheint es weiterhin als oberstes Gebot, nicht nur als Einzelne:r solidarisch bezüglich des Vorrangs risikobehafteter Mitbürger:innen mit der Impf-Situation umzugehen, Vorrang zuzugestehen und zu akzeptieren, wenn die Spritze heute nicht im eigenen Arm steckt, sondern auch weiterhin gegen den möglich aufkommenden Frust Sympathie und Verständnis für die Ärzt:innen aufzubringen.             

  :Rebecca Voeste